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Dierk's page - Köln im 2. Weltkrieg - Special 2
Gab es das Panzerduell gar nicht ? (7)

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Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.

 

Weitere Überlegungen. Warum sind die Aufnahmen des Panther von Bates mit Teleobjektiv in Nahaufnahme gemacht worden, wenn besonders gut Treffer und Details zu sehen sind und das Risiko besonders hoch wäre, es als Fälschung zu entlarven. Eine normale weitere Einstellung wie die meisten anderen Einstellungen des Originalfilms wäre doch ausreichend und mehr sicher für eine Nachstellung gewesen.
Bates stand mit seiner Kamera - wie bereits auf der Kabel-Theorie-Seite dargestellt - sicher etwas zurück im Zimmer-Inneren. Das würde zunächst auch noch mal unterstützen, daß der Feuerball des abschießenden Pershing wenig Einwirkung auf die Nahaufnahme-Szenen hatte, da die etwas im Raum befindliche Kamera sicherlich garkeinen direkten Sichtkontakt zum Pershing und dem entstehenden Feuerball hatte. Vermutlich ist auch der Umstand des Filmens mehr aus dem Zimmer-Inneren heraus ein Grund für die Verwendung des Teleobjektives, denn bei einem normalen Objektiv wäre bei einer vom Fenster entfernten Position (am Fenster konnte er ja nicht stehen) zwangsläufig mehr vom Fenster auf den Aufnahmen zu sehen gewesen als von der Straßenszenerie - abgesehen davon, daß dies auch zu Belichtungsproblemen (dunkles Zimmer, taghelle Straße) hätte führen können.
Zudem war es sicherlich ein dramaturgischer Gedanke, die Nahaufnahme zu wählen. Dem Feind sozusagen ins Auge zu blicken - für eine Wochenschau ein kalkulierter Nervenkitzel. Allerdings wäre auf die Nahaufnahmen sicher verzichtet worden, wenn dadurch die Gefahr bestanden hätte, daß dadurch aufgefallen wäre, daß es sich nur um eine Nachstellung handelt. Insofern zeigt die Verwendung von Nahaufnahmen, daß die Amerikaner nichts zu verbergen hatten und authentische Aufnahmen eines echten Panzerduells zeigen.

Meine Quintessenz:
Rheindorfs Thesen zum Abschuß durch den Pershing sind weit davon entfernt, gesichert zu sein. Die Umstände, Tatsachen und vernünftige Überlegungen sprechen dagegen.

 

Trojanischer Panther

Rheindorfs These:
Rheindorf stellt die These auf, der Panther sei von einem von den Amerikanern gekaperten Panther geblufft worden. Dieser hätte dann den Panther abgeschossen und nicht der Pershing. Er beruft sich dazu auf die Aussage eines Familienmitglieds eines zwischenzeitlich verstorbenen Überlebenden des abgeschossenen Panther. Dieser habe behauptet man sei mit einem deutschen Panzer gelinkt worden, dieser sei aufgetaucht und habe sie dann plötzlich beschossen. Rheindorf zieht dies auch als Begründung heran, warum der Panther nicht auf den Pershing geschossen habe. In Düsseldorf soll es zuvor auch schon eine solche Kriegslist gegeben haben.

Meine Bewertung:
Auch hinsichtlich dieser These von Rheindorf bleiben reichlich Fragen. Konnten die Amerikaner tatsächlich innerhalb kurzer Zeit jemanden finden, der einen zudem gefechtsbereiten Panther bedienen konnte ?
Der Panther wäre aus Richtung der vorrückenden Amerikaner gekommen, die in der Komödienstraße bereits nur wenige Meter entfernt waren. Eigentlich konnten in diesen Straßenzügen rund um die Komödienstrasse doch keine deutschen Einheiten mehr sein. War es da tatsächlich zu erwarten, dass aus dieser Richtung ein deutscher Panzer auftauchte bzw. mußte es für die Besatzung realistisch sein, einen Panther zu sehen ? Und sollten die Amerikaner tatsächlich so ein Risiko eingegangen sein, einen trojanischen Panther mit eigenen Soldaten vorzuschicken ? Sie mußten davon ausgehen, daß der Panther am Dom einen amerikanischen Angriff erwartete und voraussichtlich sofort schießen würde, wenn etwas im Sichtfeld auftaucht. Es wäre also aus Sicht der Amerikaner mehr als unsicher gewesen, ob die deutsche Besatzung sich von einem derartigen Trick überhaupt hätte täuschen lassen und nicht vielleicht sofort geschossen hätte, davon ausgehend, es könne nur ein feindlicher Panzer aus dieser Richtung kommen. Geht man dann so ein Risiko tatsächlich ein, vor allem mit einem deutschen Panzer, den die amerikanische Besatzung nicht in so kurzer Zeit richtig beherrschen kann ?

Der Panther am Dom mußte 5 verschiedene Richtungen, aus denen theoretisch Amerikaner kommen konnten, überwachen.

Die Pfeile zeigen woher Gefahr drohte: aus Richtung Wallrafplatz, Burgmauer, Komödienstraße, An den Dominikanern und Andreaskloster. Möglicherweise war dies der einfache Grund für die fehlende Zeit zu einem ersten Schuß auf den Pershing, der Panther war nur nicht schnell genug bei der Entdeckung des Pershing und der Ausrichtung der Kanone. In älteren Aussagen von Bates und Smoyer findet man entsprechende Hinweise, daß der Panther seine Kanone erst in Richtung Pershing bewegt hätte, als dieser in die Kreuzung einfuhr.

Etwa diesen Blick hatte die Panther-Besatzung auf den hinten an der Kreuzung auftauchenden Pershing-Panzer. Das Eckhaus links gab es damals schon, ebenso die rechte Häuserzeile mit dieser Häuserecke und hinten das Gebäude der Deutschen Arbeitsfront, aus dessen 3. Etage Bates filmte. Davor steht in etwa maßstabsgerecht ein Panzer Typ Pershing. Die damaligen hinteren Häuser der linken Häuserzeile waren damals natürlich mehr oder weniger stark zerstört, dennoch dürfte der Sichtbereich in Richtung Kreuzung so groß gewesen sein, wie auf dieser Bildmontage, denn die Ruinen an der Ecke erreichten sicherlich eine Höhe von mindestens 3 Metern, so daß der Pershing sie nicht überragen konnte.
Hat die Panther-Besatzung nur nicht geschossen, weil sie den Pershing als ganz neuen Panzertyp noch nicht kannte und daher unsicher war, was da in die Kreuzung fuhr - bei diesem kleinen Sichtbereich hatte man nicht viel Zeit, sich über den Panzertyp klar zu werden. Der Pershing mußte den deutschen Soldaten noch ziemlich unbekannt sein, wie folgender Textausschnitt aus einem Artikel über den Pershing bei Wikipedia zeigt:

" ... die Panzer wurden ab Januar 1945 nach Europa verschifft .... Im Februar 1945 wurden die ersten zehn Pershings bei der 3. Armored Division unter General Omar Bradley zum ersten Mal eingesetzt. ... Der erste Pershing in Europa wurde bei seiner Feuertaufe am 26. Februar 1945 von einem Tiger I in Elsdorf abgeschossen (dieses Gefecht ist wegen des überraschenden Einsatzes des neuen US-Panzers auch als „Elsdorfer Überraschung“ bekannt)."
Artikel M26 Pershing. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juli 2008, 17:23 UTC. Link: Artikel

Die neuen Pershing Panzer waren also erst wenige Tage im Einsatz, als ein Pershing dem Panther in Köln gegenüberstand und die Besatzung des Panther möglicherweise einen Moment zuviel über diesen Panzer ins Grübeln kam.

