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Special 2 - Gab es das Panzerduell gar nicht ? (13)

Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.

 

Nun könnten hartnäckige Mitmenschen mit viel bösem Willen auch in Kenntnis der Satzvergewaltigungen Rheindorfs vielleicht immer noch behaupten, das Ganze habe sich dennoch auf einen trojanischen Panther bezogen, den Miller eingesetzt habe, dies sei seine Änderung des Planes, sein Aktionsplan gewesen, nachdem die bisherige Vorgehensweise offensichtlich zu viele Verluste gebracht hätten.
Diesen Mitmenschen möchte ich den ersten Teil des Miller-Briefes nahelegen, den Rheindorf (natürlich) ganz aussen vor gelassen hat und dessen Lesen er durch geschickte Kameraschwenks erschwert, da er seiner Theorie ganz eindeutig widerspricht. Miller schreibt - um es noch einmal deutlich zu machen - an Smoyer, den Schützen des Pershing, der den Panther abschoß - jedenfalls nach der herkömmlichen Ansicht. Nach der einleitenden Grußformel heißt es:

"just finished reading the june issue of our newsletter and was most pleased to note your citation for Cologne. It gives me a chance to thank you from the bottom of my heart for knocking out that Panther tank. At the time, all I knew was that it was one of my Pershing 90mm tanks that did the job. I have seen the films of the action, but did not know they had appeared on TV History Channel."
Ausschnitte des in der Dokumentation gezeigten Briefs Miller an Smoyer

Übersetzung:
"ich habe gerade die Juni-Ausgabe unseres Newsletters gelesen und war sehr erfreut über Ihre Ausführungen über Köln. Es ermöglicht mir, Ihnen aus tiefstem Herzen für die Ausschaltung dieses Panther Panzers zu danken. Bisher war alles was ich wußte, daß es einer meiner Pershing 90mm Panzer war, der diesen Job erledigte. Ich habe die Filme, die diese Aktion zeigte, gesehen, wußte aber nicht, daß sie im Fernsehen auf dem History Channel liefen."

(Es folgen dann im weiteren die Ausführungen weiter oben zur bitteren Erinnerung an Köln...)

Das ist doch wirklich sehr eindeutig. Und diese Textpassage ist Rheindorf doch ebenfalls bekannt - ihm liegt der Brief vor ! Miller dankt Smoyer in diesem Brief dafür, daß er als Schütze des Pershing den Panther abgeschossen habe und daß er bisher nur wußte, daß es einer seiner Pershing Panzer war !

Noch einmal zum verinnerlichen:
der Einsatzleiter am Dom, Miller, bedankt sich in einem persönlichen und nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Brief im Jahre 2001 bei Smoyer, dem Pershing-Crewmitglied, für den Abschuß des Panther.

Warum hätte Miller das tun sollen, wenn in Wirklichkeit alles nur ein Fake gewesen war, welches durch ihn unmittelbar oder mittelbar selbst initiiert bzw. begleitet worden war ?

OK, Rheindorf läßt diese Tatsache ja lieber unter den Tisch fallen, weil dies nicht die Aussage ist, die für seine Theorie spricht, ihr vielmehr vollkommen konträr entgegensteht. Da werden aus dem Brief lieber ein paar Sätze so zusammengestellt, wie einem das paßt und eindeutige Textpassagen nicht erwähnt.
Aber man kann es nicht häufig genug fragen: warum sollte Miller in einem rein privaten Brief, 56 Jahre nach dem Vorfall, Smoyer als Pershing-Besatzungsmitglied danken wollen, wenn er doch als Einsatzleiter (und Smoyer als ebenfalls dann notwendig eingebunderer Mitwisser) gewußt hätte, daß ein Trick damals zum Abschuß des Panthers geführt hätte und nicht der Einsatz des Pershing ?

