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Weitere Gefechte am Dom ?

Die Theorie

Nach der Ausschaltung des Panthers am Dom hat es laut Rheindorf auch noch einen mehr als einstündigen Kampf hinter dem Dom Richtung Brücke gegeben und einige amerikanische Panzer seien danach nicht mehr gefechtsbereit gewesen. Tenor dieser Äußerung: diese amerikanischen Panzer sind abgeschossen worden. Dabei soll auch ein deutscher Panzer beteiligt gewesen sein.
Der Kampf war also auch nach dem berühmten Panzerduell am Dom an diesem Tag noch nicht zu Ende.

Meine Meinung

Auslegung des Einsatz-Reports

Woraus bezieht Rheindorf diese Auffassung, die Panzer seien nicht mehr gefechtsbereit gewesen ?

Er bezieht sich auf einen Eintrag in einem in der Dokumentation gezeigten amerikanischen Einsatz-Report "Record of events" vom 07. März 1945. Dort steht unter anderem:

"7 Mar 45--Co reached Rhine River 17.00 6 Mar 45.   ...   Some tanks being moved back for Maint. Weather Fair Morale Very Good."
Zitat aus dem Bericht

Übersetzung:
"7. März 1945 -- Die Company (Einheit) erreichte den Rhein um 17.00 Uhr am 6. März 1945.   ...   Einige Panzer sind zur Wartung gebracht worden. Wetter heiter Moral sehr gut"

Nun, bei der Betrachtung der DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf fällt mir immer wieder die sehr freizügige Auslegung und Darstellung von Textstellen in den gezeigten historischen Dokumenten auf. Etwa bei dem privaten Brief von Miller an Smoyer oder der Auslegung des Einsatzbuches zu dem Thema, ob der Dom zerstört werden sollte. Beim privaten Brief von Miller werden z.B. Textstellen in eine andere Reihenfolge gebracht und ihnen dadurch ein anderer Sinn gegeben und Auslegungen gemacht, die der eigentlichen Intention des Dokuments widersprechen.
Auch vorliegend haben wir wieder eine Textstelle in einem Dokument, die von Rheindorf recht frei in eine seine Theorie unterstützende Weise ausgelegt wird. Denn daß die Panzer tatsächlich in einer Gefechtssituation am Dom am Abend des 6. März 1945, nach dem eigentlichen Panzerduell am Dom, beschädigt wurden, steht in dem Dokument überhaupt nicht ausdrücklich drin.

Bei ganz neutraler Betrachtung bedeutet dieser Satz mit der Wartung auch nicht unbedingt, daß hier Panzer in einem letzten Gefecht am Dom zerstört oder beschädigt worden sind.

Man muß bei Auslegung des Satzes vielmehr auch berücksichtigen, daß die US-Truppen auf dem langen und aufreibenden Vormarsch von der Rur bis nach Köln einiges erlebt haben, sich an den Panzern auf diesem Weg vermutlich einige Fehlfunktionen oder Beschädigungen angehäuft haben und die Truppen nicht viel Zeit gehabt haben, diese Fehler umgehend zu beseitigen. Fehler wie z.B. defekte Funkgeräte oder Turmmotoren oder Getriebeprobleme, mit denen Panzer aber durchaus noch einsatzbereit bzw. gefechtstauglich waren. Nun hatte man in Köln den Rhein erreicht, die Verbindungen zur anderen Rheinseite waren zerstört, diese Rheinseite war gesichert und Kämpfe waren in den kommenden Stunden oder Tagen erst einmal nicht zu erwarten. Das Wetter war gut, die Moral der Truppe sehr gut. Also keine ernste Kampfstimmung. Letztendlich nahmen sich die Amerikaner ja sogar einen Monat Zeit, die andere Rheinseite zu erobern. Es war somit eine Art gesicherte Zwischenstation.

Was lag näher, als diese Tage zu nutzen, in den Kampftagen aufgeschobene Wartungen vorzunehmen und die Panzer zu den Wartungseinheiten zu bringen und sie somit für zukünftige Operationen wieder voll funktionsfähig zu machen ?

Meiner Auffassung nach belegt der Satz also nicht Rheindorfs Schlußfolgerung, es hätte noch Gefechte gegeben, bei denen die Amerikaner einige Panzer durch Abschuß verloren haben. Schießereien gab es nach verschiedenen Darstellungen wohl schon. Aber zu diesem Zeitpunkt nach dem Panzerduell sind vermutlich nur noch einzelne deutsche Soldaten in diesem Bereich. Ob zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch ein deutscher Panzer im Bereich hinter dem Dom war, der auf die amerikanischen Panzer hätte schießen können, ist vollkommen unklar.