Links der Pershing, rechts der Panther am Dom in allerdings schon etwas demoliertem Zustand. Dennoch erkennbar: in einer in Sekunden zu treffenden Entscheidung in der Aufregung eines aktuellen Kampfgeschehens, den Feind ganz in der Nähe wissend, wäre eine Verwechslung der beiden Panzertypen nachvollziehbar, d.h. da die deutsche Panzerbesatzung den Pershing noch nicht kennen konnte, hätte sie ihn auf den ersten Blick durchaus auch für einen Panther halten können, für einen zweiten Blick war es allerdings dann schon zu spät, da hatte der Pershing bereits geschossen.

Nach dem Abschuss "ohne Gegenwehr" war der deutschen Panzerbesatzung klar geworden war, daß es zu einer Fehleinschätzung gekommen war, dieses war ihr möglicherweise peinlich oder sie waren sogar tatsächlich davon überzeugt, der Pershing sei ein Panther gewesen und sie erzählten die Trojaner-Story guten Gewissens aber entgegen der Wahrheit?

Rheindorf präsentiert die Aussagen der Tochter des von ihm recherchierten überlebenden Soldaten König und eines Schwagers des von ihm recherchierten überlebenden Soldaten Bartelborth. Beide berichten, Vater bzw. Schwager hätten davon berichtet, von einem "deutschen Panzer" ausgetrickst worden zu sein. Hier fällt schon auf, daß nur von einem "deutschen Panzer" die Rede ist, die genauere Bezeichnung wie z.B. "Panther" fällt nicht und zwar bei beiden Personen nicht. Das würde dazu passen, daß die Soldaten den nagelneuen Pershing beim plötzlichen Auftauchen nur nicht zuordnen konnten und diesen daher in der Aufregung zunächst für einen deutschen Panzer hielten. Später wurde dann ein Trick der Amerikaner daraus ....

Sternstunden des Journalismus erlebt man dann bei den Kommentierungen Rheindorfs. Er zeigt sich beeindruckt davon, daß beide Überlebenden doch so unabhängig voneinander von der Trojaner-Story erzählt hätten, immerhin hätten sie doch nach ihrer Gefangennahme nie wieder Kontakt gehabt.
Aber was sagt das schon aus, wenn beide vorher gemeinsam im gleichen Lazarett gewesen sind und sich dort oder auch schon vorher austauschen konnten. Wahrscheinlich werden sie dort nicht von ihren letzten Urlaubserinnerungen geschwelgt haben sondern über die unmittelbar hinter ihnen liegenden Gefechtshandlungen gesprochen haben. Im von Rheindorf gezeigten Bericht des Nachrichtenkorrespondenten Mike Levin vom 7. März heißt es, König hätte "next to him" (Bartelborth) gelegen, also König neben Bartelborth. Genug Zeit also um sich auszutauschen, da war es garnicht mehr notwendig, daß die beiden sich nach der Gefangennahme dann nicht mehr gesehen haben.
Und daß alle beide den angreifenden Panzer persönlich gesehen haben, ist auch eher unwahrscheinlich. Schließlich waren die Sichtmöglichkeiten aus einem Panzer heraus begrenzt, es gab ja keine Panoramafenster, sondern Schlitze und Optik. Am besten konnte noch der Kommandant sehen, das Sichtfeld des Richtschützen war schon sehr eingeengt. Welche Funktionen die beiden Panzersoldaten an welchem Ort im Panther ausübten bleibt unklar. Der Schwager berichtet in seinem kurz gezeigten Brief an Rheindorf (von diesem aber nicht vorgelesen), sein Schwager hätte im Rang eines Leutnants im Panzer die Funktion eines Richtschützen ausgeübt. Rheindorf äußert sich dahingehend, Bartelborth sei der Panzerkommandant gewesen. Wo aber war bzw. saß dann überhaupt König ? Aufgrund der Position der Sichtschlitze am Panzer hätte er als Fahrer, Funker oder Ladeschütze den anderen Panzer vermutlich nicht sehen können. Aus dem Film ergibt sich nichts hinsichtlich seiner genauen Funktion, die Tochter hält sich bei der Erzählung der auch ihr nur überlieferten Schilderungen ihres Vaters auch sehr zurück und erzählt vergleichsweise allgemein. Sie sagt im Verlauf der Erzählung z.B., "er" - der Vater - "habe nicht geschossen" und korrigiert dann "sie haben nicht geschossen". Diese Korrektur der Formulierung er/sie läßt darauf schließen, daß König jedenfalls nicht als Schütze tätig war. Und er war auch nicht der Kommandant. Das wiederum bedeutet, daß er den anderen Panzer mangels entsprechender Sichtmöglichkeit im Panzer mit größter Wahrscheinlichkeit garnicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Vermutlich hat hier Bartelborth König diese Geschichte vom deutschen Panzer also nur weiter erzählt. Das würde auch noch einmal deutlicher machen, warum bei beiden Schilderungen auch immer nur von einem "deutschen Panzer" die Rede war und nicht etwa von einem Panther. Denn wenn der eine dem anderen erzählt, es sei ein "deutscher Panzer" gewesen, der da aufgetaucht sei, kann natürlich auch der andere nur von einem "deutschen Panzer" sprechen und nicht noch einen Panther daraus machen.

Und zur Untermauerung der Glaubwürdigkeit der beiden Trojaner-Aussagen behauptet Rheindorf dann auch noch, König habe "nachweislich keinen Grund" gehabt, seine Kriegserlebnisse zu beschönigen oder die Leistung der Amerikaner zu schmälern.
Na, wie soll denn so ein Nachweis aussehen ? Wie will man so etwas feststellen ? Gibt es ein Führungszeugnis o.ä., in dem steht: "Soldat König ist eine ehrliche Haut, hat scharfe Augen, beschönigt oder schmälert nie" ???
Aber natürlich hört sich so ein "nachweislich" in einer Filmkommentierung erst einmal gewichtig an, wenngleich es letztlich auch nicht mehr als eine leere Wortphrase ist.

Auch bei Betrachtung dieser These Rheindorfs muß man zudem wieder fragen, wo sind ausser den beiden Deutschen sonstige Zeitzeugen ? Ein deutscher Panzer hätte vor Ort besorgt werden müssen. Er hätte noch funktionstauglich sein müssen. Er hätte an diversen amerikanischen Soldaten und Pressevertretern vorbei fahren müssen. Und niemand erzählt später davon ?

Rheindorf verweist auf die damalige Haager Landkriegsordnung und den darin befindlichen Artikel 23, der ausführt, daß in Kriegen untersagt sei:
"f) der Mißbrauch der Parlamentärflagge, der Nationalflagge oder der militärischen Abzeichen oder der Uniform des Feindes sowie der besonderen Abzeichen des Genfer Abkommens."

