panzerduell.de

 
 

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Special 2 - Gab es das Panzerduell gar nicht ? Update 2014 (2)

Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.

 

B) Einführung des Themas der Panther wurde von verschiedenen Einheiten beschossen

Nun, daß er auch von amerikanischer Infanterie beschossen worden war, während der Pershing auf ihn schoß, hatte ich ja bereits in meinem Kapitel III B 2e zur alten DVD beschrieben. Das war für mich auch ein Argument, daß das Panzerduell kein Fake zur Heroisierung des Pershings war, wenn dann doch weiterer Beschuß durch Dritte nötig und im Film sichtbar ist, den Panther und seine Besatzung auszuschalten.

1.) Die Bazooka der 36th AIR

Gezeigt wird von Rheindorf auf der neuen DVD nun ein Ausschnitt aus der "Stars and Stripes", in der der C Company, 36th AIR zugesprochen wird, den Panther mit einer Bazooka abgeschossen zu haben.

Dieser Artikel erscheint mir aber nicht realistisch.
In den Schilderungen von Panther-Kommandant Bartelborth ist nirgendwo die Rede davon, daß man von der südlichen Seite her mit einer Bazooka beschossen worden war.

Die Bazooka-Position hätte dann auch genau in der Fluchtrichtung der deutschen Besatzung gelegen sein müssen, man hätte also direkt in die Bazooka "hinein laufen" müssen.

Auf den Filmbildern vom Ausstieg der Besatzung des getroffenen Panthers gibt es auch keine Hinweise auf einen Beschuß durch eine Bazooka von Süden her, also aus dem Areal aus Bates Filmsicht hinter dem Panther, keine zusätzliche Explosion oder andere Flugerscheinungen.

Eher wahrscheinlich ist, daß hier tatsächlich kein Angriff mit einer Bazooka statt gefunden hat, sich vielmehr auch hier Informationen über Truppenteile und tatsächliches Gesehenes oder Gehörtes verselbständigt haben.
Die meisten Journalisten waren offensichtlich in der Komödienstraße unterwegs. Vermutlich hatte sich dorthin irgendwie auch die Information herumgesprochen, daß nach dem Abschuß des Shermans auch Soldaten der 36th AIR mit Bazookas ausgestattet, unterwegs, angefordert oder sonst irgendwo vor Ort seien, um ggf. auch den Panther anzugreifen (Rheindorf berichtet davon, daß Journalisten wohl auch Soldaten aufgefordert hatten, Bazookas zu besorgen). Dann wurde der Panther abgeschossen, die meisten Journalisten konnten den Pershing in der Straße "An den Dominikanern" nicht sehen. So hat sich hier offensichtlich die Information, daß amerikanische Soldaten mit Bazookas den Panther abschießen sollten mit dem Wissen, daß der Panther abgeschossen worden ist, in den Köpfen mancher Journalisten bzw. Reporter vermischt und zu der Meldung "36th AIR schoß Panther mit Bazooka ab" formiert.
Die Meldung stand am 8. März in der "Stars and Stripes" mußte für den Druck also vergleichsweise kurz nach dem Abschuß am 6. März schon formuliert gewesen sein. Da hatte sich der Abschuß durch den Pershing vermutlich noch nicht überall hin durchgesprochen und die Geschichte vom Bazookaabschuß war mit dieser Zeitung offiziell geboren ...

2.) Die Beschusstafel

Als weitere interessante Neuigkeit zum Thema Panzerduell wird zudem in Rheindorfs Buch der Bericht eines Waffenmeisters der 9. Panzerdivision gezeigt, eines gewissen Hugo Jauß. Dieser hat ein Gutachten erstellt, welche Treffer bei dem Panther am Dom erfolgten. Das Besondere an dem Gutachten: die Begutachtung erfolgte lediglich anhand eines vom Panther vermutlich am 7. März gemachten Fotos. Anhand dieses Fotos wollte Jauß erkannt haben, an welchen Stellen der Panther am 6. März 1945 von welchen Waffenkalibern getroffen worden sein soll. Rheindorf faßt das Gutachten so zusammen:

... zwei, wenn nicht gar drei Durchschüsse mit großkalibrigen panzerbrechenden Granaten. Hinzu komme Granatbeschuss mit mindestens neun weiteren Treffern, darunter drei Turmtreffer, die aber nicht durchschlugen. Die weißen Ablagerungen an den Kettengliedern könnten ein Hinweis sein, daß der Panther auch mit Phosphorgranaten beschossen wurde.
...
Man hat den Eindruck, der Panther sei einem wahren Sturmfeuer ausgesetzt gewesen.