Die Einsatzberichte

Weder in dem oben genannten Einsatz-Report noch in anderen bekannten Einsatzberichten finden sich ausdrückliche Hinweise auf weitere größere Kampfhandlungen am Dom nach dem bekannten Panzerduell zwischen Pershing und dem Panther. Die Schießereien, wie sie dort nach Aussagen eines Zeugen möglicherweise noch stattgefunden haben (davon später mehr), waren aber offenbar für die Amerikaner militärisch so wenig außergewöhnlich, daß sie in den Militärberichten des Nachmittags keine Erwähnung mehr fanden.

Amerikanische Zeugen

Der Schütze des Pershing, Clarence Smoyer, hat sich mehrfach zu den Geschehnissen am Dom geäußert. In keiner seiner Aussagen gibt es Hinweise auf weitere Kämpfe nach dem Abschuß des Panther. Der Pershing wäre sicher auch an weiteren Kämpfen beteiligt gewesen, wenn es sie in dem von Rheindorf beschworenen Ausmaß gegeben hätte. Aber es gibt weder von Smoyer noch von anderen amerikanischen Soldaten Hinweise zu derartigen Kämpfen. Interessanterweise befragt Rheindorf Smoyer in seiner Dokumentation erst gar nicht dazu, was sich ja bei ausgeglichener Recherche aufgedrängt hätte. Immerhin ist Smoyer zum Zeitpunkt der Entstehung der Dokumentation der einzige bekannte noch lebenden amerikanische Soldat, der dort am Dom war. Kämpfe hat er aber jedenfalls gefragt oder ungefragt nicht bestätigt, sonst wäre diese Aussage sicher in der Dokumentation auch aufgenommen worden.

Pionier Müller

Es gibt eine Schilderung eines Kompaniechefs des 677 Pionier-Bataillons, Ferdinand Müller, aus dem Jahre 1965. Diese wurde im Jahrbuch 66 des Kölner Geschichtsvereins, in der Abhandlung „Wer hat am 6. März 1945 die Kölner Hohenzollernbrücke „verteidigt“ ?“ von Hans Lemberg, abgedruckt. Müller stand mit seiner Kompanie seit den frühen Morgenstunden des 6. März 1945 im Bereich des Doms, insbesondere auch im Tunnel der Trankgasse sowie nördlich und südlich davon. Müller schildert, dass am Vormittag auch zwei Panzer in diesem Tunnel standen und einer davon dann mit einem Oberleutnant an Bord in Richtung Westen davon gefahren sei. Müllers Einheit wurde jedoch gegen Mittag abgezogen und befand sich gegen 13 Uhr, als die Hohenzollernbrücke gesprengt wurde, bereits im Bereich Severinstraße. Der Verbleib des zweiten Panzers bleibt auch nach diesem Bericht unklar. Die Zahl von zwei Panzern korrespondiert auch mit der Aussage des MG-Schützen Gustav Schäfer, der schildert, am Morgen des 6. März in einer Gruppe von drei Panzern - vermutlich alle aus der Brigade Feldherrnhalle 106 - über die Hohenzollernbrücke gekommen zu sein und dann mit seinem Panzer IV direkt weiter Richtung Westen gefahren zu sein, die zwei anderen Panzer zurück lassend. (Zu den weiteren Aktivitäten des Panzer IV mehr auf der Seite Die zerfetzte Leiche der Katharina Esser). Die Aussage Schäfers, keine der beiden anderen Besatzungen gekannt zu haben und ihm selbst seine eigene Besatzung bis auf 2 Leute unbekannt gewesen sei, macht zudem deutlich, dass in diesen Kriegstagen sehr viele provisorische Lösungen gefunden werden mußten.

Nach dem Bericht Müllers muss einer der beiden verbliebenen Panzer also spätestens schon gegen Mittag vorgefahren sein. Aufgrund des Abzugs der Kompanie bleibt auch offen, ob dieser wegfahrende Panzer derjenige ist, der später den Sherman abgeschossen hat. Falls ja, müßte ein zweiter Panzer im Tunnel verblieben sein. Fuhr aber dieser erste der beiden Panzer tatsächlich weiter weg in Richtung Westen und kam auch nicht wieder zurück, wäre der dann nur noch einzelne verbleibende Panzer derjenige, der dann in das berühmte Gefecht verwickelt war. Leider finden sich ausser dem zerstörten Panther am Dom nirgendwo Fotos von anderen zurück gelassenen oder zerstörten deutschen Panzern in der Kölner Innenstadt, die eine Identifikation als einer der drei Panzer zulassen würde.