Wäre dies also ein Grund, über die "wahren Umstände" (trojanischer Panzer) zu schweigen und sogar ein Panzerduell komplett nachzudrehen ? Rheindorf verweist in seiner Doku auf den am Dom kommandierenden Einsatzleiter Col. Clifford L. Miller, der geäußert haben soll, er würde vor ein Kriegsgericht gestellt, wenn er alles über seine in Köln erlebten "bittersten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg" erzählen würde. Rheindorf bezieht diese nebulösen Aussage journalistisch geschickt vorgeblich auf die mit Verlusten der Amerikaner verbundene Lage am Dom, zielt aber unterschwellig geschickt auch auf das angebliche Täuschungsmanöver durch einen trojanischen Panzer, welches durch ein Verbot der Haager Landkriegsordnung ja verboten sei und läßt den Betrachter der Doku die Schlußfolgerung ziehen, wegen des drohenden Kriegsgerichts hätte bis zum heutigen Tag nie jemand etwas erzählen wollen und weil Miller so gesprochen habe, müsse das Täuschungsmanöver tatsächlich passiert sein. Dabei kann sich diese Bemerkung auf alles mögliche beziehen, der Einmarsch war ja eine mehrstündige Aktion mit vielen Straßenkämpfen. Und "bitterste Erinnerungen" hat man in einem Kriegsumfeld sicherlich nicht wegen des behaupteten Einsatzes eines trojanischen Panzers oder eines angeblich nachgestellten Panzerduells. Die Verluste für die Amerikaner am Dom waren sicherlich schmerzhaft. Aber kriegerische Auseinandersetzungen sind immer mit toten Soldaten verbunden und im 2. Weltkrieg sind insgesamt ca. 24 Millionen Soldaten gefallen, davon 170.000 Amerikaner in Europa. Wenn da jedesmal alleine wegen der Tatsache, daß es schwere Gefechte oder kritische Situationen gegeben hat, eine dadurch ausgelöste Täuschung unterstellt werden könnte, wäre der Krieg ein einziges Täuschungsmanöver gewesen.

Schauen wir uns daher die angeblichen Äußerungen des Col. Clifford L. Miller einmal genauer an. Rheindorf zitiert die Äußerungen Millers in seiner Dokumentation wie folgt: "Was Sie und der Rest der Welt nicht wissen. Köln ist meine bitterste Erinnerung des Krieges. Ich habe noch nie aus meiner Perspektive von unserem Einsatz in Köln berichtet und werde dies wahrscheinlich auch nie tun. Wenn ich das tun würde, käme ich vor ein Kriegsgericht."

Diese Formulierung wird fettgedruckt auch auf dem DVD-Cover wiedergegeben und ein Satz daraus gibt dem Titel der Dokumentation auch einen Untertitel: Köln 1945 Nahaufnahmen - Was Sie und der Rest der Welt nicht wissen ... "

Rheindorf erwähnt in seiner Doku nur, daß Miller diese Äußerungen einige Zeit nach dem Krieg abgibt, damit deutlich wird, wie prägend die Ereignisse für Miller waren. Rheindorf entnimmt diese Formulierung, wie sich bei genauerer Betrachtung des Dokuments ergibt, einem Brief von Miller an den Pershing-Schützen Smoyer aus dem Jahre 2001. Der Brief ist zu sehen bei Laufzeit 01:48:40.

Das hört sich so an und wird von Rheindorf auch geschickt so in seinen Film eingebaut, als ob Miller von dem von Rheindorf behaupteten Panzerduell-Fake am Dom spricht, der Nutzung einer Kriegslist mittels Einsatz eines trojanischen Panthers.

Hört sich aber auch nur so an ... Denn Miller hat diese Formulierung in dieser Form gar nicht geschrieben geschweige denn so gemeint. In Wahrheit hat Rheindorf die vier Sätze der von ihm verlautbarten Textpassage aus verschiedenen Stellen des Briefes zusammengefügt und zudem auch die Reihenfolge der Sätze vertauscht. Dadurch hat er sie aus dem jeweiligen Sinnzusammenhang gerissen und ihnen einen neuen eigenen Sinn gegeben. Einen Sinn, der natürlich seine Theorie stützt. Nur leider hat Miller das nie so gesagt und stützt der Brief die Theorie von Rheindorf letztlich überhaupt gar nicht. Im Gegenteil, aus diesem Brief im Ganzen gesehen ergibt sich, daß das Panzerduell so stattgefunden hat wie seit jeher bekannt.

Geschickt hat Rheindorf in seiner Doku versucht, seine Vorgehensweise zu verschleiern. Der Brief wird im Gegensatz zu anderen Dokumenten in der Doku, aus denen Rheindorf dann zitiert, etwa der persönliche Brief mit der Todesnachricht an die Mutter von Kellner, immer nur extrem ausschnittweise gezeigt, die Kamera schwenkt dabei über den Brief, in verschiedenen Richtungen, um es dem Betrachter der Dokumentation zu erschweren, Textpassagen im Zusammenhang zu lesen. Zudem werden immer nur die einzelnen Sätze, die gerade zitiert werden, unterstrichen hervorgehoben. Damit wird, wie wir gleich auch noch deutlicher sehen werden, verschleiert, daß Rheindorf bei seinem Zitat zweimal die Reihenfolge von Sätzen verändert und einen Satz vor einen anderen Satz stellt, der im Brief eigentlich erst dahinter steht und damit den Sätzen einen anderen Sinn gibt.

Rheindorf hat hier also Aussagen eines Zeitzeugen vorsätzlich falsch wiedergegeben und und damit einer anderen Auslegung zugeführt !

Schauen wir uns seine Vorgehensweise genau an:

Zu diesem Zweck habe ich mir die Mühe gemacht, den Brief soweit möglich zu rekonstruieren und die geschickt getrennten Passagen wie ein Puzzle zusammenzufügen. Glücklicherweise gibt es ja die Standbildfunktion am DVD-Player, die ein Lesen und Zusammentragen der einzelnen Text-Puzzleteile ermöglicht. Das hat folgende rekonstruierte Briefpassagen ergeben.

Miller bedankt sich zunächst bei Smoyer für dessen Einsatz am Dom. Dann :

"... . Cologne is the only bitter memory I have of WWII. What you and the rest of the world do not know is that knocking out that Panther gave me to opportunity to go back to the brass and tell them I was putting my plan of action into effect and would not continue with theirs. From then on, I had no more casualties in front of the cathedral. S ..... changed the course of action of .... Cologne, and ....... this that I thank you."
Ausschnitte des in der Dokumentation gezeigten Briefs Miller an Smoyer

Zum Schluß sind die Sätze aufgrund der geschickten, dies verhindernden Schwenks im Film nicht mehr ganz lesbar und die fehlenden Worte habe ich mit Punkten markiert.

Übersetzung:
"Köln ist die einzige bittere Erinnerung, die ich an den 2. Weltkrieg habe. Was Sie (also Smoyer als Briefadressat) und der Rest der Welt nicht wissen, ist, daß die Ausschaltung des Panthers mir die einmalige Gelegenheit gegeben hat, zurück zu den hohen Tieren zu gehen und zu sagen, daß ich meinen eigenen Aktionsplan umsetzte und ihren nicht mehr fortsetzen würde. Von da an hatte ich am Dom keine weiteren Verluste mehr. S .... änderte die Vorgehensweise .... Köln, und ..... dies, wofür ich Ihnen danke."