Rheindorf bildet sodann neben dem Gutachtentext auch das Foto ab, welches Grundlage des Gutachtens war. Mit mindestens zwei verschiedenen transparenten Folien, die über das Foto gelegt wurden, hatte Jauß für sein Gutachten die Stellen markiert, bei denen er eine Trefferlage gesehen haben wollte.


Quelle: 1945 - Kriegsende in Köln von Hermann Rheindorf, Regionalia Verlag GmbH, Rheinbach, 2014
Ausschnitt des Bildes aus dem Buch von Rheindorf mit den Markierungen auf Folie. Auf den ersten Blick scheinen hier neben weiteren Stellen auch genau die Stellen am Panzer markiert zu sein, bei denen gemäß dem Bates-Film Granate 2 und 3 den Panzer getroffen haben: Unter der Turmwalze (oben rechts im Bild) und in der Wanne oberhalb der Kette.

Dann fällt mir aber auf, daß auf Rheindorfs großem Bild der gut sichtbare 1. Treffer des Pershing (Pfeil) nicht markiert ist. Dies erscheint mir sehr merkwürdig, da ist ein Loch in der Wanne und es ist nicht markiert !
Ebenso merkwürdig erscheint mir, daß sich viele Treffer-Markierungen angeblich in dem auf dem Foto ziemlich dunklen Bereich oberhalb des Fahrwerks befinden. Auf diesem und diversen anderen Fotos des Panthers aus der Zeit nach dem 6. März ist es mir noch nicht einmal gelungen, das dort in diesem Bereich ja tatsächlich vorhandene Loch des 3. Treffer des Pershing in der Wanne zu erkennen. Dieser Bereich hinter und über dem Laufwerk ist aufgrund der auf die helle Umgebung des Panthers ausgerichteten Kamerabelichtung auf allen Fotos immer so dunkel, dass dort nichts zu erkennen ist und auch ein Trefferloch bei einem im Inneren dunklen Panzer nicht gesehen werden kann.
Gemäß der Markierungen auf Rheindorfs großem Foto im Buch müßte der Gutachter dort aber tatsächlich diverse Treffer festgestellt haben wollen. Sehr merkwürdig.

Rheindorf bildet auf fast der kompletten Seite 309 seines Buches das Bild mit den farbigen Markierungen ab. Auf Seite 308 hat er aber auch noch zwei relativ kleine Bilder (ca. 4 x 6 cm) abgebildet, auf denen erkennbar ist, daß auf dem großen Bild von Seite 309 zwei verschiedene Folien mit Markierungen übereinander gelegt worden sind, die Folien Blatt 2 und Blatt 3. Auf den kleinen Abbildungen im Buch ist aber ansonsten kaum etwas zu erkennen, ein fast undurchdringlicher Grauschleiher läßt die Markierungen auf diesen beiden Graustufenbildern so gut wie gar nicht erkennen. Aber irgendwie erscheinen die Markierungen auf einer der beiden Folien an anderer Stelle zu sein, als im großen Bild von Rheindorf.


Links Rheindorfs großes Bild, rechts eins der beiden kleinen Bilder aus dem Buch, aaO.
Nun wird deutlich, daß die Markierungen auf dieser einen Folie bei Jauß offensichtlich an anderer Stelle sind als bei Rheindorfs großem Bild. Bei Jauß befinden sich die Markierungen der einen Folie viel höher auf dem Basisfoto, wie der Bildvergleich anschaulich zeigt.

