panzerduell.de

 
 
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Gab es das Panzerduell gar nicht ? (10)

Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.

 

Nun, die Panzermunition aller Nationen hat diesen Leuchtspur-Mechanismus eingebaut, der am hinteren Teil des jeweiligen Projektils sitzt und dem abschießenden Soldaten die Flugbahn des Geschosses deutlich machen soll. Über die Art / Größe / Befüllung der Munition ist damit zunächst noch nicht soviel gesagt, denn entgegen der mit der Wahl des Begriffs "Feuerstrahl" bezweckten Suggestion Rheindorfs, es handele sich um den Antriebsstrahl des Geschosses ist der Tracer gerade nicht ein Antriebseffekt, wie wir ihn etwa beim Start von Raketen der Nasa kennen. Es ist ein reiner Markierungseffekt ohne Antriebsfunktion. Ohne diesen Tracer würde man z.B. von einer fliegenden Panzergranate in einem Filmbild mangels irgendeines Lichteffektes garnichts sehen. Zu einem großen Abschußeffekt kann also durchaus auch ein kleiner "Feuerstrahl", also ein Tracer an der Munition passen, denn entscheidend für die Größe des Tracers ist alleine die Größe des von den Ingenieuren vorgesehenen Leuchtspureffektes. Daß es dabei je nach Munitionsgröße Unterschiede gibt, ist klar. In eine MG-Patrone paßt halt nur ein kleinerer Leuchtspureffekt als in eine Panzergranate.

Weblink zur Seite Wikipedia.org:
Leuchtspurmunition

Den Leuchtspureffekt der vom Pershing abgeschossenen Granate sieht man also im Originalfilm und entgegen der sehr suggestiven Aussage Rheindorfs ist es absolut nicht untypisch, daß dieser Tracereffekt vergleichsweise bescheidener aussieht als der große Feuerball beim Abschuß der Granate durch den Pershing.
Berücksichtigt man, daß Rheindorf das Thema insgesamt drei Jahre recherchiert haben will, dabei auch Waffenexperten befragt haben will, kommt man eigentlich nicht daran vorbei, Rheindorfs Erklärungen zum "eher bescheidenen Feuerstrahl" in Relation zum Abschuß für eine absichtliche Verdummung des Betrachters halten zu müssen.

Rheindorf vergleicht dann im weiteren Verlauf den auf den Panther zufliegenden Tracerstrahl mit dem im Originalfilm gezeigten Beschuß der deutschen Scharfschützen durch das coax-MG des Pershing und dem dortigen Tracerstrahl in einer anderen Filmszene des Originalfilms und sieht einen gleichen Effekt. Die dort gezeigte MG-Munition bzw. die in regelmäßigen Abständen eingefügte spezielle Tracermunition nennt er dort jetzt verharmlosend "abgefeuerte Leuchtraketen".
Mit den damit von Rheindorf suggerierten harmlosen Beleuchtungs- und Notsignalraketen hat das aber nichts zu tun. Dabei muß einem nämlich klar sein, daß z.B. die mit einem Tracereffekt versehene MG-Patrone einen Menschen genau so töten kann wie die ganz normale Patrone ohne Tracereffekt. Munition mit Tracereffekt (auch Leuchtspurmunition genannt) ist genau so tödlich wie solche ohne Tracereffekt.
Zudem wird neben der Tracermunition auch ganz normale MG-Munition abgeschossen, (nur) jede 5. Salve eines Pershing MG-Abschusses ist mit einem Tracer-Effekt versehen, um dem Schützen die Schußrichtung deutlich zu machen.

In den beiden kleinen Bildern oben schießt ein über die Straße laufender US-Infanteriesoldat am Römerturm mit seinem MG in Richtung feindlicher Stellungen, in regelmäßigen Abständen sieht man zwischen den "normalen" Abschüssen in der Filmszene auch insgesamt viermal abgefeuerte Leuchtspurmunition - hier als helle Linien erkennbar. Unten feuert das Coax-MG des Pershing auf der Straße An den Dominikanern, im Hintergrund das Haus der Deutschen Arbeitsfront. Auch hier gut erkennbar der Tracerstrahl als helle Linie. Der Tracer ist nicht mehr als quasi ein heller Punkt hinten an der Munition, aber aufgrund der Schnelligkeit des Geschosses und der gegenüber diese Schnelligkeit relativ langen Belichtungszeit der Filmkamera für ein Einzelbild erscheint dieser dann als weiße lange Linie (während der Belichtung eines Einzelbildes legt das Geschoß mehrere Meter Flugstrecke zurück, die Linie entsteht). Den gleichen Effekt kennt man von bei Nacht gemachten Fotos von Straßen, wenn die Scheinwerfer oder Rückleuchten von Autos wegen der längeren Belichtungszeit lange weiße bzw. rote Linien ziehen