Erste Auffälligkeit: Rheindorf übersetzt nicht korrekt. Aus "the only bitter memory" und damit korrekt "einzige bittere Erinnerung" macht er die "bitterste Erinnerung", also den Superlativ - was im Englischen korrekt eigentlich "the most bitter" heißen müßte, da dort üblicherweise das Wort "most" zur Bildung des Superlativs genutzt wird. Natürlich ist in gewisser Weise eine "einzige" bittere Erinnerung zugleich auch immer die bitterste - es gibt ja keine anderen. Aber dennoch erzielt natürlich die Bildung des Superlativs "bitterste" den Eindruck, daß zusätzlich zu den "normalen" Gräußlichkeiten des Krieges hier noch einmal eine ganz besondere Steigerung eingetreten ist. Das ist für Rheindorf wichtig, da er ja damit anschließend die Nutzung einer Kriegslist begründen will. Das hört sich naheliegender an, wenn zuvor etwas geschehen ist, was die Klassifizierung "die bittersten Erinnerungen eines Weltkrieges" begründen würde. Zweite Auffälligkeit: die zwei ersten Sätze seines Zitats aus dem Brief hat Rheindorf umgedreht wiedergegeben, im folgenden dargestellt:

Quelle: DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf
Zunächst unterstreicht er den Satz den er vorliest "What you and the rest ..." also bei ihm "Was Sie und der Rest ...." (linkes Bild), danach liest er den unterstrichenen Satz "Cologne ist the only bitter..." also bei ihm "Köln ist meine bitterste ..." (rechtes Bild). Erkennbar im linken Bild über der markierten Zeile der Satz "Cologne is the only bitter ...", also bei ihm "Köln ist meine bitterste ...". Im rechten Bild ist dementsprechend unter der markierten Zeile "... rest of the world ..." erkennbar.
Wie hier ebenfalls schön erkennbar ist, sind die Bildausschnitte so gewählt, daß andere Sätze nicht vollständig zu lesen sind, zudem schwenkt die Kamera einmal von links, dann von rechts, alles also Dinge, die das Lesen weiterer Textpassagen im Umfeld erschweren, so daß man das Vertauschen nicht erkennen kann. Und wie bereits gesagt, bei anderen zitierten Dokumenten in der Doku sieht man in der Regel sehr viel mehr von den Dokumenten.

Was Smoyer und der Rest der Welt also nicht wissen, ist in Wahrheit nicht, daß Köln die einzige bittere Erinnerung Millers an den Weltkrieg sind, sondern daß die Ausschaltung des Panthers gewisse Folgen zeitigte, die Änderung der weiteren Vorgehensweise.

Nun folgt nach diesen Sätzen eine Passage, die Rheindorf überspringt. Diese Zwischenpassage ist durch geschickte Kameraführung im ersten Teil auch noch schwerer lesbar als der erste Teil oben. Darin geht es aber immerhin noch gerade erkennbar über mehrere Sätze um die erfolgte Änderung des Planes, es waren die einzigen Verluste, die er zu verschmerzen hatte, daß ein Red Quinlan möglicherweise ein Besatzungsmitglied gewesen sei, Smoyer gerne etwas mit Dritten diskutieren dürfte, Millers Gedanken und Meinungen aber für sich behalten sollte.
Und dann wird es interessant. Miller schreibt:

".respondent on the scene asked me what was going ... I said: "If I told you, I would get court matialed .... I have never told the story of Cologne from my .... never shall. Please respect that feeling and ... .ations you may have ..."
Ausschnitte des in der Dokumentation gezeigten Briefs Miller an Smoyer

Übersetzung:
(erstes Wort vermutlich:) "... Korrespondent am Ort fragte mich, was passieren würde ... Ich sagte: "Wenn ich Ihnen das sagen würde, würde ich vor das Standgericht gestellt ... Ich habe die Kölner Story niemals aus ..... werde niemals. Bitte respektieren Sie dieses Gefühl ... Sie vielleicht haben ...."

Gemäß Rheindorfs Kommentar steht im zitierten Mittelteil:
"Ich habe noch nie aus meiner Perspektive von unserem Einsatz in Köln berichtet und werde dies wahrscheinlich auch nie tun."

Die letzten beiden Sätze seines Zitats aus dem Brief hat Rheindorf also ebenfalls umgedreht wiedergegeben. Zudem sind beide jeweiligen Satzkombinationen im Brief einige Textpassagen voneinander entfernt.

Wenn man sich nun noch einmal die von Rheindorf genutzte Satz-Auswahl vor Augen führt
"Was Sie und der Rest der Welt nicht wissen. Köln ist meine bitterste Erinnerung des Krieges. Ich habe noch nie aus meiner Perspektive von unserem Einsatz in Köln berichtet und werde dies wahrscheinlich auch nie tun. Wenn ich das tun würde, käme ich vor ein Kriegsgericht."
wird deutlich, daß die neue Kombination der Sätze sehr sinnverfremdend und diese aus dem Zusammenhang gerissen sind."

Neben den erfolgten Änderungen der Satzreihenfolge und der Zusammenziehung von Sätzen aus verschiedenen Briefpassagen wurde zudem eine in der Form der indirekten Rede geäußerte Aussage Millers zu einer an den Briefadressaten gerichteten Äußerung umgewandelt. Es wird sozusagen ein Zitat aus dem Jahre 1945 (Miller richtete den Satz damals am Dom an einen Korrespondenten) mit Sätzen aus dem Brief an Smoyer aus dem Jahr 2001 gemischt und von Rheindorf der Eindruck erweckt, daß auch zum Zeitpunkt der späteren Äußerung Millers das Standgericht noch ein Thema sei, womit Rheindorf bestimmt suggerieren möchte, daß Miller wegen einer damals angewendeten Kriegslist auch später noch verfolgbar gewesen wäre. Rheindorfs Zitat:
"... noch nie ... berichtet und WERDE dies wahrscheinlich auch nie tun. WENN ich das tun würde, käme ich vor ein Kriegsgericht."
Aber zum einen hat Miller das ja so nie gesagt (Rheindorfs absichtliche Vertauschung der Sätze), zum anderen würden die Sätze auch in der vertauschten Reihenfolge keinen Sinn ergeben. Im Jahre 2001, 56 Jahre nach Kriegsende, als Miller den Brief an Smoyer geschrieben hat, wäre ein drohendes Standgericht ganz sicher kein Thema mehr gewesen, egal was Miller an diesen Tagen in Köln angestellt hätte. Auch hier täuscht Rheindorf den Betrachter der Dokumentation (fast) perfekt.

Rheindorf ging sicher davon aus, daß niemand die gezeigten sichtbaren Textpassagen ganz lesen würde und erschwerte dies ja auch durch die Kameraführung und geschickte Unterstreichungen, die beim Betrachter den Eindruck erwecken, die zitierte Passage würde zusammengehören und den Eindruck erwecken, hier würde Miller über die Durchführung einer Kriegslist in Form des Einsatzes eines trojanischen Panthers (bringt ihn vors Standgericht) erzählen.

Alleine die Passage zum Standgericht (tatsächlich geäußert am 6. März 1945 ggü. dem Korrespondenten!) ist aber vielfältig auslegbar. Es konnte die Bedeutung haben, daß Miller einem Korrespondenten, der ihn nach dem weiteren Vorgehen am Dom fragte, nicht einfach ganz normale militärische Geheimnisse verraten durfte, z.B. eben gerade seine weitere Vorgehensweise in den nächsten Stunden. Und weil er es dem Korrespondenten als nichtmilitärische Person nicht erzählen durfte, wäre er für den Fall, daß er es doch tun würde, wegen Geheimnisverrats o.ä. zu Kriegszeiten vor ein Standgericht gekommen.
Vielleicht wollte Miller aber auch nur darlegen, daß er hier aufgrund der bisherigen Verluste insbesondere auch am Dom (z.B. auch Abschuß des Sherman in der Komödienstraße) entgegen den Vorgaben der "hohen Tiere" eine eigene Vorgehensweise entwickelt hatte. Das durfte er zu diesem Zeitpunkt dem Korrespondenten natürlich noch nicht erzählen, weil er dann vielleicht wegen Befehlsverweigerung vor ein Standgericht gekommen wäre.
Möglicherweise war daher der wahre Grund für die Zurückhaltung bei den Erzählungen über diese Geschehnisse und bei den Äußerungen gegenüber dem Korrespondenten einfach nur, daß er die Reputation von General Rose bewahren wollte, nachdem ER die Taktik geändert hatte und mit seiner Taktik letztendlich erfolgreicher war als dies bei der Taktik von General Rose war.