Jetzt ist es jedenfalls klar, Millers Brief kann überhaupt garnicht als Beweismittel dafür herangezogen werden, daß es eine Kriegslist am Dom gegeben hat. Eine in diese Richtung gehende entsprechende Darstellung in der Doku beruht jedenfalls ausschließlich auf einer Verfälschung der Aussagen dieses Briefes.

Background-Info

Natürlich habe ich versucht, an den Originalbrief von Miller an Smoyer heran zu kommen, um noch mehr zu den Inhalten und wahren Hintergründen zu erfahren.

Mr. Smoyer zeigte sich auf Nachfrage dankenswerterweise auch bereit, mir den Brief zur Verfügung zu stellen. Davon ausgehend, dass der Originalbrief sich dort noch befinden würde, musste er bei der Suche nach dem Brief in seinen Unterlagen jedoch feststellen, daß dieser dort nicht mehr vorhanden ist.

Mr. Smoyers daraufhin an Rheindorf gerichtete Bitte, ihm (also immerhin dem Adressaten dieses privaten Briefs) doch wenigstens eine Kopie des dort vorhandenen Exemplars zukommen zu lassen, hat Rheindorf jedoch unter Hinweis auf ihm damit nur schaden wollende Personen zurückgewiesen.

Bemerkenswert. Ein vermeintliches Beweismittel wird einfach weg geschlossen und darf nicht von dritter Seite überprüft werden. Frei nach dem Motto "ich habe einen Beweis aber keiner darf ihn sehen..."

Und Personen, die eine andere Meinung als Herr Rheindorf vertreten und dies durch die Prüfung des angeblichen Beweismaterials belegen möchten, werden gleich als "schaden wollende" Personen bezeichnet ...

Was soll das für ein Beweismaterial sein, mit dem man dem Beweisenden schaden kann, wenn man es zu sehen bekommt ?

Ein solches Verhalten läßt nur einen Schluß zu:
Das Beweisstück ist zum Beweis gar nicht geeignet, der Beweispflichtige behauptet es nur ...
Und genau das haben wir ja oben auch gesehen ...

Nun, ich fürchte den Brief wird man wohl nie mehr zu sehen bekommen...
 

Auch wenn der Nachweis eines trojanischen Panthers durch Rheindorf in weite Ferne gerückt ist, da nun weder der Brief Millers hinsichtlich einer angewendeten Kriegslist beim Panzerduell noch die angeblichen Promotion-Hintergründe wegen des bereits viel früher erfolgten Startschusses für eine Massenproduktion als Beweisgrundlagen taugen und auch keine anderen stichhaltigen Beweise vorliegen, komme ich dennoch trotz Rheindorfs schon jetzt leeren Händen noch einmal kurz auf die Haager Landkriegsordnung zurück, die von Rheindorf ja als Begründung für die angeblichen Vertuschungsversuche der Amerikaner angeführt wird.
Die Verwendung von fremden Kriegsgerät ist in der Haager Landkriegsordnung nicht ausdrücklich textlich erwähnt und mit der Verwendung einer fremden Uniform oder eines fremden Abzeichens sicher auch nicht direkt vergleichbar. Rheindorf formuliert es daher auch sehr vorsichtig, wenn er sagt, eine Kriegslist wie ein trojanischer Panzer sei auch nach dem damaligen Kriegsrecht "streng genommen" verboten gewesen. Die Verwendung der Formulierung "streng genommen" zeigt es schon recht deutlich: normalerweise hätte es keinen gestört, aber wenn man mal ganz eng auslegen möchte (um z.B. die Theorie des gefaketen Panzerduells zu untermauern) könnte man es ausnahmsweise auch mal so eng auslegen ...