(c) Tomo.Yun www.yunphoto.net/en/

Und daß der gewaltige Abschuß des Pershing durchaus mit dem gezeigten Schuß (nebst Tracereffekt) und dritten Treffer des Panther zusammen paßt, hatte ich bereits weiter oben einmal dargelegt. Bei Bates Aufnahme des Panther Treffers sorgt der Feuerball des Pershing im Vordergrund für eine kurze Aufhellung der umgebenden verqualmten Luft. Die Zeit, die der Feuerball besteht und die Zeit, die die Aufhellung der qualmigen Luft dauert, ist exakt identisch so daß man sagen kann, daß der gezeigte gewaltige Schuß des Pershing und der im Film gezeigte gezeigte Treffer des Panther stimmig sind.

Video popup:
Schuß und 3. Treffer im Loop

Zurück zum Vergleich von Rheindorf. Dieser ist natürlich eine psychologisch geschickte Vorgehensweise zur Unterstützung seiner Theorien, legt er dem Betrachter der Doku nun natürlich den Gedankengang "dann wurde der Pershing mit Leuchtraketen beschossen" nahe. Und Leuchtraketen sind nach herkömmlicher Betrachtungsweise doch eher etwas ganz harmloses. Doch schauen wir uns die entsprechenden Bilder einfach einmal an:

Links unten das Bild, auf dem der Pershing noch einige Zeit vor dem Panzerduell mit seinem coax-MG Tracer-Munition verschießt. Darüber im großen Bild während des Panzerduells der Anflug des vom Pershing abgefeuerten Geschosses mit Tracereffekt, welches den Panther unten am Turm treffen wird. Man muß bedenken, daß der Tracerstrahl auf dem linken unteren Bild sich noch ganz nahe am Pershing befindet, der Tracerstrahl im großen Bild schon etwa 100 Meter entfernt vom Standort von Bates, kurz vor dem Einschlag im Panther. Um also einen Vergleich der Tracer-Größen zu erhalten und Rückschlüsse auf die verwendete jeweilige Munition erzielen zu können, kopiere ich den auf den Panther zufliegenden und kurz vor dem Treffer stehenden Tracer neben den Turm des Panther und vergrößere in einem Bildausschnitt den Turm des Panther annähernd an die Größe des Turms des Pershing, um einen maßstabsgerechten Vergleich erzielen zu können. Auf dem Bild rechts unten sieht man also den Turm des Panther schon recht groß, aber er ist im Durchmesser immer noch viel kleiner als der des Pershings in der linken unteren Aufnahme. Dennoch ist der Tracer rechts beim Panther schon etwa doppelt so groß wie der Turm beim Pershing. Würde man den Turm des Panther im Bild noch weiter vergrößern, würde der Tracer daneben natürlich ebenfalls noch in dem entsprechenden Maße weiter größer werden, so daß er schließlich mindestens die dreifache bis vierfache Größe des Tracer neben dem Pershing erreichen würde. Schlußfolgerung: das auf den Panther zufliegende Geschoss muß sehr viel größer sein als die MG-Munition und erzielt daher keinesfalls den von Rheindorf behaupteten gleichen Effekt. Sein Vergleich hinkt also erheblich und geht praktisch ins Leere.

Recht sicher hat es sich bei der auf den Panther abgeschossenen Munition um panzerbrechende Munition gehandelt, dies bestätigt ja auch der Schütze des Pershing, Clarence Smoyer, der beschrieben hat, daß zwei der drei auf den Panther abgeschossenen Granaten auf der anderen Seite des Panther wieder ausgetreten seien. Granaten wie z.B. die seinerzeit verwendete M77 bestehen aus reinem Stahl und enthalten keinen Sprengstoff. Durch den Aufprall und das Eindringen in die Panzerung wird allenfalls Funkenschlag und eine Wolke von Metallsplittern und einzelnen größeren Metallteilen verursacht. Es gibt dabei jedenfalls keine Explosion, wie man sie vielfach aus Hollywood-Filmen kennt. Flammen, Rauch sowie kleinere Explosionen im Panther in den Bates-Filmszenen stammen von der dort gelagerten Munition im Inneren des Panther, die getroffen wurde und in Brand geraten ist.