Diese Auslegungen halte ich für sehr nachvollziehbar, wenn man den Brief Millers auch hinsichtlich der nicht von Rheindorf zitierten Sätze kennt.

Und hinsichtlich des Satzes, er habe die Kölner Geschichte noch nie aus seiner Perspektive berichtet, könnten hier unabhängig vom Schutz der Reputation von General Rose auch Gefühle eine Rolle spielen und eben nicht die Befürchtung, vor ein Standgericht zu kommen, zumal Rheindorf diese beiden Sätze im Brief ja in der Reihenfolge getauscht hat. Miller gingen schon nach seinem Brief an Smoyer die Verluste am Dom recht nahe, möglicherweise war der im Brief genannte Red Quinlan auch in einem abgeschossenen Panzer. Rheindorf zeigt auch einen Brief an Kellners Mutter mit der Todesnachricht, der von Miller geschrieben wurde. In dem Brief an die Mutter von Karl Kellner, dessen Sherman in der Komödienstrasse abgeschossen wird, schildert dieser Miller Kellner als herausragenden Soldaten mit diversen Auszeichnungen und aus dem Brief wird auch deutlich, wie nahe der Tod Kellners, der fast vier Jahre in seiner Einheit gewesen ist, ihm gegangen ist.
Col. Clifford L. Miller hat dem Korrespondenten vor Ort am Dom seinerzeit auf eine Frage hinsichtlich des weiteren Vorgehens geantwortet, das ist eine Sache. Der nachfolgende Satz, daß er nie über die "Kölner Geschichte" gesprochen habe, ist ein anderer Sache. Es sind hier möglicherweise die Verluste bei seinen Männern, die ihm so nahe gegangen sind, daß er lieber nicht darüber reden will. Insofern fordert er Smoyer auch auf "Please respect that feeling", "Bitte respektieren Sie dieses Gefühl". Eine ganz normale Eigenheit sehr vieler Kriegsveteranen, die über diese Zeiten lieber nicht reden möchten.

Nun könnten hartnäckige Mitmenschen mit viel bösem Willen auch in Kenntnis der Satzvergewaltigungen Rheindorfs vielleicht immer noch behaupten, das Ganze habe sich dennoch auf einen trojanischen Panther bezogen, den Miller eingesetzt habe, dies sei seine Änderung des Planes, sein Aktionsplan gewesen, nachdem die bisherige Vorgehensweise offensichtlich zu viele Verluste gebracht hätten. Diesen Mitmenschen möchte ich den ersten Teil des Miller-Briefes nahelegen, den Rheindorf (natürlich) ganz aussen vor gelassen hat und dessen Lesen er durch geschickte Kameraschwenks erschwert, da er seiner Theorie ganz eindeutig widerspricht. Er schreibt - um es noch einmal deutlich zu machen - an Smoyer, den Schützen des Pershing, der den Panther abschoß - jedenfalls nach der herkömmlichen Ansicht. Nach der Grußformel heißt es:

"just finished reading the june issue of our newsletter and was most pleased to note your citation for Cologne. It gives me a chance to thank you from the bottom of my heart for knocking out that Panther tank. At the time, all I knew was that it was one of my Pershing 90mm tanks that did the job. I have seen the films of the action, but did not know they had appeared on TV History Channel."
Ausschnitte des in der Dokumentation gezeigten Briefs Miller an Smoyer

Es folgen dann im weiteren die Ausführungen weiter oben zur bitteren Erinnerung an Köln.

Übersetzung:
"ich habe gerade die Juni-Ausgabe unseres Newsletters gelesen und war sehr erfreut über Ihre Ausführungen über Köln. Es ermöglicht mir, Ihnen aus tiefstem Herzen für die Ausschaltung dieses Panther Panzers zu danken. Bisher war alles was ich wußte, daß es einer meiner Pershing 90mm Panzer war, der diesen Job erledigte. Ich habe die Filme, die diese Aktion zeigte, gesehen, wußte aber nicht, daß sie im Fernsehen auf dem History Channel liefen."

Das ist doch wirklich sehr eindeutig. Und diese Textpassage ist Rheindorf doch ebenfalls bekannt - ihm liegt der Brief vor ! Miller dankt Smoyer in diesem Brief dafür, daß er als Schütze des Pershing den Panther abgeschossen habe und daß er bisher nur wußte, daß es einer seiner Pershing Panzer war !
Noch einmal zum verinnerlichen:
der Einsatzleiter am Dom, Miller, bedankt sich in einem persönlichen und nicht für die Öffentlichkeit gedachten Brief im Jahre 2001 bei Smoyer, dem Pershing-Crewmitglied, für den Abschuß des Panther.
Warum hätte Miller das tun sollen, wenn alles ein Fake gewesen war?

OK, Rheindorf läßt diese Tatsache ja lieber unter den Tisch fallen, weil dies nicht die Aussage ist, die für seine Theorie spricht, ihr vielmehr vollkommen konträr entgegensteht.
Warum sollte Miller in einem rein privaten Brief 56 Jahre nach dem Vorfall Smoyer als Pershing-Besatzungsmitglied danken wollen, wenn er doch als Einsatzleiter (und Smoyer als ebenfalls dann notwendig eingebunderer Mitwisser) gewußt hätte, daß ein Trick damals zum Abschuß des Panthers geführt hätte und nicht der Einsatz des Pershing ?

Jetzt wird es deutlich, Millers Brief kann überhaupt garnicht dafür herangezogen werden, daß es eine Kriegslist am Dom gegeben hat. Die entsprechende Behauptung Rheindorfs, auch aus den Äußerungen Millers ergäbe sich der Auslöser für eine Täuschung am Dom, der Einsatz eines trojanischen Panthers, ist eine Verfälschung der Aussagen dieses Briefes durch vorsätzliche Verdrehung der Inhalte des Briefes. Das ist keine Auslegungssache mehr, Rheindorf hat hier bewußt die Öffentlichkeit getäuscht.

Jedenfalls wirft diese Vorgehensweise auch ein bezeichnendes Bild auf die gesamte DVD und die weiteren aufgestellten Theorien und Behauptungen Rheindorfs rund um das Panzerduell. Dürfen wir davon ausgehen, daß Rheindorf dann auch mit anderen Beweismitteln nicht immer ganz sauber und korrekt umgegangen ist ? Und es ist bezeichnend, daß Rheindorf zu solchen Tricks greifen mußte, um seine Theorie zu stützen.

Auch wenn der Nachweis eines trojanischen Panthers durch Rheindorf in weite Ferne gerückt ist, da nun weder der Brief Millers hinsichtlich einer angewendeten Kriegslist beim Panzerduell noch die angeblichen Promotion-Hintergründe wegen des bereits viel früher erfolgten Go für eine Massenproduktion als Beweisgrundlagen taugen und auch keine anderen stichhaltigen Beweise vorliegen, komme ich dennoch trotz Rheindorfs schon jetzt leeren Händen noch einmal kurz auf die Haager Landkriegsordnung zurück, die von Rheindorf ja als Begründung für die Vertuschungen der Amerikaner angeführt wird.
Dort ist die Verwendung von fremden Kriegsgerät in der Haager Landkriegsordnung nicht ausdrücklich textlich erwähnt und mit einer Uniform oder einem Abzeichen sicher auch nicht direkt vergleichbar. Rheindorf formuliert es daher auch sehr vorsichtig, wenn er sagt, eine Kriegslist wie ein trojanischer Panzer sei auch nach dem damaligen Kriegsrecht "streng genommen" verboten gewesen. Die Verwendung der Formulierung "streng genommen" zeigt es schon recht deutlich: normalerweise hätte es keinen gestört, aber wenn man mal ganz eng auslegen möchte (um z.B. die Theorie des gefaketen Panzerduells zu untermauern) könnte man es ausnahmsweise auch mal so eng auslegen ...