Wie ist denn nun die richtige Lage dieser Folie ? Stimmt die eine Lage oder die andere Lage oder stimmen sogar beide bei Rheindorf abgebildeten Lagen nicht ?
Ich schaue mir die Markierungen, die bei Rheindorfs großem Bild im Bereich des Laufwerks zu sehen sind, genauer an:

Das sind die betreffenden Markierungen auf der Folie aus dem Gutachten. Ziffer 6 wird im Gutachten erwähnt als ein Treffer im Werkzeugkasten.


Der Werkzeugkasten des Panthers befand sich aber an der Position des Pfeiles. Die Markierung Ziffer 6 so wie Rheindorf die entspr. Folie im großen Bild positioniert hat, an der mit Kreis markierten Stelle. Also nicht sehr übereinstimmend.

Positioniert man die Folie anhand der Markierung Ziffer 6 auf der Position des Werkzeugkastens neu, erscheint folgende Lage der Markierungen:

Ja, dies ist offensichtlich die tatsächlich korrekte Positionierung der Folie. Auf dem mir vorliegenden Foto in besserer Qualität als die dem Gutachter offensichtlich vorliegenden Version wird nun auch die bisher fehlende Übereinstimmung mit dem bekannten 1. Treffer des Panther (als Ziffer 1 markiert) erzielt. Es ist schon erstaunlich, wie einfach die korrekte Lage der Folie ermittelt werden kann, wenn man es wirklich möchte.

Zwar ist nun bei Jauß also der gut sichtbare Durchschuß markiert, der in Rheindorfs großem Foto nicht markiert war. Aber die beiden sichtbaren Treffer der Granaten aus dem Bates-Film sind nun nicht markiert. Gauß hat dort also keine Treffer festgestellt ! Das gibt dem Gutachten bereits einen ersten Notenabzug.

Unabhängig davon finde ich es sehr schade, daß Rheindorf hier beim Abdruck des großen Fotos in seinem Buch mit der Positionierung der einen Folie so nachlässig umgegangen ist.

Nun, welche Treffer werden denn in dem Gutachten überhaupt festgestellt ? Schaut man sich das Foto, welches als Grundlage der Begutachtung diente, an, erscheint es schwierig, darauf überhaupt Treffer erkennen zu können. Es ist nicht besonders kontrastreich und scharf, die Qualität ist fast körnig, es gibt viele dunkle Stellen.

Und auch folgendes fällt sofort auf. In dem Gutachten wird ganz offensichtlich nicht untersucht, welche Treffer sich möglicherweise schon vor dem 6. März 1945 am Panther befanden. Der hier am Dom stehende Panther war schon ein älteres Modell und hatte somit sicherlich schon etliche Einsätze hinter sich. Jauß betrachtet aber alle vermeintlichen Treffer als aktuell vom 6. März stammend und unterscheidet nicht danach, welche nun wirklich vom 6. März stammen und welche aus Gefechten der davor liegenden Wochen oder Monate.

Unterscheiden wir die Prüfung der von Jauß festgestellten angeblichen Treffer in zwei Teile:

a) Der Frontbereich des Panthers:


Im Frontbereich erkennt Jauß einen "sehr starken Beschuß" mit kleinkalibrigen Waffen auf den Bereich nahe des Winkelspiegels des Fahres und mit großkalibrigen Waffen auf den Bereich des Bord-MG zu dessen Ausschaltung. Die Markierung Ziffer 5 auf dem Bild gehört nicht in diesen Frontbereich (falsche Folienbelegung in Rheindorfs großem Foto im Buch) in den Turmbereich. Die zweite Folie mit den Markierungen des abgeplatzen Zimmerits liegt, wie man anhand der Übereinstimmung vom Markierungen mit tatsächlichen Kanten im Frontbereich sehen kann, korrekt auf dem Basisfoto. Jauß stellt anhand der Aufnahme auch fest, daß der Beschuß von vorne erfolgt sei, dies sei erkennbar an den "nach hinten tiefer werdenden Einschüssen".
Hier finde ich gehört schon sehr viel Deutungskunst dazu, auf dem ohnehin schon schlechten Basisfoto auch noch nach hinten tiefer werdende Einschüsse zu erkennen. Genauso wenig vermag ich hier auf Anhieb auch einen "sehr starken Beschuß" zu erkennen.
Die Frage ist auch, ob die markierten Schäden an der Frontseite des Panther überhaupt vom 6. März stammen ? Dies können sehr gut auch alte Schäden sein. Der Panther hatte wie oben bereits erwähnt sicherlich schon einige Kampfeinsätze hinter sich und nach einigen Kampfeinsätzen sah kein Panther mehr neuwertig aus.