Ab und zu wird auch geäußert, die Amerikaner hätten in Wahrheit mit einer Bazooka auf den Panther geschossen, im Film seien also Abschüsse aus einer Bazooka zu sehen und nicht die eines Pershing - auch das soll die These stützen, das Panzerduell sei ein Fake.

Nun, das läßt sich leicht überprüfen. Man braucht nur ein paar Informationen über die Geschwindigkeit von abgefeuerter Munition und ein wenig filmtechnisches Wissen.

Fangen wir mit dem filmtechnischen Wissen an:

Die mechanischen Filmkameras zu dieser Zeit (und regelmäßig auch noch heute) filmten mit einer Geschwindigkeit von 24 Bildern in der Sekunde, in einer Sekunde wurden also 24 Bilder belichtet.

Da aber der Film nach der Belichtung eines jeden Einzelbildes auch noch transportiert werden muß, kommt es dazu, daß jedes der 24 Bilder nicht 1/24 Sekunde belichtet wird sondern nur 1/42 Sekunde. Nach jeder Belichtung eines Einzelbildes schließt eine Blende, so daß kein Licht mehr auf den Film fällt und bewegt der Motor den Film ein Stück weiter, die Blende öffnet sich, das nächste Einzelbild wird belichtet.
 
1/42
0,75/42 Sekunden werden für den Weitertransport des Films benötigt, beides zusammen ergibt eine Zeitdauer von 1,75/42 = 1/24 Sekunde.
1/42    0,75/42   1/42

Wenn man sich also ein Einzelbild der Bates-Filmsequenz anschaut, sieht man das, was in 1/42 Sekunde vor der Kameralinse passiert. Sich langsam bewegende Gegenstände sehen scharf aus und bewegen sich in 1/42 Sekunde nicht großartig vom Fleck, dazu ist die Zeit zu kurz. Oben bei den Tracer-Effekten konnte man aber schon sehen, daß es bei einem sich schnell bewegenden Objekt wie abgefeuerter Munition zu einer Bewegungsunschärfe kommt, die sich dann bei einem hellen Gegenstand wie einem Tracer zu einer Linie ausprägt, nämlich zu einer Linie, die zeigt, wie weit der entsprechende Gegenstand sich in dieser 1/42 Sekunde fortbewegt hat.

Kommen wir nun zu den Informationen über die Geschwindigkeit abgefeuerter Munition:

Die mit einer Bazooka abgefeuerte Rakete erreicht eine Geschwindigkeit von ca. 80 m in der Sekunde, anders ausgedrückt fast 300 km/h.

Panzerbrechende Munition, die mit der 90mm M3 Kanone des Pershing abgeschossen wird, erreicht eine Geschwindigkeit von ca. 850 m in der Sekunde, also über 3.000 km/h.

Das ist schon mal ein markanter Unterschied !

Schauen wir uns im nächsten Schritt also an, welche Strecke verschiedene Munition aufgrund ihrer individuellen Geschwindigkeit während der Film-Belichtungszeit von 1/42 Sekunde zurücklegt:
Die Bazooka-Rakete bewegt sich in 1/42 Sekunde ca. 2 m weiter.
Die Pershing-Granate fliegt in der gleichen Zeit ca. 20 m weit.

Nun ist also nur noch eine Betrachtung der Filmbilder von Bates erforderlich, um zu sehen, welche Waffe da wohl welche Munition abgefeuert hat, denn der tatsächlich zurückgelegte Weg des Geschosses in einem oder zwei Filmbildern wird schnell offenbaren, wie schnell das Geschoss ist und womit es vermutlich abgeschossen worden ist.

Schauen wir uns den ersten gefilmten Panther-Treffer an:


Hier die unmittelbar aufeinanderfolgenden Einzelbilder des auf den Panther zufliegenden Geschosses (erster im Film sichtbarer Treffer).


Ich habe das mit Teleobjektiv gemachte Filmbild von Bates (Ausschnitt 1) mit der anfliegenden Munition (blaue Pfeile) in das Weitwinkel-Foto von Himes eingebaut, so daß man die ungefähre Entfernung der Munition vom Panther in Relation zum örtlichen Umfeld besser erkennen kann. Rechts oben Ausschnitt 2 zeigt bereits das dem Einzelbild der anfliegenden Munition folgende nächste Einzelbild: der Panther wurde von der Munition bereits getroffen, man sieht aber auch noch etwas Tracer.