Und der ehemalige Armeekorrespondent Rooney, den Rheindorf befragt, beschreibt das Thema Austausch von Uniformen oder Kriegsgeräten auch eher praktisch als rechtlich bedenklich. Man hätte damals wegen der dann bestehenden Verwechslungsgefahr deutsche Ausrüstung nicht nehmen dürfen.

Zudem waren Täuschungen des Gegners im Kriegsumfeld keine Seltenheit und wurden von allen Kriegsbeteiligten, auch den Deutschen, begangen. Und hätten die Amerikaner von Dritten oder aus den eigenen Reihen bei einer Täuschungsaktion etwas zu befürchten gehabt ? Wer wäre denn tatsächlich gegen einen zu diesem Zeitpunkt schon als sicher feststehenden Kriegsgewinner wegen angeblicher Verstöße vorgegangen, in einem Krieg praktisch der Welt gegen Nazi-Deutschland ? Vor Kriegsgerichten landeten und landen auch heute noch vornehmlich die Kriegsverlierer.

Als weitere Untermauerung seiner Trojaner-These führt Rheindorf dann aus: den amerikanischen Panzern war der Panther einfach überlegen und daher mußten die Amerikaner "zum Mittel der Täuschung" greifen, wie es "2 Tage zuvor in Düsseldorf probiert wurde".
2 Tage zuvor in Düsseldorf schon mal probiert ? Ein kurzer Satz und schon wird geschickt suggeriert, daß ein trojanischer Panzer in dieser Form schon einmal im Einsatz war, eben in Düsseldorf, da wird es in Köln also nicht anders gewesen sein... Und genauere Ausführungen zu dem angeblichen Vorfall in Düsseldorf gibt es von Rheindorf dann auch nicht, warum, wird gleich deutlich.

Vermutlich war es nämlich das folgende Ereignis, welches von ihm gemeint ist:

"83rd ID on 1 Mar 45 tried to grab a bridge over the Rhine at the town of Overkassel by dressing in German uniform and disguising the tanks in the lead element. The units involved were the 330th IR, 736th TB, 643rd TDB. They made the effort at night, but were discovered as the next day dawned and a German soldier recognized them and sounded the alarm."
Zitat aus dem Buch 'The Last Offensive' von Charles B. MacDonald.

Übersetzung:
"Am 1. März 45 versuchte die 83rd ID eine Brücke über den Rhein bei der Stadt Overkassel (gemeint Oberkassel, ein linksrheinischer Stadtteil Düsseldorfs) einzunehmen, indem sie sich in deutscher Uniform kleidete und die Panzer in der Führungsgruppe verschleierte. Die eingebundenen Einheiten waren die 330th IR, 736th TB, 643rd TDB. Sie versuchten dies in der Nacht, wurden aber entdeckt, als der Tag anbrach und ein deutscher Soldat sie erkannte und Alarm schlug."

Weitere Quellen zu diesem Vorfall finden sich, z.B. hier:

"45Mar01 - A NEW TRICK...March 2, 1945, In a race to get to the Rhine river and capture a bridge, units of the 83rd Infantry Division disguise themselves as Germans and head for the highway crossing at Oberkassel."
Zitat aus der Webseite "The Armor Site", http://www.fprado.com/armorsite/tanks.htm

Übersetzung:
"1. März 45 - Ein neuer Trick... 2. März 1945, während des Wettlaufs zum Rhein und der Eroberung einer Brücke, verkleideten sich Einheiten der 82rd Infantry Division als Deutsche und bewegten sich zur Strassenbrücke nach Oberkassel."

oder hier:

"At Neuss, the 83rd Infantry Division found all three bridges destroyed, but it's mobile columns tried again a few miles down river at Oberkassel. A task force, with Sherman tanks disguised as German Vehicles and German-speaking soldiers aboard each tank, approached the village under the cover of darkness. So good was the disguise that German troops moving the opposite way on foot on the same road seemed to notice no problem. Just as it appeared that the ruse might work, a German soldier raised the alarm. Throwing caution to the winds and firing as they went, the tankers tried to get to the bridge in time, but just as they reached the western end the Germans set off the prepared explosive charges."
Zitat aus dem Buch 'The Second World War' von Bernardo W. Monserrat, Thomas B. Buell, John H. Bradley, Thomas E. Griess, United States Military Academy Dept. of History, Jack W. Dice

Übersetzung:
"In Neuss fand die 83rd Infantry Division alle drei Brücken zerstört vor, aber ihre mobilen Kolonnen versuchten es erneut ein paar Meilen den Rhein herunter in Oberkassel. Eine Sondereinheit , mit als deutsche Fahrzeuge verschleierten Sherman Panzern und deutsch sprechenden Soldaten an Bord jeden Panzers, rückte im Schutz der Dunkelheit zur Stadt vor. Die Verschleierung war so gut, daß deutsche Truppen, die ihnen auf der anderen Straßenseite zu Fuß entgegen kamen, nichts auffiel. Gerade als die List zu funktionieren schien, schlug ein deutscher Soldat Alarm. Alle Vorsicht in den Wind schlagend und um sich schießend versuchten die Panzer noch zur Brücke zu kommen, aber gerade als sie das westliche Ende erreichten, brachten die Deutschen die vorbereiteten Sprengladungen zur Explosion."

Mittels einfacher Google-Suche finde ich auch eine private Webseite über Samuel J. Bifano, einen Soldaten der 83rd Infantry Division, die an der Täuschung in Düsseldorf beteiligt war. Sein Sohn John schreibt:
"During this same period, Division Headquarters sent a group of German-speaking GI's supported by vehicles and tanks disguised to resemble German models to seize the bridge at Oberkassel. Although the task force was able to penetrate the German lines, German forces discovered the ruse and demolished the bridge's center span."
Zitat aus der Webseite "DAD'S STORY", http://gateway.ca.k12.pa.us/memorial/dadstory.html

Übersetzung:
"In dieser gleichen Zeit, sendete das Divisions-Hauptquartier eine Gruppe von deutschsprachigen GIs unterstützt von Fahrzeugen und Panzern hergerichtet wie deutsche Modelle aus, um die Brücke in Oberkassel zu nehmen. Obwohl die Sondereinheit noch die deutschen Linien durchstoßen konnte, entdeckten deutsche Kräfte die List and zerstörten den Mittelteil der Brücke."

Gemäß dem Time-Life-Buch "Across The Rhine" wurde die Täuschung offensichtlich auch durch das Aufmalen des deutschen Kreuzes erzielt.

In dem Buch Hellcats Don't Leak Oil They Mark Their Territory von Lester R. King wird der Vorfall sehr umfangreich als Geschichte aus der Sicht der Soldaten von den Vorbereitungen bis zur Umsetzung erzählt.

Nun will ich es Rheindorf nicht so übel nehmen, daß er es mit dem Datum nicht ganz so genau nimmt, zwei Tage vor dem 6. März 1945 wäre ja der 4. März gewesen und der nach den Buchquellen genannte 1. bzw. 2. März liegt ja nun doch noch etwas vor diesem Tag...