Bei Interesse: Weblink zur Seite lexikon-der-wehrmacht.de:
Einsätze der Panzer-Brigade 106, aus der der Panther stammte

Der Panther in der hier vorliegenden Version A wurde zuletzt im Juni 1944 produziert. Mindestens seit dieser Zeit war er also schon im Einsatz.

Treffer von Maschinengewehren oder sonstigen kleinkalibrigen Waffen, die die Panzerung nicht durchbrachen, waren nichts außergewöhnliches bei Panzern, die weiterhin im Einsatz waren. Das Zimmerit hatte vielfach auch ohne Beschuß keinen allzu guten Halt und löste sich z.B. bei Fahrt durch Gelände mit Büschen zuweilen auch schon mal von alleine ab. Und Zimmerit wurde zum Ende des Krieges auch gar nicht mehr auf neue Panzer aufgetragen oder an alten Panzern repariert. Es stand im Ruf, sich unter bestimmten Bedingungen entzünden zu können.


Ein etwas besseres Foto aus meinem Bestand als das im Rheindorf Buch als Basis des Gutachtens abgedruckte Bild zeigt deutlich, daß die Frontseite des Panzers relativ beschädigt aussieht. Hier ist in der Tat an vielen Stellen das Zimmerit beschädigt bzw. abgeplatzt. Schauen wir einmal auf ein Frame aus dem Bates-Film, welches direkt zu Beginn der Aufnahme gemacht wurde, als Kommandant Bartelborth gerade beginnt, nach dem ersten Treffer durch den Pershing auszusteigen:


Links das Bild vom nächsten Tag (Gutachtenbasis), rechts eines der ersten Frames aus dem Bates-Film.
Sehr viel kann man leider auf dem Bates-Film-Frame nicht erkennen. Meines Erachtens ist aber schon erkennbar, daß sich dort in diesem Moment bereits die harten Kanten des vom Panzer abgeplatzten Zimmerits wieder finden, die man auf dem Bild vom Tag danach auch sieht (Pfeile).
Dies bedeutet, daß zumindest wesentliche Beschädigungen des Zimmerits am 6. März während des Panzerduells Pershing / Panther ganz offensichtlich schon vorhanden gewesen sind. Das könnte dann entsprechend auch für die dunklen Flecken auf der Front-Oberfläche gelten, die Jauß als Treffer beschrieben hat, die dann sicherlich auch zum Abplatzen des Zimmerits in der Vergangenheit geführt haben könnten.

Foto aus "Panzer V Panther" von Spielberger/Doyle, Stuttgart 2010, Motorbuch Verlag
Auch bei diesem Panther sind die Treffer in der Front zu sehen, die er in der Vergangenheit erhalten hatte und mit denen er noch weiter im Einsatz war.

Und auch auf diesem Foto wird deutlich, daß Panzer nach absolvierten Gefechtseinsätzen auch mit erfolgten Beschädigter durch Treffer weiterhin im Einsatz waren:

Fotoquelle: www.worldwarphotos.info
Gut zu sehen der schlechte Zustand des Frontbereichs mit Treffern und mit abgeplatztem Zimmerit.