Wenige perspektivische Studien lassen sofort erkennen, daß die noch anfliegende Munition (gelbe Linie markiert die Position) sich noch vor der links zu sehenden Hausecke befindet, vermutlich in Flugrichtung sogar noch wenige Meter vor der Hausecke, denn wenn man vom Ende der Tracerlinie noch gedachte knapp 2 m Höhe der Flugbahn des Flugkörpers über der Straße (die ungefähre Höhe des folgenden Treffers am Panther) nach unten geht und dann eine gerade Linie zum Haus nach links zieht (rote Linie), sieht man, daß diese Linie etwa in der Hälfte der Hausfassade des dortigen Eckhauses ankommt. Etwa in Höhe dieser Stelle vor der Hausfassade dort befindet sich der Flugkörper am Ende der Belichtungszeit des Bildes von 1/42 Sekunde. Jetzt kommen wir der Lösung also langsam schon näher. Wir müssen noch wissen, wie weit der Panther von der Hausecke entfernt ist. Ein Blick auf das folgende vom Dom aus gemachte Foto und die Kenntnisse der Abmaße der Straßenkreuzung gemäß dem damaligen Katasterplan ergeben folgendes:

Die beiden Hausecken liegen ca. 28 m auseinander, der Panther steht etwa 20 m von der gedachten Verlängerung der Hausecke entfernt. Die Hälfte der Hausfassade des Eckhauses in der Marzellenstraße macht weitere knappe 10 m aus, so daß man auf eine Entfernung des Flugkörpers zum Panther von ca. 30 m am Ende dieses ersten Einzelbildes (Anflug) ausgehen kann.

Es folgt dann der Weitertransport des Films über 0,75/42 Sekunde. Das nächste belichtete Einzelbild zeigt bereits den Treffer des Panther, der Flugkörper ist bereits eingeschlagen, man sieht vom Aufprall zur Seite spritzende Teile, es ist aber auch noch etwas Tracer zu sehen. Dies bedeutet, der Treffer erfolgt jedenfalls nicht am Ende der Gesamt-Belichtungszeit des Bildes von 1/42 Sekunde sondern etwas früher. Setzen wir also den Treffer bereits nach 3/4 der Belichtungszeit des zweiten Einzelbildes (Treffer) von 1/42 Sekunde an, also nach 0,75/42 Sekunde. Filmtransportzeit und 3/4 der Zeit des nächsten Einzelbildes ergeben zusammen 1,5/42 Sekunde = 1/28 Sekunde, die der Flugkörper für die Strecke der oben errechneten ca. 30 m benötigt.

Beziehen wir das nun wieder auf die oben genannten beiden Waffen:

Eine Bazooka-Rakete mit der Geschwindigkeit von 80 m / Sekunde würde in 1/28 Sekunde eine Strecke von ca. 2,9 m zurücklegen.

Die Granate aus der 90mm M3 Kanone des Pershing würde in 1/28 Sekunde ca. 30 m zurück legen.

Damit ist eindeutig bewiesen, daß es sich bei dem gefilmten Geschoß keinesfalls um eine Rakete aus einer Bazooka handeln kann, diese wäre nämlich sehr viel langsamer gewesen !
Die festgestellten Maße und Werte zeigen vielmehr, daß es sich um eine aus der 90mm M3 Kanone des Pershing abgeschossene Granate mit einer Fluggeschwindigkeit von über 3.000 km/h handeln konnte, denn Strecke und Zeit passen zu einem solchen Flugkörper.

Und noch etwas steht der Bazooka-Theorie übrigens im Wege (was ich gemeinerweise erst nach all den obigen Berechnungen verrate):
Der Raketenantrieb einer Bazooka-Rakete brannte nach ihrem Abschuß sehr schnell aus und zwar so schnell, daß man ihn in Höhe des Panther normalerweise nicht mehr in Form eines Tracerstrahls hätte sehen können.

Eine mögliche Erklärung für die Existenz der Bazooka Theorie:
In den Memoiren von General James Gavin wird erwähnt, daß die Amerikaner den Panther in den Tagen nach dem Abschuß am 6. März als Testobjekt für verschiedene Panzerabwehr-Waffen genutzt hätten. Dort wird auch die Verwendung einer Bazooka angesprochen. Möglicherweise wurde diese Textpassage also in der Vergangenheit irgendwann einmal nur falsch ausgelegt und der Bazooka-Einsatz auf den 6. März bezogen.

Der nun feststehende Beschuß mit Granaten aus einer Panzerkanone (keine Leuchtraketen oder "nur" Bazooka-Raketen) macht noch einmal deutlich, in welcher Gefahr angebliche Schauspieler sich begeben hätten, wenn man das Duell nur nachgestellt hätte. Eine Kollision mit 3.000 km/h schnellen Gegenständen - welcher Art auch immer - hätte kein Mensch überlebt.