Domvikar Kleff

Rheindorf bezieht sich bei seiner Behauptung von längeren Kämpfen unter Einbeziehung eines deutschen Panzers auch auf Aussagen des damaligen Domvikars W. Kleff. Dieser befand sich am 6. März 1945 den ganzen Tag im Dom.
"Kleff erwähnt auch zwei deutsche Panzer. Zudem Kämpfe zwischen Dom und Hauptbahnhof.

Doch dann heißt es ohne Zeitangabe, die Deutschen kämpften nicht mehr"
Originalkommentar auf der DVD

Rheindorf bezieht sich mit diesem Kommentar offensichtlich auf einen Zeitungsartikel, den er im Film ausschnittweise auch zeigt. Da zeitgleich auch Fotos eingeblendet werden, ist der Artikel aber nur recht schwer lesbar, vor allem, wenn nach wenigen Sekunden schon die nächste Szene kommt und man ja auch auf den Kommentar konzentriert ist.
Macht man sich aber wieder einmal die Mühe, per Pause-Taste des DVD-Players den Inhalt des Zeitungsausschnitts zu lesen, muß man Rheindorfs Kommentar (mal wieder) etwas relativieren.

"Am 6. März, 12:50 Uhr, jagen die Deutschen die Hohenzollernbrücke in die Luft, im Hauptbahnhof werden die Gleise gesprengt. Zwischen Deichmannhaus und Dom steht ein "Tiger", um 16:30 Uhr brennt ein deutscher Panzer vor dem Excelsior aus. Von der Ostseite des Domes drohen MG-Mündungen deutscher Maschinengewehrposten. In der Gegend Trankgasse - Johannisstraße wird Widerstand geleistet, der aber bald gebrochen wird. Um 17 Uhr sind die ersten Amerikaner im Dom. Sie lachen, drücken dem Domvikar die Hand und schießen dann durch ein Fenster des Kapitelsaales zu den Deutschen hinüber. Auf einem Schrank der Sakristei bauen sie ein Maschinengewehr auf, doch die Deutschen kämpfen nicht mehr."
Text des im Film gezeigten Zeitungsartikels

Kann man aus diesem Artikel tatsächlich schließen, daß hier zeitgleich zwei Panzer am Dom unterwegs gewesen sind ?

Nun, es fällt direkt auf, daß hier in äußerst wenigen Sätzen 4 Stunden Zeitablauf beschrieben werden.
1. Satz: Brücke, Gleise 12:50 Uhr
2. Satz, 1. Satzhälfte: "Tiger" Deichmannhaus / Dom
2. Satz, 2. Satzhälfte: 16:30 Uhr brennt ein Panzer vor dem Excelsior
3. Satz: Widerstand östlich des Doms
4. Satz: 17 Uhr Amerikaner im Dom

Da es sich bei dem Domvikar nicht gerade um einen Militärexperten gehandelt haben dürfte, muß man die genaue Bezeichnung "Tiger" sicher relativieren. Er war sicherlich zu dieser Zeit der populärste deutsche Panzer, aber nicht jeder deutsche Panzer war ein Tiger. So war es nicht selten, daß jeder deutsche Panzer als Tiger bezeichnet wurde. Selbst die amerikanischen Soldaten bezeichneten z.B. den abgeschossenen Panther am Dom häufig fälschlicherweise als Tiger.
Da Kleffs Schilderung bzw. Beobachtung zum Tiger zudem zeitlich zwischen 12:50 Uhr und 16:30 Uhr anzusiedeln ist, muß man die Frage stellen, ob es sich nicht vielmehr um den gleichen Panzer handelt, der hier von Kleff beschrieben wird. Zwar heißt es um 16:30 Uhr nur, "ein Panzer" brennt, es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Kleff den "Tiger" von zuvor einfach nur nicht wieder erkannt hat, da er in Flammen und Rauch stehend kaum identifizierbar gewesen sein dürfte. Der brennende Panther in den Filmaufnahmen von Rosenmann:


Es ist gut vorstellbar, daß hier einfach nur keine Wiedererkennung stattgefunden hat. Möglicherweise lag auch zwischen den Ereignissen "Tiger gesehen" und brennender "Panzer gesehen" einfach soviel Zeit, daß Kleff diese Schilderungart so gewählt hat.