Und der ehemalige Armeekorrespondent Rooney, den Rheindorf befragt, beschreibt das Thema Austausch von Uniformen oder Kriegsgeräten auch eher praktisch als rechtlich bedenklich. Man hätte damals wegen der dann bestehenden Verwechslungsgefahr deutsche Ausrüstung nicht nehmen dürfen, will sagen, wäre ein Amerikaner in deutscher Uniform herumgelaufen oder in einem deutschen Fahrzeug unterwegs gewesen, wäre er vielleicht von den eigenen Einheiten eliminiert worden, die ihn für einen deutschen Soldaten gehalten hätten.

Zudem waren Täuschungen des Gegners im Kriegsumfeld keine Seltenheit und wurden von allen Kriegsbeteiligten, auch den Deutschen, begangen.

Und vor allem: was bitteschön hätten denn die Amerikaner von Dritten oder aus den eigenen Reihen bei einer Täuschungsaktion zu fürchten gehabt ? Wer wäre denn tatsächlich gegen einen zu diesem Zeitpunkt schon als sicher feststehenden Kriegsgewinner wegen angeblicher Verstöße vorgegangen ? In einem Krieg praktisch der Welt gegen Nazi-Deutschland. Vor Kriegsgerichten landeten und landen auch heute noch vornehmlich die Kriegsverlierer.

Fazit: die Haager Landkriegsordnung war für die Amerikaner ziemlich sicher kein relevantes Thema bzw. ein Anlaß, den Einsatz eines trojanischen Panzers mit aller verfügbarer Macht zu vertuschen. Und zwar gemäß Rheindorf auch noch hin bis zum Grad einer geheimen Verschwörung.

c.) Vorbild Düsseldorf

Als weitere Untermauerung seiner Trojaner-These führt Rheindorf dann aus: den amerikanischen Panzern war der Panther einfach überlegen und daher mußten die Amerikaner "zum Mittel der Täuschung" greifen, wie es "2 Tage zuvor in Düsseldorf probiert wurde".
2 Tage zuvor in Düsseldorf schon mal probiert ? Ein kurzer Satz, locker eingeworfen, auch nicht im geringsten näher drauf eingegangen bzw. erläutert und schon wird geschickt suggeriert, daß ein trojanischer Panzer in dieser Form schon einmal im Einsatz war, eben in Düsseldorf, da wird es in Köln also nicht anders gewesen sein... Genauere Ausführungen zu dem angeblichen Vorfall in Düsseldorf gibt es von Rheindorf jedenfalls nicht. Warum, wird gleich deutlich.

Vermutlich war es nämlich das folgende Ereignis, welches von ihm gemeint ist:

"83rd ID on 1 Mar 45 tried to grab a bridge over the Rhine at the town of Overkassel by dressing in German uniform and disguising the tanks in the lead element. The units involved were the 330th IR, 736th TB, 643rd TDB. They made the effort at night, but were discovered as the next day dawned and a German soldier recognized them and sounded the alarm."
Zitat aus dem Buch 'The Last Offensive' von Charles B. MacDonald.

Übersetzung:
"Am 1. März 45 versuchte die 83rd ID eine Brücke über den Rhein bei der Stadt Overkassel (gemeint Oberkassel, ein linksrheinischer Stadtteil Düsseldorfs) einzunehmen, indem sie sich in deutscher Uniform kleidete und die Panzer in der Führungsgruppe maskierte. Die eingebundenen Einheiten waren die 330th IR, 736th TB, 643rd TDB. Sie versuchten dies in der Nacht, wurden aber entdeckt, als der Tag anbrach und ein deutscher Soldat sie erkannte und Alarm schlug."