Für eine derartige Aktion hätte sich bestimmt kein Schauspieler freiwillig zur Verfügung gestellt.

d.) Zeugen

Aber selbst wenn man nun immer noch nicht überzeugt wäre, daß es bei dem gefilmten Beschuß des Panther um Leben und Tod ging, eben ein echtes Panzerduell. Hätte man nicht auch zu viele Zeugen gehabt, die von einem nachgestellten Panzerduell etwas mitbekommen hätten ? Soldaten, die unmittelbar beteiligt waren, Zivilpersonen aus dem Umfeld, die reichlich vorhandene Alliierten-Presse ??? Rheindorf selbst formuliert bei Laufzeit 01:50:40 so:

"Bates Filmbilder und dutzende Reporterberichte tragen die Geschichte des neuen US-Superpanzers als Augenzeugenberichte aus Köln in alle Welt."

Und wirklich keiner der dutzenden Reporterberichte erzählt etwas vom trojanischen Panther, alle berichten nur die erfundene Geschichte von einem Pershing, der den Panther erledigt hat ??? Und selbst wenn die Reporter zu Kriegszeiten geschwiegen hätten, um sich nicht den Unmut der Militärführung zuzuziehen und weiter Kriegsberichterstattung betreiben zu können: auch nach dem Krieg greift kein Reporter diese Geschichte auf, bis zum heutigen Tag ? Selbst diejenigen Reporter nicht, die nicht über die amerikanische Staatsbürgerschaft verfügten ?

In einem privaten Brief kurz nach den Ereignissen am Dom berichtet Kameramann Rosenmann seiner Ehefrau stolz von dem Abschuß des Panthers durch den eigenen führenden Panzer (also dem Pershing).
Belügt jemand tatsächlich in einem privaten Brief seine eigene Ehefrau ?

Wenn es nach Rheindorfs Theorie später bzw. am nachfolgenden Tag nachgedreht worden sein soll (eher wohl am nächsten Tag, denn wenn der Panther so kräftig gebrannt hat, wie auf den nach Rheindorf ja authentischen Kabel-Filmaufnahmen zu sehen ist, wird er nicht vor dem nächsten Tag so ausgekühlt gewesen sein, daß Schauspieler wieder in ihn hinein steigen konnten; zudem drohte am 6. März bereits die frühe Abenddunkelheit eines Anfang-März-Tages), muß für die Aufnahmen ja abgesperrt worden sein, zudem wurde der Panther dann nochmal in Brand gesteckt, er wurde beschossen, was sicherlich heftige Abschuß- und Treffergeräusche verursacht hat. Das müssen reichlich Leute mitbekommen haben. Aber hat man irgendwann einmal etwas von solchen Zeugen gehört oder hat Rheindorf diese Personen präsentiert ? Das folgende Bild vor dem Haus der Deutschen Arbeitsfront soll am 7. März 1945 aufgenommen worden sein.

Und in dieser Umgebung sollen die Amerikaner an diesem Tag das Panzerduell nachgestellt haben - ohne daß es Zeugen gibt ? Nicht vielleicht genau diese hier sichtbaren Personen, aber andere Personen, die dort offensichtlich schon in größerer Anzahl herumgelaufen sind, im Zentrum Kölns ?

In den Tagen nach dem 6. März beherrschen vorübergehend Plünderungen das Stadtbild - die US-Truppen sind noch zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt und greifen kaum ein. In der Zeitung "The Montreal Gazette" heißt es in einem Bericht vom 7. März unter der Überschrift: "Cologne Stores and Wine Shops Looted by Drunken Civilian Mob", in der zerbombten Altstadt würden weinseelige Einwohner umher torkeln. Da aber auch die Organisation der Militärpolizei noch nicht erfolgt ist, beteiligen sich auch viele amerikanische Soldaten an der Besorgung von Souvenirs und alkoholischen Getränken, die u.a. in den vielfach noch intakten Kellergewölben der zerstörten Hotels und anderer Häuser gefunden werden können.
Ein Lt. Stevens aus Salt Lake City berichtet in der Zeitung, die Zustände würden ihn an Samstag Nachts in seiner Heimatstadt erinnern, wenn dort der Karneval los wäre. Er fährt fort:
"They are milling around so much in some places that you can't get a jeep through the streets. They are going crazy. They are carrying big boxes of cheeses, cases of liquor and all the clothes they can lug with them"

Und in dieser Umgebung, mitten in Köln am Dom, sollen die Amerikaner an diesem Tag das Panzerduell nachgestellt haben - ohne daß es Zeugen gibt ?