Was kann man aber den zitierten Schilderungen als Erkenntnis entnehmen ?

1.) Rheindorf gibt ja als Motiv für die Nachstellung des Panzerduells die Verschleierung eines angeblich durch Kriegsrecht verbotenen Täuschungsmanövers mittels eines trojanischen Panzers an und eröffnet hierzu eine riesige Verschwörungstheorie. Bei den Geschehnissen in Düsseldorf hat man jedoch nicht den Eindruck, als ob die Amerikaner es großartig vertuschen wollten, damals wie heute. Bei einem so lockeren Umgang mit einer Täuschung in Düsseldorf und angesichts des bereits oben erwähnten Umstands, daß Täuschungen des Gegners in Kriegszeiten durchaus nicht unüblich waren, soll nun die angebliche Täuschung in Köln so problematisch gewesen sein, daß man ein ganzes Panzerduell mit Schauspielern nachspielt und Verschwörungstheorien bemüht für die strikte Verschleierung bis in heutige Zeiten ?

2.) Es gibt immer Zeugen, die später etwas über außerordentliche Vorfälle erzählen, wie hier die private Webseite über den Vater zeigt oder die Schilderungen in den Büchern über den Vorfall von Düsseldorf.

John DeRiggi
Phil DeRiggi hat eine Webseite für seinen Bruder John eingerichtet, der am 8. Oktober 2005 verstarb. John war Besatzungsmitglied des Pershing, er war der Assistant Gunner. Die Geschehnisse werden dort so dargestellt, wie bisher bekannt. Kein Hinweis auf einen trojanischen Panzer oder ein Fake des Panzerduells. John hat seinem Bruder Phil also auch nie etwas anderes erzählt.

Rheindorf befragt ja in seiner Doku gerne die Angehörigen von verstorbenen Zeitzeugen. In seiner Doku wird aber ausser Smoyer kein Angehörigen der anderen Crew-Mitglieder des amerikanischen Pershing befragt.
Wie ich von einem guten Freund von Jim Bates, Steve Antonuccio, 2007 erfahre, sind er und Bates Ehefrau Frau Monica erschüttert über die Vorwürfe von Rheindorf und brechen den Kontakt zu Rheindorf ab. Steve sagt mir über Jim Bates: "He never gave me any indication it was a fraud." - "Er gab mir nie einen Anhaltspunkt, daß es ein Schwindel gewesen sei".
Anfang 2007 nahm Doug Gialluca mit mir Kontakt auf. Sein Vater war Coporal Gunner John J Gialluca, ein Besatzungsmitglied des vom deutschen Panther abgeschossenen Sherman in der Komödienstraße. Auch er zeigt großes Interesse an den Kriegserlebnissen seines Vaters und auch er berichtet hinsichtlich der Erzählungen seines Vaters von keinerlei Auffälligkeiten im Umfeld des Panzerduells am Dom wie Täuschungen oder Nachstellungen.
Nicht im direkten Zusammenhang mit dem Panzerduell am Dom meldet sich im Jahre 2005 David Foster bei mir, dessen Onkel Paul B. Davis Bilder vom zerstörten Köln in seinem Besitz hatte und der sich für das Thema Krieg und die Einsätze seines Onkels interessiert und auf meinem Webserver eine Webseite einrichtet.

Bei soviel Interesse von Familienangehörigen an den Schicksalen ihrer Soldaten im Krieg und bei der Existenz von diversen Kriegsveteranenseiten im Internet erscheint es mir nicht nachvollziehbar, daß es keinerlei Zeugen oder Informationen auf amerikanischer Seite gibt, die etwas zu einem gestellten Panzerduell oder einem trojanischen Panzer erzählen. Es gibt dazu absolut keinerlei Informationen im Internet, alle vorhandenen Quellen bescheinigen nur, daß das Panzerduell in der bekannten Form stattgefunden hat. Und daß nie jemand etwas über ein nachgestelltes Panzerduell wegen der Anwendung einer Täuschung erzählt haben soll, halte ich gerade vor dem Hintergrund des Umgangs mit dem Düsseldorfer Vorkommnis für vollkommen unwahrscheinlich. Zudem ist das Panzerduell in Köln im Gesamtkontext des 2. Weltkriegs mit all seinen Grausamkeiten sicherlich zu unbedeutend (Kölner Lokalpatrioten mögen mir verzeihen), als daß man hier große Verschwörungstheorien heranziehen muß, die ein striktes absolutes Schweigen über damalige Vorgänge bis heute begründen könnten.

3.) Selbst diese tatsächliche Täuschung in Düsseldorf bedeutet noch lange nicht, daß es den Einsatz eines trojanischen deutschen Panzers in Köln gegeben hat. Dazu wären die Täuschungsarten und das Umfeld und die Hintergründe der beiden Vorgänge einfach zu unterschiedlich und ein echter deutscher Panzer wurde in Düsseldorf auch nicht genutzt.

Verlassen wir also Vorgang in Düsseldorf mit der Erkenntnis, daß Rheindorf ihn geschickt nur ganz kurz abstrakt erwähnt, um seine Theorie der Vertuschung einer Täuschung zu untermauern (da war eine Täuschung in Düsseldorf, also war es auch in Köln eine Täuschung), eine genauere Betrachtung der Hintergründe in Düsseldorf jedoch eher gegen seine Theorie spricht. Selektives Rosinen picken könnte man diese Vorgehensweise nennen.

In seiner Doku gibt Rheindorf aber auch noch eine andere Steilvorlage gegen seine eigene Theorie:
Er berichtet von dem angeblichen Wiener Panzerhelden Marosi, der viele US-Panzer am Dom abgeschossen haben will und dies durch Unterlagen nachweisen kann. Dann findet Rheindorf heraus, daß ein Mann namens Heller nach dem Krieg deutschen Soldaten reihenweise gefälschte Kriegsabenteuer mit Heldenniveau besorgt und bescheinigt haben soll und überführt auch Marosi einer solchen Lüge.
Da stellt sich natürlich die Frage, hat dieser Heller möglicheweise auch König und Bartelborth nach dem Krieg die Story mit dem trojanischen Panzer nahe gelegt ? Marosi war ja mit seinem Panzer tatsächlich am Dom unterwegs gewesen, hatte nur nicht die heldenhaften Abschüsse durchgeführt. Vielleicht war Heller ja auch einmal auf König und Bartelborth gestoßen und hatte diese mit Dom-Abenteuern, einer trojanisches-Pferd-Variante - versorgt ?

Zurück noch einmal zum Thema Zeugen. Wenn in Wirklichkeit ein Trojaner-Panther eingesetzt worden wäre, warum geht man dann ein zusätzliches Risiko im Hinblick auf die Aufdeckung dieser Vorgehensweise ein und stellt auch noch die Besatzung des Pershing so groß heraus, die ja den Panther tatsächlich gar nicht mit ihrem Pershing abgeschossen hat und gezielt Lügen muß. Hier zieht man - schöne Heldengeschichte hin oder her - also einfach zusätzliche Zeugen in die Öffentlichkeit, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären aber allesamt das Potential beinhalten, sich bei Interviews oder ähnlichen Gelegenheiten zu versprechen oder später gar ihr Schweigen über die "wirklichen" Abläufe zu brechen. Und man muß bedenken, es handelte sich ja letztlich um einfache Soldaten, die in diese Situation dann einfach hineingeworfen worden wären und sicher keine andere Wahl gehabt hätten als mitzumachen. Ihr Pershing war eben gerade da und da mußten sie spontan ran. Wäre es in diesem besonderen Fall nicht einfacher gewesen, die Pershing-Besatzung nach außen hin nicht so groß herauszustellen und damit das Risiko zu minimieren ?