Die örtliche Beschreibung liegt auch nicht so weit auseinander, wie sie zunächst erscheint.

Roter Punkt ist die Position des abgeschossenen Panther. Hotel Excelsior ist das blau markierte Gebäude. Insofern findet Kleff die Positionsbeschreibung "vor dem Excelsior". Gelb markiertes Gebäude ist das Deichmannhaus. Eine Position zwischen Dom und Deichmannhaus war also nicht sehr weit von der Position vor dem Excelsior entfernt. Es ist eher unwahrscheinlich, daß hier zwei Panzer standen, der Panther sozusagen 50 m voraus Richtung Feind in der Schußlinie eines "Tiger".

Auffällig ist in jedem Fall die Zurückhaltung von Kleff, was das Kampfgeschehen als solches betrifft. Um 16:30 wird der brennende Panzer genannt, aber passierende oder dort stehende oder schießende amerikanische Panzer finden ebenso keine Erwähnung wie überhaupt eine besonders starke Kampftätigkeit. Mit seinen Worten "drohen die MG-Mündungen" sogar nur. Er differenziert offensichtlich auch zwischen MG-Posten im Osten des Doms und dem davon aber nicht weit entfernten Bereich Johannisstraße / Trankgasse.
Ziffer 1 der Bereich östlich des Doms, Bereich Ziffer 2 die Unterführung Johannisstraße / Trankgasse. Gelber Pfeil Zugrichtung der Amerikaner.

Mit keinem Wort eine Schilderung, daß der so bezeichnete "Widerstand" ein deutscher Panzer ist.

Aber neben dem Zeitungsausschnitt existiert noch eine weitere Schilderung des Domvikars Kleff zu den Geschehnissen am 6. März, die von Rheindorf jedoch auf der DVD nicht erwähnt wird. Und zwar in „Der Dom im Kriege“ aus den Kölner Domblättern 1948, Seite 58. Dort heißt es vom Autor Kleff dazu:

"Um 12.50 Uhr begannen die Deutschen mit der Sprengung der Hohenzollernbrücke. ... Auch bei der Sprengung der Geleise im Hauptbahnhof, die nach der Sprengung der Brücke erfolgte, nahm der Dom keinen Schaden. Nun kam der Kampf schnell näher. Bald erschien auf dem Domplatz ein größerer deutscher Panzer, der immer wieder durch die Kleine Marzellenstraße zwischen Domplatz und unter Sachsenhausen hin und her fuhr. Schließlich traf ihn ein feindliches Geschoß, er brannte vor dem Hotel Exelsior aus."

(Der ansonsten nicht geläufige Begriff „Kleine Marzellenstraße“ meint wohl das letzte Stück Marzellenstraße zwischen Komödienstraße und Bahnhofstraße/An den Dominikanern. Unter Sachsenhausen ist die Straße im Anschluß an die Straße An den Dominikanern).
Auch in diesem Bericht von Kleff taucht kein Hinweis dazu auf, es hätten sich dort am Dom an diesem Nachmittag zwei Panzer aufgehalten. Es ist lediglich von einem Panzer die Rede, der hin und her gefahren ist und dieser wird auch abgeschossen. Hier gibt der Vikar auch keine Typbezeichnung an (Tiger o.ä.), redet lediglich von einem größeren Panzer.

Die Schilderung des Domvikars, daß ein deutscher Panzer hin und her gefahren ist, könnte zudem ebenfalls den Rückschluß zulassen, daß der fragliche Panther zu diesem Zeitpunkt am Nachmittag alleine dort am Dom stand. Denn hätte im Tunnel der Trankgasse oder anderswo in diesem Bereich vor dem Bahnhof noch ein zweiter deutscher Panzer gestanden, hätten sicherlich beide Panzer den Bereich viel besser zusammen abdecken können (z.B. einer positioniert Kreuzung An den Dominikanern / Marzellenstraße, der andere Komödienstraße / Marzellenstraße) und hätte nicht einer der beiden ständig hin und her fahren müssen.

Der damalige Domvikar W. Kleff bemerkte in seinem Bericht weiterhin:

"er [der größere deutsche Panzer] brannte vor dem Hotel Exelsior. An der Ostseite des Domes standen mehrere Maschinengewehre. Ebenso war unter der Unterführung Trankgasse - Johannisstraße deutscher Widerstand."