Weitere Quellen zu diesem Vorfall finden sich, z.B. hier:

"45Mar01 - A NEW TRICK...March 2, 1945, In a race to get to the Rhine river and capture a bridge, units of the 83rd Infantry Division disguise themselves as Germans and head for the highway crossing at Oberkassel."
Zitat aus der Webseite "The Armor Site", http://www.fprado.com/armorsite/tanks.htm

Übersetzung:
"1. März 45 - Ein neuer Trick... 2. März 1945, während des Wettlaufs zum Rhein und der Eroberung einer Brücke, verkleideten sich Einheiten der 83rd Infantry Division als Deutsche und bewegten sich zur Strassenbrücke nach Oberkassel."

oder hier:

"At Neuss, the 83rd Infantry Division found all three bridges destroyed, but it's mobile columns tried again a few miles down river at Oberkassel. A task force, with Sherman tanks disguised as German Vehicles and German-speaking soldiers aboard each tank, approached the village under the cover of darkness. So good was the disguise that German troops moving the opposite way on foot on the same road seemed to notice no problem. Just as it appeared that the ruse might work, a German soldier raised the alarm. Throwing caution to the winds and firing as they went, the tankers tried to get to the bridge in time, but just as they reached the western end the Germans set off the prepared explosive charges."
Zitat aus dem Buch 'The Second World War' von Bernardo W. Monserrat, Thomas B. Buell, John H. Bradley, Thomas E. Griess, United States Military Academy Dept. of History, Jack W. Dice

Übersetzung:
"In Neuss fand die 83rd Infantry Division alle drei Brücken zerstört vor, aber ihre mobilen Kolonnen versuchten es erneut ein paar Meilen den Rhein herunter in Oberkassel. Eine Sondereinheit , mit als deutsche Fahrzeuge maskierten Sherman Panzern und deutsch sprechenden Soldaten an Bord jeden Panzers, rückte im Schutz der Dunkelheit zur Stadt vor. Die Verschleierung war so gut, daß deutsche Truppen, die ihnen auf der anderen Straßenseite zu Fuß entgegen kamen, nichts auffiel. Gerade als die List zu funktionieren schien, schlug ein deutscher Soldat Alarm. Alle Vorsicht in den Wind schlagend und um sich schießend versuchten die Panzer noch zur Brücke zu kommen, aber gerade als sie das westliche Ende erreichten, brachten die Deutschen die vorbereiteten Sprengladungen zur Explosion."

Mittels einfacher Google-Suche finde ich auch eine private Webseite über Samuel J. Bifano, einen Soldaten der 83rd Infantry Division, die an der Täuschung in Düsseldorf beteiligt war. Sein Sohn John schreibt:
"During this same period, Division Headquarters sent a group of German-speaking GI's supported by vehicles and tanks disguised to resemble German models to seize the bridge at Oberkassel. Although the task force was able to penetrate the German lines, German forces discovered the ruse and demolished the bridge's center span."
Zitat aus der Webseite "DAD'S STORY", http://gateway.ca.k12.pa.us/memorial/dadstory.html

Übersetzung:
"In dieser gleichen Zeit, sendete das Divisions-Hauptquartier eine Gruppe von deutschsprachigen GIs unterstützt von Fahrzeugen und Panzern hergerichtet wie deutsche Modelle aus, um die Brücke in Oberkassel zu nehmen. Obwohl die Sondereinheit noch die deutschen Linien durchstoßen konnte, entdeckten deutsche Kräfte die List and zerstörten den Mittelteil der Brücke."

Gemäß dem Time-Life-Buch "Across The Rhine" wurde die Täuschung offensichtlich auch durch das Aufmalen des deutschen Kreuzes erzielt.

In dem Buch Hellcats Don't Leak Oil They Mark Their Territory von Lester R. King wird der Vorfall sehr umfangreich als Geschichte aus der Sicht der Soldaten von den Vorbereitungen bis zur Umsetzung erzählt.

Nun will ich es Rheindorf nicht so übel nehmen, daß er es mit dem Datum nicht ganz so genau nimmt, zwei Tage vor dem 6. März 1945 wäre ja der 4. März gewesen und der nach den Buchquellen genannte 1. bzw. 2. März liegt ja nun doch noch etwas vor diesem Tag...

Was kann man aber den zitierten Schilderungen als Erkenntnis entnehmen ?

