| Ein paar Tips und Anmerkungen für den angehenden Kampanien-Urlauber: 1.) Soweit möglich haben wir viele unserer Ausflüge in Städte mit öffentlichen Verkehrmitteln - Fähre oder Bus - durchgeführt. Dies ist in Kampanien recht billig und erspart eine Menge Streß mit der Parkplatzsuche oder dem gewöhnungsbedürftigen Fahrstil so mancher motorisierter Italiener. Wundert Euch nicht: Überholverbot oder Geschwindigkeitsbegrenzung zählen hier nicht soviel. In Neapel sind auch rote Ampeln nur eine freundliche Empfehlung und die Vorfahrt erfährt man sich mit einfach losfahren und hupen. Insbesondere der Neapolitaner führt sich im Straßenverkehr erst dann so richtig wohl, wenn der handelsübliche Autofahrer bereits dem Nervenzusammenbruch nahe ist. Der Italiener verfügt über eine innere Uhr. Wenn sich sein Auto ca. 30 Sekunden lang nicht von der Stelle bewegt hat (wegen Stau o.ä.), hupt er automatisch - das ist ihm angeboren. Der Italiener an sich kann sich auch nicht vorstellen, daß der Mensch an sich ohne ein motorisiertes Gefährt existieren kann. Dementsprechend haben Fußgänger im italienischen Straßenverkehr - jedenfalls aus Sicht motorisierter Verkehrsteilnehmer - nicht viele Rechte und sind auch eher ein Verkehrshindernis. Wollt Ihr an einem Fußgängerüberweg darauf warten, daß ein Auto freiwillig anhält, habt Ihr nur dann eine Chance, wenn ... 1. ... Ihr schwanger seid und einen Kinderwagen vor Euch herschiebt oder 2. ... ein Verkehrspolizist direkt nebenan steht oder 3. ... Ihr Pamela Anderson heißt oder zumindest ähnlich ausladend gebaut seid. Während unserer 2-stündigen Odyssee im Stau von Neapel standen wir in vielen Kreuzungen so eingekeilt zwischen kreuz und quer stehenden Autos, daß wir die jeweilige Kreuzung schon als unsere Heimat für die nächsten Jahre bestimmt hatten, "Dierk, wohnhaft Neapel, Kreuzung". Aber irgendwie, durch zentimeterweises Vortasten, hupen und Vorstoßen in sich plötzlich ergebende Freiräume von 1 oder 2 Quadratmetern, ging es dann doch noch weiter. Aber stets Achtung: unzählige Mofas fahren selbst in zugebauten Kreuzungen noch zwischen den Autos Slalom und zu schnelles Vorstoßen in Lücken kann noch schneller zu Karambolagen führen.
2.) Achtet in Geschäften auf das Wechselgeld ! Ein beliebter Trick in einigen (wenigen) Läden ist es, das Wechselgeld auf einen niedrigwertigeren Euro-Geldschein herauszugeben. Insbesondere bei 10 Euro-Scheinen auf 5 Euro oder bei 20 Euro-Scheinen auf 10 Euro (Ja, ich weiß, den Trick kennen auch deutsche Geschäftsleute). Der Trick wird dort aber offensichtlich dann gerne angewendet, wenn man Euch für Engländer hält, die sich mit dem Euro vermeintlich nicht so gut auskennen. Wenn Ihr also schon nicht italienisch könnt, sprecht nicht automatisch englisch mit dem Personal sondern versuchts erst einmal auf deutsch (und Deutsche kennen ja den Euro). Wundert Euch auch nicht, wenn der Kassierer im Falle des Falles ganz plötzlich weder Deutsch noch Englisch versteht. Am besten lernt Ihr die italienischen Zahlen und sagt stets laut verständlich den Wert des Scheines, den Ihr gebt.
3.) Wenn Ihr am Flughafen Neapel einen Mietwagen nehmt, erkundigt Euch gut nach den Betriebszeiten des kostenlosen Shuttle-Service, insbesondere dann, wenn Ihr morgens früh den Wagen zurückbringen müßt. Wir hatten bei der Anreise kein Problem, abends um 21.45 Uhr den Shuttle zu nutzen. Samstag morgens um 6.45 standen allerdings mehrere andere Mietwagen-Zurückbringer und wir mit unserem Gepäck am Shuttle-Haltepunkt im Mietwagen-Bereich, der etwas Abseits liegt und warteten auf einen Shuttle-Bus zum Abflug-Terminal. An der Shuttle-Haltestelle fand sich kein Fahrplan und alle rätselten, wann der Bus wohl käme. Nach einer halben Stunde Wartezeit ohne erscheinenden Shuttle-Bus erfuhren wir zufällig von einem Taxifahrer, daß der Shuttle-Bus vermutlich nicht vor 8.00 Uhr fahren würde. Da waren aber die ersten Flieger schon unterwegs. Kurzum, wir fuhren mit der Taxe zu einem recht saftigen Preis zum Terminal. Ob der Bus wohl um 8.00 Uhr kam ?.
4.) Der Italiener liebt Wein, Weib, Gesang und sein Handy. Wenn in nicht allzuweiter Zukunft das im Gesicht implantierte Handy erfunden werden wird, wird es auf jeden Fall von einem Italiener erfunden. Gesprächsentfernungen unter 50 m werden durch lautes Sprechen überbrückt, bei Entfernungen über 50 m wird ein Handy benutzt aber genau so laut gesprochen wie unter 50 m. Wenn Ihr also nun unausweichlich den Handygesprächen aller Italiener im Umkreis von mindestens 50 m lauschen dürfen, wundert Euch nicht: Die Italiener heißen nicht alle Pronto und haben auch die entsprechende Möbelpflege nicht erfunden. Am Telefon meldet man sich in Kampanien mit "Pronto", was hierzulande dem "Hallo" entspricht... |