Dem Vikar war also - wie schon in dem Zeitungsartikel - nur die Erwähnung von dort stehenden Maschinengewehren wichtig. Ein deutscher Panzer außer dem ausgebrannten am Hotel Exelsior wird von ihm nicht erwähnt. Ein weiteres gewichtiges Zeichen dafür, daß dort wirklich kein weiterer, zweiter Panzer mehr vorhanden war.

Ferdinand Müller schreibt dazu passend in seiner o.g. Abhandlung, was nach dem Komplett-Abzug seiner Einheit vom Brückenkopf in der Mittagszeit dort noch an Widerstand zurückgeblieben sein müßte:

"Sicher ist aber, daß dort nur Versprengte in Gefangenschaft gegangen sind. "

Auch das unterstützt die Meinung, dass dort nicht mehr in großer Personenstärke verteidigt worden ist und es nach dem eigentlichen Panzerduell keine weiteren heftigen Kampfhandlungen großen Ausmaßes mehr gegeben haben dürfte.

Schließlich noch einmal der damalige Domvikar W. Kleff:

"Es war 5.10 Uhr. Ich ging aus dem Keller in den Dom. Sechs Amerikaner kamen mir entgegen. Sie waren durch den oberen Teil eines schrägstehenden Portals an der Südseite eingestiegen. Die zwei ersten lachten mit ganzem Gesicht ... und gingen dann in die Sakristei und in den Kapitelsaal und schossen durch je ein Fenster in diesen beiden Räumenn auf den deutschen Widerstand. ... Nach kurzer Zeit gingen sie fort und kamen bald wieder mit einem Maschinengewehr, das sie in der Sakristei am Fenster aufstellten, aber nicht benutzten, weil sich kein Widerstand auf deutscher Seite mehr regte."

Auch diese Schilderung Kleffs deckt sich also mit dem Zeitungsartikel. Sollte dort also am Nachmittag tatsächlich noch ein weiterer deutscher Panzer in diesem Bereich der Trankgassenunterführung gewesen sein, hätten sich die amerikanischen Soldaten sicherlich nicht so entspannt lachend in den Dom begeben und schon gar nicht an ein Fenster der Sakristei, nur gute 50 m von dieser Unterführung entfernt. Auch dürfte der sonstige Widerstand in diesem Bereich nicht von aussergewöhnlicher Intensität gewesen sein. Die amerikanischen Soldaten kamen jedenfalls auch offensichtlich ungefährdet vom Süden her, durch das dortige Portal in den Dom hinein. Zwar in Deckung des Doms betreffend die Unterführung Trankgasse. Aber das macht zumindest deutlich, daß die südlich davon befindliche Region schon gesichert gewesen sein muß.
Blick auf die südliche Domumgebung. Roter Punkt ist der Standort des abgeschossenen Panther, roter Pfeil die Unterführung Trankgasse. Blauer Pfeil der Dombunker, roter Pfeil das Südportal des Doms, durch den die amerikanischen Soldaten in den Dom gingen. Der Bereich südlich des Doms muss also gegen 17.00 Uhr bereits gesichert gewesen sein.

Schauen wir auch auf die andere Seite des Doms, die nördliche Seite:

Dieses Bild zeigt den nördlich des Doms gelegenen Bereich. Roter Punkt ist der Standort des abgeschossenen Panther an der Komödienstraße. Linker gelber Pfeil zeigt die Sakristei des Doms, links davon mit rotem Pfeil markiert der Tunnel Trankgasse. Rechte gelbe Pfeile zeigen die Zugrichtung der vorrückenden Amerikaner. Das Bild macht deutlich, daß die Sakristei einen guten und geschützen Ausblick auf diesen Bereich nordöstlich des Doms und insbesondere der Unterführung bot. Ein weiterer Panzer an oder in der Unterführung hätte mit schießenden Amerikanern am dortigen Fenster aber sicher kurzen Prozess gemacht.

Detailaufnahme des Gebäudeanbaus am Dom mit der Sakristei:

Große Fenster, von denen aus die Amerikaner den verbliebenen Widerstand bekämpften.

Blick auf die Domumgebung von Osten her:

Im gelben Kreis die Sakristei, roter Punkt der Standort des angeschossenen Panthers.