1.) Rheindorf gibt ja als Motiv für die Nachstellung des Panzerduells die Verschleierung eines angeblich durch Kriegsrecht verbotenen Täuschungsmanövers mittels eines trojanischen Panzers an und eröffnet hierzu eine riesige Verschwörungstheorie. Bei den Geschehnissen in Düsseldorf hat man jedoch nicht den Eindruck, als ob die Amerikaner es großartig vertuschen wollten, damals wie heute. Bei einem so lockeren Umgang mit einer Täuschung in Düsseldorf und angesichts des bereits oben erwähnten Umstands, daß Täuschungen des Gegners in Kriegszeiten durchaus nicht unüblich waren, soll nun die angebliche Täuschung in Köln so problematisch gewesen sein, daß man ein ganzes Panzerduell mit Schauspielern nachspielt und Verschwörungstheorien bemüht für die strikte Verschleierung bis in heutige Zeiten ?

2.) Es gibt immer Zeugen, die später etwas über außerordentliche Vorfälle erzählen, wie hier die private Webseite über den Vater zeigt oder die Schilderungen in den Büchern über den Vorfall von Düsseldorf.

John DeRiggi
Phil DeRiggi hat eine Webseite für seinen Bruder John eingerichtet, der am 8. Oktober 2005 verstarb. John war Besatzungsmitglied des Pershing, er war der Assistant Gunner. Die Geschehnisse werden dort so dargestellt, wie bisher bekannt. Kein Hinweis auf einen trojanischen Panzer oder ein Fake des Panzerduells. John hat seinem Bruder Phil also auch nie etwas anderes erzählt.

Rheindorf befragt ja in seiner Doku gerne die Angehörigen von verstorbenen Zeitzeugen. In seiner Doku wird aber ausser Smoyer kein Angehörigen der anderen Crew-Mitglieder des amerikanischen Pershing befragt.
Wie ich von einem guten Freund von Jim Bates, Steve Antonuccio, 2007 erfahre, sind er und Bates Ehefrau Frau Monica erschüttert über die Vorwürfe von Rheindorf und brechen den Kontakt zu Rheindorf ab. Steve sagt mir über Jim Bates: "He never gave me any indication it was a fraud." - "Er gab mir nie einen Anhaltspunkt, daß es ein Schwindel gewesen sei".
Anfang 2007 nahm Doug Gialluca mit mir Kontakt auf. Sein Vater war Coporal Gunner John J Gialluca, ein Besatzungsmitglied des vom deutschen Panther abgeschossenen Sherman in der Komödienstraße. Auch er zeigt großes Interesse an den Kriegserlebnissen seines Vaters und auch er berichtet hinsichtlich der Erzählungen seines Vaters von keinerlei Auffälligkeiten im Umfeld des Panzerduells am Dom wie Täuschungen oder Nachstellungen.
Nicht im direkten Zusammenhang mit dem Panzerduell am Dom meldet sich im Jahre 2005 David Foster bei mir, dessen Onkel Paul B. Davis Bilder vom zerstörten Köln in seinem Besitz hatte und der sich für das Thema Krieg und die Einsätze seines Onkels interessiert und auf meinem Webserver eine Webseite einrichtet.

Bei soviel Interesse von Familienangehörigen an den Schicksalen ihrer Soldaten im Krieg und bei der Existenz von diversen Kriegsveteranenseiten im Internet erscheint es mir nicht nachvollziehbar, daß es keinerlei Zeugen oder Informationen auf amerikanischer Seite gibt, die etwas zu einem gestellten Panzerduell oder einem trojanischen Panzer erzählen. Es gibt dazu absolut keinerlei Hinweise im Internet, alle vorhandenen Quellen bescheinigen nur, daß das Panzerduell in der bekannten Form stattgefunden hat. Und daß nie jemand etwas über ein nachgestelltes Panzerduell wegen der Anwendung einer Täuschung erzählt haben soll, halte ich gerade vor dem Hintergrund des Umgangs mit dem Düsseldorfer Vorkommnis für vollkommen unwahrscheinlich. Zudem ist das Panzerduell in Köln im Gesamtkontext des 2. Weltkriegs mit all seinen Grausamkeiten sicherlich zu unbedeutend (Kölner Lokalpatrioten mögen mir verzeihen), als daß man hier große Verschwörungstheorien heranziehen muß, die ein striktes absolutes Schweigen über damalige Vorgänge bis heute begründen könnten.