Hollywood am Rhein

Rheindorf erzählt an einer Stelle der Doku, der mittlerweile verstorbene deutsche Kommandant eines anderen Panzers am Dom hätte seiner Familie berichtet, daß die Amerikaner Hollywood veranstaltet hätten und die Ereignisse massenhaft nachgedreht hätten. Aber zum einen berichtet hier mal wieder nur die Familie von den Erzählungen eines verstorbenen Zeitzeugen und diese Aussage sagt für sich gesehen noch gar nichts, insbesondere nicht, daß hier ein kompletter Nachdreh eines Panzerduells durchgeführt worden ist. Natürlich sind die Amerikaner mit großem Presserummel und eigenen Fotografen und Kameramänner einmarschiert und sind mit Kameras herum gelaufen, haben sicher reichlich Filmaufnahmen und Fotos gemacht. Sicher haben auch die Soldaten noch Privatfotos gemacht. Vermutlich werden dabei auch reichlich Siegerposen gestellt worden sein oder Soldaten von den Kameraleuten schon mal positioniert worden sein, um gute Fotos zu bekommen. So wird ja auch die Pershing-Besatzung auf ihrem Panzer postiert und fotografiert und gefilmt.
Ein solches Verhalten kann einen deutschen Soldaten zu Kriegszeiten sicher verwirren, der den großen Presse- und Kameraaufwand der Amerikaner nicht kennt und ihn dann zu einem Hollywood-Vergleich bewegen. Aber abgesehen davon bleibt auch fraglich, wie der vermeintliche Zeitzeuge das überhaupt feststellen konnte, denn als deutscher Kommandant eines abgeschossenen deutschen Panzers konnte er sich nach dem 6. März nicht mehr frei in Köln bewegen und derartige Erkenntnisse sammeln. Im Film heißt es, er habe sich die nächsten zwei Nächte versteckt gehalten. Dementsprechend kann man in dem im Film gezeigten Brief der Familie, in dem sie Rheindorf ggü. berichtet, die gut nachvollziehbare Zeile lesen (die von Rheindorf aber natürlich nicht phonetisch wieder gegeben wird) daß die Familie auch nicht wisse, woher der Kommandant das alles wissen wollte.

Rheindorf versucht dem Zuschauer systematisch auch an anderen Stellen der Dokumentation immer wieder einzuprägen, daß damals Filmaufnahmen im großen Stil nachgestellt worden seien. Sicherlich immer mit dem Ziel, leichter die Kernaussage des Films glaubhaft machen zu können, daß (dann auch) das Panzerduell nachgestellt worden war.

So sollen nach seiner Auffassung z.B. auch die vom Kameramann Clarence Voight Garrell gedrehten Kampfszenen der vorrückenden amerikanischen Einheiten am Römerturm / Friesenstraße nur nachgestellt worden sein. Als Beweise führt Rheindorf auf, daß zum einen in einer Szene dort ein Soldat lachend zu sehen sei und zum anderen ein Panzer, der in dieser Filmsequenz zu sehen ist, mit dem militärischen Kennzeichen der E-Company versehen ist. Da Soldaten dieser kämpfenden Einheit eigentlich sicher nichts zu lachen gehabt hätten und der Vorstoß an dieser Stelle durch die F-Company erfolgt sei, müsse also in Wirklichkeit die gesamte Szene später - unter Verwendung eines Panzers der E-Company - nachgestellt worden sein.

Diese Theorie zu nachgestellten Kämpfen am Römerturm widerlege ich jedoch auf meiner Seite Sind die Kampfszenen am Römerturm nachgestellt ? und stelle dar, warum es sich doch um echte Kampfszenen handelte und eben kein Hollywood.

 

e.) Weitere Schüsse

Eine neuer Punkt. Während meiner Recherchen stellte ich bei einer Einzelbildbetrachtung der Panzerabschußszenen von Bates fest, daß noch mehr Beschüsse des Panthers zu sehen sind, als die beiden immer wieder im Fokus stehenden größeren Treffer. Generell wird immer nur von insgesamt drei Schüssen bzw. Treffern gesprochen, wobei im Film der erste offizielle Schuß ja nicht gezeigt wird, nur die beiden weiteren Schüsse.