Daß der Panther während des Duells Pershing / Panther - wie Jauß resümiert - genau von vorne (und damit aus der Komödienstrasse heraus) beschossen wurde, ist auch deshalb eher unwahrscheinlich, weil dort ja noch die verhältnismäßig hohen Schuttberge auf der Straße lagen, wegen derer die beiden Shermans zuvor aufgehalten worden waren und nicht weiter fahren konnten, bevor sie von dem Panther beschossen worden waren. Hinter den Trümmerbergen war die Front des Panther für vor den Trümmern stehende Soldaten z.B. mit Maschinengewehren nur sehr schlecht erreichbar. Die Soldaten hätten somit schon auf die Schuttberge klettern müssen, um den Panzer auch im Frontbereich unterhalb des Turms treffen zu können. Es erscheint aber wenig plausibel, daß Soldaten dies in der konkreten Duell-Szene Pershing / Panther getan hätten, zumal sie auch damit rechnen mußten, daß die Pantherbesatzung die Komödienstraße ganz besonders in der Optik hatten, da ja die Shermans zuvor dort entlang gekommen waren. Sie mußten daher davon ausgehen, daß jede Bewegung dort von den Deutschen festgestellt worden wäre. Ob sich US-Soldaten unter diesen Bedingungen dort angeschlichen hätten, um dann im entscheidenden Augenblick auf die Trümmer zu springen, ist doch ziemlich fraglich

Ausschnitt eines Bildes von George Silk, Life Magazin
Der Panther steht aus Richtung Komödienstraße gesehen relativ geschützt mit seiner Front unterhalb des Turms hinter den Trümmern (schwarzer Pfeil). Näher als von dieser Stelle des Fotografen wären US-Soldaten ihm wohl während des Duells mit dem Pershing auch nicht gekommen.

Nach alledem halte ich persönlich einen Beschuß des Panthers von vorne am 6. März 1945 während des Panzerduells Pershing / Panther für eher unwahrscheinlich.

Schauen wir uns die andere vom Gutachter betrachtete Seite des Panzers an:

b) Die rechte Seite des Panthers:

Im oberen Teil des Turms, rechts von der Kanone sieht Jauß drei Treffer durch Beschuß mit Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen.


Bildquelle: photos.ppld.org, Special Collections, Pikes Peak Library District, 161-3315.
Betrachtet man sich ein Foto des Panthers von Jim Bates vom 7. März, sieht man, daß da tatsächlich eine Einkerbung im Turm ist (oberer Pfeil). Aber auch nur eine Einkerbung. Ob diese am 6 März erfolgte oder ein alter Treffer war, ist noch eine andere Frage.

Wie ein Bildvergleich mit der Filmsequenz von Bates ergibt, ist diese Einkerbung neben der Optik bereits in den ersten Filmframes am Turm vorhanden. Nachdem Bartelborth in seinen Erinnerungen immer von nur einem Treffer des Panthers und zwar im Motorraum-Bereich, dürfte ein zweiter Treffer zumindest nicht in den Moment passiert sein, in dem er noch im Turm war. Dann muß man davon ausgehen, daß die Einkerbung aus früheren Gefechten stammt und nicht beim Panzerduell in Köln entstanden ist. Somit sind zwei der angeblichen drei Treffer, die Jauß feststellt gar nicht vorhanden und der eine Treffer schon früher als am 6. März 1945 entstanden. Daß der Kommandant Bartelborth nur von einem statt der drei sichtbaren Treffer im Bates Film redet ist sicherlich dem Umstand geschuldet, daß Bartelborth bei den beiden weiteren Treffern nicht mehr an Bord des Panther war und in der panischen Fluchtsituation weitere Schüsse bzw. Treffer vermutlich einfach nicht mehr mitbekommen hat.

Auf dem Foto mit den beiden Soldaten weiter oben sind hinter ihnen auch Teile der Wanne zu sehen (untere Pfeile), wo laut der Bildmarkierungen und Beschreibungen von Jauß einige Treffer durch Beschuß mit Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen zu sehen sein müßten aber hier nicht zu sehen sind. Auch in den Werkzeugkasten soll so ein Kaliber eingedrungen ein.

Hier die von mir korrigierten Markierungen bei Jauß, Ziffern 1 und 3 sollen "einwandfrei" Durchschüsse "mit mindestens 7,5 cm panzerbrechenden Geschossen" sein. Die Treffer Ziffer 7 sollen laut Jauß auch den Motorraum beschädigt haben können.
Nun, dann müßten in der Wanne an diesen Stellen ja die entsprechenden Durchschußlöcher, laut Jauß-Markierungen bis zu 9 Stück, zu sehen sein.