3.) Selbst diese tatsächliche Täuschung in Düsseldorf bedeutet noch lange nicht, daß es den Einsatz einer Täuschung bzw. den Einsatz eines trojanischen deutschen Panzers in Köln gegeben hat. Dazu wären die Täuschungsarten und das Umfeld und die Hintergründe der beiden Vorgänge einfach zu unterschiedlich und ein echter deutscher Panzer wurde in Düsseldorf auch nicht genutzt.

Verlassen wir also Vorgang in Düsseldorf mit der Erkenntnis, daß Rheindorf ihn geschickt nur ganz kurz abstrakt erwähnt, um seine Theorie der Vertuschung einer Täuschung zu untermauern (da war eine Täuschung in Düsseldorf, also war es auch in Köln eine Täuschung), eine genauere Betrachtung der Hintergründe in Düsseldorf jedoch eher gegen seine Theorie spricht.

d.) Heldengeschichten

In seiner Doku gibt Rheindorf aber auch noch eine andere Steilvorlage gegen seine eigene Theorie:
Er berichtet von dem angeblichen Wiener Panzerhelden Marosi, der viele US-Panzer am Dom abgeschossen haben will und dies durch verschiedene Unterlagen nachweisen kann. Dann findet Rheindorf heraus, daß ein Mann namens Heller nach dem Krieg deutschen Soldaten reihenweise gefälschte Kriegsabenteuer mit Heldenniveau besorgt und bescheinigt haben soll und überführt auch Marosi einer solchen Lüge.
Da stellt sich natürlich die Frage, hat dieser Heller möglicheweise auch König und Bartelborth nach dem Krieg die Story mit dem trojanischen Panzer nahe gelegt ? Marosi war ja mit seinem Panzer tatsächlich am Dom unterwegs gewesen, hatte nur nicht die heldenhaften Abschüsse durchgeführt. Vielleicht war Heller ja auch einmal auf König und Bartelborth gestoßen und hatte diese mit Dom-Abenteuern, einer trojanisches-Pferd-Variante - versorgt ?

e.) Zeugen

Zurück noch einmal zum Thema Zeugen. Wenn in Wirklichkeit ein Trojaner-Panther eingesetzt worden wäre, warum geht man dann ein zusätzliches Risiko im Hinblick auf die Aufdeckung dieser Vorgehensweise ein und stellt auch noch die Besatzung des Pershing so groß heraus, die ja den Panther tatsächlich gar nicht mit ihrem Pershing abgeschossen hat und gezielt Lügen muß. Hier zieht man - schöne Heldengeschichte hin oder her - also einfach zusätzliche Zeugen in die Öffentlichkeit, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären aber allesamt das Potential beinhalten, sich bei Interviews oder ähnlichen Gelegenheiten zu versprechen oder später gar ihr Schweigen über die "wirklichen" Abläufe zu brechen. Und man muß bedenken, es handelte sich ja letztlich um einfache Soldaten, die in diese Situation dann einfach hineingeworfen worden wären und sicher keine andere Wahl gehabt hätten als mitzumachen. Ihr Pershing war eben gerade da und da mußten sie spontan ran. Wäre es in diesem besonderen Fall nicht einfacher und sicherer gewesen, die Pershing-Besatzung nach außen hin nicht so groß herauszustellen und damit das Risiko zu minimieren ?