Wie auch immer, es gibt bis heute keine zuverlässigen Zeugen und das einzig noch lebende Besatzungsmitglied Smoyer wird ja bis heute immer wieder befragt, wurde er auch von Rheindorf, und bleibt bis heute bei seinen immer geäußerten und durchhaus auch glaubhaft erzählten Darstellungen - das Panzerduell Pershing / Panther hat so stattgefunden, wie im Film zu sehen. Wenn Rheindorf schon Zeugen glaubt, die die Geschehnisse nur aus Erzählungen der damaligen Zeitzeugen kennen, warum sollte man einem lebenden Zeitzeugen wie Smoyer weniger glauben ? Sicherer sind Zeugenaussagen vom bloßen Hörensagen, wie die der Familienangehörigen Königs und Bartelborths, nicht. Dort leidet zum einen schon die Ursprungserzählung des Zeitzeugen selbst unter den üblichen subjektiven Wahrnehmungs- und Erinnerungsproblemen und zum anderen werden diese dann noch durch die subjektiven Wahrnehmungs- und Erinnerungsprobleme des Zeugen vom Hörensagen geschmälert - das gleiche Phänomen, welches wir vom Spiel "Stille Post" kennen.

Ein weiterer Punkt. Rheindorf schildert in seiner Doku den deutschen Panther als quasi unbesiegbarer Panzer und gründet darauf ebenfalls die angebliche Notwendigkeit der Nutzung einer Kriegslist, sich gegen den Panther durchzusetzen. Tatsächlich war der Pershing aber nicht so schlecht, daß er von vornherein in einem Panzerduell mit einem Panther schlechte Karten gehabt hätte.

"Bekannt wurde der Panzer insbesondere durch die Schlacht um Köln, bei der acht Pershings eingesetzt wurden und die Kampfkraft des M26 deutlich wurde. Der Führungspanzer mit der Turmnummer "1" schoss im Alleingang in zwei Tagen drei Tiger I, drei Panther und vier Panzer IV ab. Damit war er der erfolgreichste Panzer der Einheit, wenngleich er außerordentliches Glück gehabt hatte. Er selbst erhielt fünf Treffer, zwei in die Wanne sowie drei in den Turm, die jedoch entweder abprallten oder nur begrenzten Schaden anrichteten, ohne das Fahrzeug außer Gefecht zu setzen. Einzig ein Panzer IV erzielte einen Teilerfolg: Das 7,5 cm-Geschoss sprengte die geöffnete Ladeschützenluke am Turm ab. Insgesamt konnten die acht Pershings nach zwei Einsatztagen 54 Abschüsse verschiedener Panzerfahrzeuge verzeichnen. Der M26 Pershing wurde daraufhhin von der Wehrmacht als „schwerer Gegner“ eingestuft."
Artikel M26 Pershing. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juli 2008, 17:23 UTC. Link: Artikel

So chancenlos war also ein Pershing garnicht, als daß man ihn nicht in einer Panzerduell wie dieses am Dom hätte fahren lassen können.
Zumal der Pershing in der damaligen Situation des Hereinfahrens die Kreuzung aufgrund der speziellen Mechanik und der Technik der Kanone dem Panther gegenüber einen Vorteil hatte und schneller zum Schuß kommen konnte als der Panther, dessen Schütze den Turm vermutlich von Hand drehen mußte, da für den beengten Raum in den Straßenschluchten die motorbetriebende schnelle Drehung zu unpräzise war und auch eine Abstimmung mit dem Fahrer erfordert hätte, der dann noch den Motor hätte aufdrehen müssen - falls er überhaupt lief. Zudem hatte der Pershing ein starkes Geschütz, das den Panther auch direkt ausser Gefecht hätte setzen können. Wenn also der erste Schuß gelingen konnte, war der Kampf für den Pershing schon so gut wie entschieden. So war es dann im Panzerduell am Dom ja auch.

Auch der interviewte Herr vom Londoner War Museum unterstützt - bewußt oder unbewußt - diese Einschätzung. Er sagt, die US-Soldaten hätten theoretisch den Gedanken haben können, eine trojanischen Panzer einzusetzen, wenn man den Sherman als nicht aussichtsreichen Gegner des Panther betrachtet hätte.
Rheindorf genügt diese Aussage bereits als Beweis für den Einsatz eines trojanischen Panzers und überhört dabei selbst offensichtlich die ausdrückliche Einschränkung auf einen eventuellen Sherman-Einsatz als Bedingung für diesen Gedanken.
Aber warum hätten die US-Soldaten einen Sherman-Panzer überhaupt in Erwägung ziehen sollen und damit den Einsatz eines trojanischen Panzers als Alternative. Man hatte doch den neuen Pershing dabei, der in dieser Situation Vorteile hatte und auch dem Sherman Längen voraus war. Und die Amerikaner wußten dies, nachdem der Pershing bereits einige gute Erfolge erzielt hatte.

Nach alledem war es jedenfalls kein von vornherein verlorenes Duell, welches unbedingt eine Kriegslist im Sinne eines trojanischen Panthers erfordert hätte - wie uns Rheindorf gerne erzählen möchte.

Schließlich kann Rheindorfs These auch nicht durch seine Feststellung untermauert werden, ein Pershing sei auf den Bildern von Bates oder anderen Bildern aus dem Haus niemals zu sehen. Das habe ich oben bei der Kabel-Theorie-Abhandlung bereits ausführlich dargelegt. Neben weiteren dort dargestellten Gründen war ein Hauptgrund vor allem, daß Bates aus den Nahaufnahmen des Panther heraus einen ziemlichen Schwenk nach unten hätte machen müssen und dazu sehr nahe an das Fenster hätte treten müssen, um in der dritten Etage aus 11 Metern Höhe einen 10 Meter vom Haus entfernten Pershing zu filmen, also in einem 45 Grad-Winkel. Es ist nachvollziehbar, daß Bates im Angesicht des deutschen Panthers nicht allzu nahe am Fenster stehen wollte, um dann eine gute Zielscheibe abzugeben. Und als der Panther dann ausgeschaltet war, fuhr der Pershing wieder zurück in die Straße An den Dominikanern. Da konnte er in der Kreuzung also auch nicht mehr gefilmt werden.
Zudem ist der Pershing bereits durch die Aufnahmen von Rosenmann aus der Straße An den Dominikanern filmisch festgehalten. Vermutlich war es zwischen den Kameraleuten abgestimmt, daß Bates aus dem Haus den Panther filmt, während Rosenmann den Pershing in Aktion filmt. Auch ohne Abstimmung hätte Bates aber davon ausgehen können, daß Rosenmann als Kameramann im Hintergrund ebenfalls Filmaufnahmen macht. Somit hatte Bates auch keinen unmittelbaren Zwang, selber den Pershing auch noch einmal zu filmen, zumal unter Einsatz seines Lebens.

Meine Quintessenz:
Auch hier ist Rheindorfs These absolut ungesichert. Rheindorfs Beweise erwiesen sich als nicht greifend bzw. sogar vorsätzlich falsch. Umstände, Tatsachen und vernünftige Überlegungen sprechen also gravierend gegen seine These, daß der Panther am Dom in Wahrheit von einem gekaperten deutschen Panther überlistet worden ist.

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