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Die zwei weitgehend bekannten "großen" Schüsse

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Die bisher weitgehend unbekannten beiden Schüsse in Zeitlupe

In der folgenden Bildmontage werden alle Einzelbilder gezeigt, in denen anfliegende Geschosse zu sehen sind:

Standbilder aus dem Originalfilm
In Reihe 1 zwei Einzelbilder, in denen ein Geschoß über den Panther hinwegfliegt. In Reihe 2 kurz danach ein weiteres Geschoss, welches zunächst Richtung Turm des Panther fliegt und dann ganz offensichtlich an diesem abprallt bzw. seitlich abgelenkt wird (3 Bilder). In Reihe 3 dann das Geschoß, welches zum im Film ersten sichtbaren richtigen Treffer führt. Es trifft den Panther im Bereich des Schildes unter der Kanone. In Reihe 4 dann das Geschoß, welches im Bereich der Kette unterhalb der Kanone treffen wird. Insgesamt sind also 4 Geschosse zu sehen, die auf den Panther abgefeuert worden sind, der erste Schuß, der den Panther getroffen und ihn in Brand gesetzt hat, wurde von Bates wie bereits erwähnt nicht festgehalten.
Was fällt bei diesen Bildern auf ?
Die zunehmende Verräucherung der Bilder von Reihe 1 bis Reihe 4, die zugleich den fortschreitenden Zeitverlauf widerspiegelt - zuerst Geschoß 1, dann 2, dann 3 dann 4.
Offensichtlich sind die Leuchtspuren auch von unterschiedlicher Art, sie scheinen bei den beiden ersten Geschossen etwas dünner zu sein, die beiden letzten mit den Treffern sehen dicker aus. Zudem fällt auf, daß alle Leuchtspuren bzw. die damit verbundenen Geschosse verschiedene Anflugwinkel haben. Kopiert man diese Leuchtspuren maßstabsgerecht in das Himes-Bild der NARA werden diese verschiedenen Anflugwinkel sehr deutlich:

Die Geschosse kommen aus verschiedenen Richtungen. Das wird noch einmal besonders deutlich, wenn man die Leuchtspuren in den Vordergrund verlängert, um zu zeigen, woher die Geschosse kamen:

Deutlich wird, daß die Geschosse von verschiedenen Standorten des Kreuzungsbereich vor dem Haus der Deutschen Arbeitsfront abgeschossen worden sind. Das erste Geschoß kam von der ganz linken Position, die weiteren jeweils immer von einem Pfeil weiter nach rechts. Es gibt also 4 verschiedene Abschußpositionen plus dem nicht zu sehenden ersten Geschoß.
Allerdings ist die Abschußrange auch wieder nicht so weit bzw. breit, wie das obige Bild diese erscheinen läßt. Das folgende Bild habe ich im August 2008 von dem Standort aus gemacht, an dem 1945 der Panther gestanden hatte und zwar in Richtung Marzellenstraße auf das Haus der Deutschen Arbeitsfront zu.

Deutlich wird, daß der Platz auf der Kreuzung vor dem Haus der Deutschen Arbeitsfront mit Sichtfeld auf den Panther und umgekehrt nicht sehr groß war. Den Pershing habe ich in etwa maßstabsgerecht hineinkopiert. Man sieht, daß eine Fahrtstrecke mit Sichtkontakt nicht sehr lang ist, etwa 15 bis 20 Meter. Natürlich standen diese hier zu sehenden neueren Häuser links an der Ecke seinerzeit nicht, aber durch die vorhandenen Ruinen der alten Häuser war der Sichtbereich auch nicht größer als auf diesem Bild.

Welchen Ablauf der Geschehnisse kann man vermuten, wenn man die obigen Bilder nun realitätsnahe auslegt ?

Es gibt zwei denkbare Varianten:

Variante 1 - Infanterie:
Wie bereits oben festgestellt, sind die Tracereffekte bei MG-Munition bauartbedingt kleiner als bei Panzergranaten. Die beiden ersten Schüsse mit relativ kleineren Tracereffekten als die letzten beiden Schüsse wurden nicht von dem Pershing abgefeuert, sondern von vermutlich mit MGs bewaffneter US-Infanterie im oder am Haus der Deutschen Arbeitsfront, entweder, um die Panther-Besatzung bei ihrer Flucht aus dem Panzer zu treffen, überhaupt einen Beschuß zwischen den Abschüssen des Pershing durchzuführen oder um dem Pershing eine Zielhilfe zu geben. Möglicherweise wurde mit den MG dabei auch noch mehrmals auf den Panther geschossen als die 2 sichtbaren Beschüsse. Denn nur jede 5. MG-Patrone war mit Tracereffekt versehen, weitere Schüsse wären also einfach nur nicht sichtbar gewesen.