Wie auch immer, es gibt bis heute keine unbeteiligten Zeugen und das einzig noch lebende Besatzungsmitglied Smoyer wird ja bis heute immer wieder befragt, auch von Rheindorf, und bleibt bis heute bei seinen immer geäußerten und durchhaus auch glaubhaft erzählten Darstellungen - das Panzerduell Pershing / Panther hat so stattgefunden, wie im Film zu sehen. Wenn Rheindorf schon Zeugen glaubt, die die Geschehnisse nur aus Erzählungen der damaligen Zeitzeugen kennen, warum sollte man einem lebenden Zeitzeugen wie Smoyer weniger glauben ? Sicherer sind Zeugenaussagen vom bloßen Hörensagen, wie die der Familienangehörigen Königs und Bartelborths, nicht. Dort leidet zum einen schon die Ursprungserzählung des Zeitzeugen selbst unter den üblichen subjektiven Wahrnehmungs- und Erinnerungsproblemen und zum anderen werden diese dann noch durch die subjektiven Wahrnehmungs- und Erinnerungsprobleme des Zeugen vom Hörensagen geschmälert - das gleiche Phänomen, welches wir vom Spiel "Stille Post" kennen.

f.) Der unbesiegbare Panther

Ein weiterer Punkt. Rheindorf schildert in seiner Doku den deutschen Panther als quasi unbesiegbarer Panzer und gründet darauf ebenfalls die angebliche Notwendigkeit der Nutzung einer Kriegslist, also eines trojanischen deutschen Panzers, sich gegen den Panther durchzusetzen. Tatsächlich war der Pershing aber nicht so schlecht, daß er von vornherein in einem Panzerduell mit einem Panther schlechte Karten gehabt hätte.

"Bekannt wurde der Panzer insbesondere durch die Schlacht um Köln, bei der acht Pershings eingesetzt wurden und die Kampfkraft des M26 deutlich wurde. Der Führungspanzer mit der Turmnummer "1" schoss im Alleingang in zwei Tagen drei Tiger I, drei Panther und vier Panzer IV ab. Damit war er der erfolgreichste Panzer der Einheit, wenngleich er außerordentliches Glück gehabt hatte. Er selbst erhielt fünf Treffer, zwei in die Wanne sowie drei in den Turm, die jedoch entweder abprallten oder nur begrenzten Schaden anrichteten, ohne das Fahrzeug außer Gefecht zu setzen. Einzig ein Panzer IV erzielte einen Teilerfolg: Das 7,5 cm-Geschoss sprengte die geöffnete Ladeschützenluke am Turm ab. Insgesamt konnten die acht Pershings nach zwei Einsatztagen 54 Abschüsse verschiedener Panzerfahrzeuge verzeichnen. Der M26 Pershing wurde daraufhhin von der Wehrmacht als „schwerer Gegner“ eingestuft."
Artikel M26 Pershing. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juli 2008, 17:23 UTC. Link: Artikel

So chancenlos war also ein Pershing gar nicht, als daß man ihn nicht in einer Panzerduell wie dieses am Dom hätte fahren lassen können.
Zumal der Pershing in der damaligen Situation des Hereinfahrens die Kreuzung aufgrund der speziellen Mechanik und der Technik der Kanone dem Panther gegenüber einen Vorteil hatte und schneller zum Schuß kommen konnte als der Panther, dessen Schütze den Turm vermutlich von Hand drehen mußte, da für den beengten Raum in den Straßenschluchten die motorbetriebende schnelle Drehung zu unpräzise war und auch eine Abstimmung mit dem Fahrer erfordert hätte, der dann noch den Motor hätte aufdrehen müssen - falls er überhaupt lief. Zudem hatte der Pershing ein starkes Geschütz, das den Panther auch direkt ausser Gefecht hätte setzen können. Wenn also der erste Schuß gelingen konnte, war der Kampf für den Pershing schon so gut wie entschieden. So war es dann im Panzerduell am Dom ja auch.