Aber auf diesem Foto, welches einige Tage später nach dem 6. März aufgenommen worden wurde und bei dem die auf der Wanne befestigten Gegenstände wie Werkzeugkasten u.a. bereits entfernt worden sind, ist auf der gesamten Länge der Wanne nur ein Loch - das bekannte Loch des ersten Treffers durch den Pershing - zu sehen....

Schauen wir uns den Bereich des Werkzeugkastens an, der laut Jauß von Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen getroffen worden ist:

Oben sehen wir zwei Einzelbilder des Bates-Films. Links oben der Werkzeugkasten (Pfeil) zu Beginn der Ausstiegsszene der Panther-Besatzung. Rechts oben zu sehen eins der letzten Frames der Bates Sequenz, Bates filmte nach der Ausstiegssequenz noch weitere Sequenzen des brennenden Panthers. Die Besatzung hatte also den Panther längst verlassen und dieser brannte bereits seit geraumer Zeit. Der Werkzeugkasten ist zu diesem Zeitpunkt noch komplett zu sehen, wurde also nicht zuvor getroffen. Ein Beschuß des Panthers mit einer Granate nach diesen letzten Filmbildern wäre nun vollkommen sinnfrei gewesen und Clarence Smoyer, der Schütze des Pershing, hatte in seinen Interviews ja auch stets von nur drei Schüssen auf den Panther gesprochen. Das alles spricht gegen einen Treffer in den Werkzeugkasten.
Ein Blick in die unteren Bilder zeigt den Bereich des Werkzeugkastens in Nahaufnahmen. Kein Loch in diesem Bereich, nur die Reste des verbrannten Werkzeugkastens. Dieser war offensichtlich beim Brand des Panthers durch Hitze und Flammen ebenfalls in Brand geraten.
Und wir erinnern uns:

Auf der gesamten Länge der Wanne nur ein Loch zu sehen, kein Loch im Bereich, wo der Werkzeugkasten montiert war...


Laut Jauß soll auch im Bereich der aufgehängten Kettenglieder am Turm ein Treffer befinden. Bereits aufgrund der schlechten Qualität des von Jauß benutzten Bildes scheint es abenteuerlich, dort einen Treffer festzustellen (linker Ausschnitt). Stellt man das Bild mit höherer Qualität daneben (rechter Ausschnitt), ist nichts zu erkennen, was hier einen Treffer mit Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen darstellen könnte. Offensichtlich wurde von Jauß hier eine dunkle Bildstelle als Treffer deklariert. Ich persönlich vermag hier keine Stelle im Bild zu erkennen, die einen Treffer darstellen könnte.


Treffer durch Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen soll es laut Jauß auch an mindestens zwei Stellen im Laufwerk geben. Die Folie mit den Markierungen (links verwendetes Bild von Jauß mit Markierung) liegt bei Rheindorf im Buch wie oben festgestellt nicht korrekt. Sie muß etwas höher gezogen werden und vermutlich meinte Jauß dann diese mit Pfeil markierten hellen Flecken als Treffer erkennen zu können. Fraglich ist, ob dies überhaupt Treffer sind. Treffer durch Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen hätten vermutlich größere Schäden verursacht. Möglich ist daher auch, daß hier reine Korrosionsschäden zu sehen sind oder sonstige Beschädigungen von Berührungen mit Schutt oder anderen harten Gegenständen auf der Straße. Aber auch hier stellt dann wieder die Frage, ob die Beschädigungen schon von früher stammen. Ich schaue wieder nach einem der ersten Frames aus dem Bates-Film:

Und siehe da, diese hellen Flecken sind bereits bei diesen ersten Bildern zu sehen, als der Kommandant des Panzers nach dem ersten Granatentreffer gerade in der Kuppel erscheint.

Weitere 7 Sekunden nach diesem Bild erscheinen die 2 Tracerstrahlen der schießenden Infanteriesoldaten in Richtung Turm. Mir erscheint es unwahrscheinlich, daß hier bereits Treffer im Laufwerk in den vielleicht 2 Sekunden zwischen dem ersten Granatentreffer und diesen Bildern entstanden sein könnten. Wenn es überhaupt auch Trefferspuren sein sollten und nicht Korrosionsflecken oder Beschädigung durch Schutt o.ä..