Variante 2 - Pershing Coax-MG:
Der Pershing fährt aus Richtung der Straße An den Dominikanern kommend in die Kreuzung herein, kurz danach gibt er während der Fahrt den ersten Schuß mit seiner Kanone ab, der den Panther auch trifft und in Brand setzt. Der Pershing erreicht sodann das Ende des Bereichs, in dem Sichtkontakt mit dem Panther besteht und bremst ab. Im nächsten Moment setzt der Pershing zurück, dabei werden nach und nach weitere Schüsse abgegeben, zwei davon mit der Kanone. Der Pershing kann nicht im Sekundentakt mit seiner Kanone schießen. Um die Zeit bis zum nächsten Schuß der Kanone zu überbrücken oder die Ausrichtung der Kanone zu überprüfen wird daher mit dem Coax-MG des Pershing auf den Panther geschossen. Auch hier verfügt nur jede 5. Kugel der entsprechenden MG-Munition über einen Leuchtspureffekt, so daß neben den zwei sichtbaren Schüssen weitere Schüsse mit dem MG erfolgt sein dürften. Dann bremst der Pershing nochmals ab bzw. fährt langsamer, als er auf der anderen Seite das Ende des Kreuzungsbereichs erreicht wo gerade noch Blickkontakt zum Panther besteht. Die Flugbahnen der beiden nun dort abgeschossenen Granaten liegen daher räumlich recht nahe nebeneinander. Dann rollt der Pershing wieder aus der Kreuzung heraus zurück in die Straße An den Dominikanern.

Ich persönlich tendiere etwas mehr zu Variante 1. Recht sicher hielten sich Infanterie-Soldaten im Haus der Deutschen Arbeitsfront auf, mindestens zur Begleitung der Kameraleute, möglicherweise aber auch schon um ggf. mit in das Panzerduell eingreifen zu können. Vermutlich haben diese nur den ersten Treffer abgewartet um dann in dem Moment, in dem ggf. die deutsche Panzerbesatzung den Panther verlassen hat, zusätzlich auf Panther und/oder flüchtende Besatzung zu schießen. Aufgrund der kurzen Entfernung zwischen Panther und Pershing waren Tracer-Schüsse zur Justierung der Kanone eigentlich nicht erforderlich, in Variante 2 müßte also Smoyer mit seinem Coax-MG auf die fliehende Panther-Besatzung geschossen haben. Dies behauptet er aber in seinen Interviews nicht, zudem gibt er an, lange Zeit nicht gewußt zu haben, was aus der Crew bei dem Panzerduell geworden ist. Dies hört sich nicht so an, also ob er jemand gewesen sei, der mit einem MG auf eine fliehende Panzerbesatzung geschossen hätte. Nun, welche Variante letztlich auch die richtige sein möge, die verschiedenen Abschußstandorte sprechen meines Erachtens klar gegen ein nachgestelltes Panzerduell.
Wenn ein Panzerduell nachgestellt werden soll, bei dem ein Panther in der offiziellen Version durch drei Schüsse eines ihm alleine gegenüber stehenden Pershing getroffen werden soll, wird man sicherlich nicht auch noch absichtlich von verschiedenen Standorten weitere Schüsse auf den Panther durchführen, insgesamt also von vier sichtbar verschiedenen Standorten und dies auch noch so filmen. Und vor allem läßt man weitere versehentlich sichtbare Schüsse nicht auch noch in den veröffentlichten Szenen drin, da hätte Bates oder ein sonstiger Nachbearbeiter des Films doch auf jeden Fall eingegriffen, wenn alles tatsächlich nur ein Fake gewesen sein sollte und diese weiteren Treffer zu Irritationen hätten führen können. Die Entnahme der betroffenen 2 bzw. 3 Filmeinzelbilder mit dem sichtbaren Tracer wäre in dem verwackelten Filmmaterial bei 24 Bildern pro Sekunde Filmgeschwindigkeit gar nicht weiter aufgefallen.
Warum sollte bei gestellten Szenen mit Schauspielern von verschiedenen Stellen (somit in gewisser Weise schlechter koordinierbar) aus geschossen worden sein und bei Variante 2 insbesondere auch noch von einem fahrenden Objekt aus. Der Schütze könnte gar nicht so genau zielen und das Risiko für die Schauspieler wäre deswegen ungleich höher gewesen als von einer festen und gesicherten Position aus.
Und würde man bei einem solchen Fake auch noch mit verschiedener Munition schießen und dies auch noch filmen?

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