Auch der von Rheindorf interviewte Herr vom Londoner War Museum unterstützt - bewußt oder unbewußt - diese Einschätzung. Er sagt, die US-Soldaten hätten theoretisch den Gedanken haben können, einen trojanischen Panzer einzusetzen, wenn man den Sherman als nicht aussichtsreichen Gegner des Panther betrachtet hätte.
Rheindorf genügt diese Aussage bereits als Beweis für den Einsatz eines trojanischen Panzers und überhört dabei offensichtlich gerne die ausdrückliche Einschränkung des Experten auf einen eventuellen Sherman-Einsatz als Bedingung für diesen Gedanken. Diese Bedingung bzw. Einschränkung ist auch nachvollziehbar, weil der Sherman einem Panther in der Tat in der Regel unterlegen war.
Aber warum hätten die US-Soldaten einen Sherman-Panzer überhaupt in Erwägung ziehen sollen und damit den Einsatz eines trojanischen Panzers als Alternative ? Man hatte doch den neuen Pershing dabei, der in dieser Situation Vorteile hatte und auch dem Sherman Längen voraus war. Und die Amerikaner wußten dies, nachdem der Pershing bereits einige gute Erfolge erzielt hatte.

Insofern ist die richtig interpretierte Aussage des englischen Experten tatsächlich die, daß es aufgrund des am Ort vorhandenen Pershing bei den Amerikanern keinen Gedanken gegeben haben sollte, einen trojanischen Panzer einzusetzen.

Nach alledem war ein Duell Pershing gegen Panther jedenfalls kein von vornherein verlorenes Duell, welches unbedingt eine Kriegslist in Form eines trojanischen Panthers erfordert hätte - wie uns Rheindorf gerne erzählen möchte.

g.) Bates filmte Pershing nicht

Schließlich kann Rheindorfs These auch nicht durch seine Feststellung untermauert werden, ein Pershing sei auf den Bildern von Bates oder anderen Bildern aus dem Haus niemals zu sehen. Das habe ich oben bei der Theorie "Der Abschuß durch den Pershing" unter III. B. 2. f.) bereits ausführlich dargelegt. Neben weiteren dort dargestellten Gründen war ein Hauptgrund vor allem, daß Bates aus den Nahaufnahmen des Panther heraus einen ziemlichen Schwenk nach unten hätte machen müssen und dazu sehr nahe an das Fenster hätte treten müssen, um in der dritten Etage aus 11 Metern Höhe einen 10 Meter vom Haus entfernten Pershing zu filmen, also in einem 45 Grad-Winkel. Es ist nachvollziehbar, daß Bates im Angesicht des deutschen Panthers nicht allzu nahe am Fenster stehen wollte, um dann eine gute Zielscheibe abzugeben. Und als der Panther dann ausgeschaltet war, fuhr der Pershing wieder zurück in die Straße An den Dominikanern. Da konnte er in der Kreuzung also auch nicht mehr gefilmt werden.
Zudem ist der Pershing bereits durch die Aufnahmen von Rosenmann aus der Straße An den Dominikanern filmisch festgehalten. Vermutlich war es zwischen den Kameraleuten abgestimmt, daß Bates aus dem Haus den Panther filmt, während Rosenmann den Pershing in Aktion filmt. Auch ohne Abstimmung hätte Bates aber davon ausgehen können, daß Rosenmann als Kameramann im Hintergrund ebenfalls Filmaufnahmen macht. Somit hatte Bates auch keinen unmittelbaren Zwang, selber den Pershing auch noch einmal zu filmen, zumal unter Einsatz seines Lebens.

3. Meine Quintessenz:
Rheindorfs Beweise erwiesen sich als nicht greifend bzw. sogar falsch. Umstände, Tatsachen und vernünftige Überlegungen sprechen gravierend gegen seine These, daß der Panther am Dom in Wahrheit von einem gekaperten deutschen Panther überlistet worden ist.

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