Darüber hinaus bezeichnet der Waffenmeister den auf dem Laufwerk befindlichen weißen Belag als Mörtel von herunter gestürztem Mauerwerk oder die Folge des Beschusses mit Phosphorgranaten, die den Panther in Brand gesetzt hätten und von der Besatzung gelöscht worden seien. Beide Alternativen können nach der heute bekannten Sachlage sicher ausgeschlossen werden und in seinem Gutachten schreibt jauß zum Schluß sogar auch, daß die Phosphorgranaten ausgeschlossen werden könnten, da die Besatzung bestimmt nicht mehr das Feuer gelöscht habe (was Rheindorf in seiner Kommentierung des Gutachtens nicht erwähnt).

Dieses Foto wurde für das Gutachten ausgewertet. Mit Pfeilen markiert der weiße Belag auf dem Laufwerk.

Es ist ohnehin viel naheliegender, daß es sich um Aschespuren der verbrannten Gummibandagen der Laufrollen handelt, die man dort sehen kann. Für Phosphorgranaten-Folgen erscheint die Verteilung über die Kette auf der Länge des Panthers auch zu gleichmäßig. Diese Gleichmäßigkeit spricht für die verbrannten Reste der Gummibandagen.

Quintessenz für die rechte Seite des Panthers hinsichtlich des Beschusses mit Pak, Panzerkanone oder anderen panzerbrechenden Waffen. Laut Gutachten Jauß sollen hier bis zu 14 Treffer durch Granaten zu sehen sein. Die beiden sichtbaren Treffer aus dem Bates-Film hat Jauß nicht erkannt. Den 1. Treffer des Panther hat er erkannt. 12 im Gutachten benannte Treffer sind offensichtlich in Wirklichkeit nicht existent. Bei einem Treffer handelte es sich offensichtlich um einen Treffer aus früheren Gefechtssituationen (Turm).

Es scheint, als müßte das Gutachten doch schwer relativiert werden. Offensichtlich wurden bei der reinen Bildbetrachtung doch zu viele Stellen als Treffer deklariert, wo tatsächlich keine gewesen sind. Diese Ausführungen zeigen, daß rein auf Fotobasis erstellte und offensichtlich ohne weitere Informationen zur örtlichen Lage und Situation vor Ort erstellte Gutachten mit höchster Vorsicht zu genießen sind.

Aus den bekannten Berichten der überlebenden Bartelborth und König sind jedenfalls auch keine Hinweise bekannt, daß sie beim Ausstieg aus dem Panther umfangreichere Schußverletzungen erlitten hätten. Insofern dürfte sich der Beschuß durch andere Einheiten an diesem Tag auch in Grenzen gehalten haben, jedenfalls während des Ausstiegs.

Somit dürfte das von Rheindorf so formulierte "wahre Sturmfeuer" eher nicht stattgefunden haben.
Und noch eine - wie wir heute wissen - nicht passende Schlußfolgerung von Jauß ist, daß er aus den Gesamtumständen die Erkenntnis zieht, daß dem Panzer der Sprit und die Munition ausgegangen sein soll. Das schließt er aus den vielen festgestellten Treffern, die nicht erfolgt wären, wenn der Panzer noch mobil gewesen wäre und zudem daraus, daß der Panther trotz der vielen im Gutachten festgestellten Granattreffer nicht explodiert sei.

Nun, bis auf einen Granattreffer waren im Gutachten ja alle anderen Treffer nicht zutreffend und nach dem ersten Treffer bootete die Panther Besatzung ja auch direkt aus, so daß eine Mobilität des Panzers schon aus diesem Grunde vollkommen ohne Belang war.

Das Resumee von Jauß in seinem Gutachten lautete jedenfalls:

Zusammenfassend komme ich zu dem Ergebnis, der "Panther" war besetzt und kampfbereit. Wenn auch scheinbar bewegungsunfähig, so versuchte die Besatzung in einer heroischen Haltung nicht aufzugeben. Der überaus starke Beschuß mit Maschinen- und panzerbrechenden Waffen zeigt dies mehr als deutlich.

Diese Formulierungen machen mich noch weiter mißtrauisch. Der betonte Hinweis, der Panther sei besetzt und kampfbereit gewesen. Die scheinbare Bewegungsunfähigkeit. Die heroische Haltung der Besatzung. Starker Beschuß. Das hört sich für mich wie eine Entschuldigung an für eine Crew, die in mutiger und heldenhafter Weise ihr Bestes zu geben bereit war und sich dann doch dem übermächtigen Feind, der von allen Seiten mit allen Kalibern geschossen hat ergeben mußte. Das hört sich an, als ob Jauß der Besatzung nachträglich durch dieses Gutachten noch eine besondere Ehre zukommen lassen wollte, indem er die Niederlage als quasi unvermeidbar darstellen wollte.

Diese Ehrzuweisung erinnert mich an ein spezielles Kapitel in Rheindorfs DVD. Dort wird die Geschichte des Panzerkommandanten Marosi erzählt, der u.a. auch am Dom Heldentaten begangen haben sollte, indem er dort 4 Shermans abgeschossen haben soll. Rheindorf entlarvt jedoch, daß Marosi zusammen mit einem Militärgeschichtsforscher namens Manfred Heller Geschichtsfälschung betrieben habe, indem letzterer u.a mittels der Erstellung eines Netzes von Dokumenten, fingierten Beweisen, die auch weltweit in viele Archive gelangt seien, die Grundlage für nie existierende Heldengeschichten von hunderten Soldaten gelegt habe. So hatte Heller unter anderem auch eine eidesstattliche Versicherung zu den angeblichen Abschüssen durch Marosi erstellt, um ihm damit einen Beweis für heldenhaftes Verhalten an die Hand zu geben, welches er in Wirklichkeit gar nicht erbracht hatte, jedenfalls nicht in diesen benannten Aktionen.

Somit war dieser Manfred Heller ganz eindeutig auch in Sachen Köln am 6. März 1945 und den Geschehnissen am Kölner Dom aktiv und hatte sich mit den Geschehnissen dort auseinander gesetzt. Er nutzte diese Ereignisse, um eine Heldengeschichte zu erfinden.
Nach einer Heldengeschichte hört sich auch das Gutachten von Jauß an.
Im Internet suche ich nach dem Namen Hugo Jauß, um mehr über ihn zu erfahren. Leider gibt es nur eine Fundstelle, Bei Gookle Books wird ein Buch "Hold the Westwall: The History of Panzer Brigade 105, September 1944" von Timm Haasler angezeigt. In diesem findet sich eine Quellenangabe, die den Namen Hugo Jauß enthält

Möglicherweise nur ein Zufall, da die 9. Panzerdivision und der Militärgeschichtsforscher Heller vermutlich auch so in regem Kontakt zueinander standen. Aber diese Verbindung läßt natürlich auch Freiraum für eine Mutmaßung, daß dieses Gutachten zum Beschuß dieses Panzers am Dom mit zu großzügigen Auslegungen von Treffern und bestimmten Schlußfolgerungen als ein weiteres Dokument der möglichen Unterstützung weiterer Heldengeschichten von Heller hilfreich zur Seite stehen sollte.

Jedenfalls bleibt nach den obigen Ausführungen die Erkenntnis, daß der Beschuß während der Ausstiegsszene in Bates Film wohl doch eher weniger ein wahres Sturmfeuer war und damit vermutlich auch weniger Einheiten daran beteiligt waren, als Rheindorf dies vermutet. Ein fader Beigeschmack bleibt auch zurück, weil Rheindorf dieses Gutachten offensichtlich ungefiltert in sein Buch übernimmt, obwohl er in den gem. Buchinformation über 10 Jahren seiner Recherche, auch zum gefakten Panzerduell, aus diversen Bildern quasi jeden Quadratzentimeter des abgeschossenen Panthers so gut kennen müßte, daß er selber besser wissen müßte, daß die Masse der von Jauß benannten Treffer in Wirklichkeit gar nicht existierte. In der ungefilterten Version paßt aber natürlich das Gutachten viel besser in seine Argumentationsgerüste.

Weiter geht es auf der folgenden Seite:

C) Weitere nachgestellte Szenen

D) Mysteriöser Fototermin

Köln im Krieg
Fotoalbum

 
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