Zurück noch mal zum Kommentar von Rheindorf zum Zeitungsartikel:

"Doch dann heißt es ohne Zeitangabe, die Deutschen kämpften nicht mehr"
Originalkommentar auf der DVD

Tatsächlich keine Zeitangabe?
Nun, in dem Zeitungsartikel wird eine Uhrzeit genannt. Dort heißt es ja:

"Um 17 Uhr sind die ersten Amerikaner im Dom. Sie lachen, drücken dem Domvikar die Hand und schießen dann durch ein Fenster des Kapitelsaales zu den Deutschen hinüber. Auf einem Schrank der Sakristei bauen sie ein Maschinengewehr auf, doch die Deutschen kämpfen nicht mehr."
Text des im Film gezeigten Zeitungsartikels

Diese Uhrzeit wird auch in dem Kleff-Bericht „Der Dom im Kriege“ aus den Kölner Domblättern 1948, Seite 58, bestätigt. Natürlich wird keine Uhrzeit benannt, zu der nicht mehr gekämpft wird. Aber zumindestens kann man aus der Schilderung entnehmen, daß dies in zeitlicher Nähe zum Auftauchen im Dom stattgefunden haben sollte, vielleicht zwischen 17:15 Uhr und 17:30 Uhr. Nicht ausgeschlossen ist auch, daß bereits zum Zeitpunkt des Auftauchens der Amerikaner im Dom kein Widerstand mehr geleistet wird, wie immer sich dieser Widerstand zuvor auch gestaltet haben soll.

Der Einsatzleiter Miller

Am Dom kommandierte an diesem 6. März der Einsatzleiter Col. Clifford L. Miller. Er schrieb im Jahre 2001 einen persönlichen und nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Brief an Smoyer, dem Pershing-Crewmitglied, in dem er sich für den Abschuß des Panther bedankt. Er beschreibt darin, daß es der Abschuß des Panther war, der eine Änderung seiner Taktik herbeigeführt habe.

"... knocking out that Panther gave me to opportunity to go back to the brass and tell them I was putting my plan of action into effect and would not continue with theirs. From then on, I had no more casualties in front of the cathedral."
Ausschnitte eines in der Dokumentation gezeigten Briefausschnitts Miller an Smoyer

Übersetzung:
"... die Ausschaltung des Panthers hat mir die einmalige Gelegenheit gegeben, zurück zu den hohen Tieren zu gehen und zu sagen, daß ich meinen eigenen Aktionsplan umsetzte und ihren nicht mehr fortsetzen würde. Von da an hatte ich am Dom keine weiteren Verluste mehr."

Der amerikanische Einsatzleiter am Dom am 6. März 1945 müßte es nun wirklich wissen, falls da am Dom nach dem Abschuß des Panther noch heftige Kämpfe und Verluste gewesen wären. In einem privaten und persönlichen Brief 56 Jahre nach Kriegsende hatte er nun wirklich keine Gründe, etwas anderes als die Wahrheit zu schreiben bzw. angebliche Propaganda-Behauptungen aufrecht zu erhalten und ein problemloses Vordringen bis zum Rhein zu behaupten, wenn es in Wahrheit heftige Kämpfe gegeben haben sollte, bei denen laut Rheindorf diverse amerikanische Panzer abgeschossen worden sind.

Der Kommandant

Als weiteren Beweis umfangreicher Kämpfe zieht Rheindorf in seiner Dokumentation dann einen weiteren Mann aus dem Hut. Und "aus dem Hut ziehen" ist die richtige Bezeichnung. Denn so dezidiert Rheindorf seine Recherchestränge zur Identifizierung der Besatzungen des in der Komödienstraße abgeschossenen Sherman und dem vom Pershing abgeschossenen Panther Ecke Marzellenstraße auch darlegt, umfangreich zeigt, wie er an die Namen der Soldaten gekommen ist, so wenig sagt er hier dazu, wie er darauf kommt, daß dieser Oberleutnant in einem Kampfwagen am Dom gewesen sein soll und den Amerikanern nach dem vorherigen Panzerduell gerade an der Unterführung Trankgasse noch Gegenwehr geleistet haben soll.

"Kommandant in dem letzten deutschen Kampfwagen hinter dem Dom, der schließlich von einer Panzerabwehrkanone der US Armee abgeschossen wird, war der Oberleutnant Heinz Gottfried."
Originalkommentar auf der DVD

Und während dies in der Dokumentation gesagt wird, blendet Rheindorf zeitgleich dieses Foto ein:

Mit dieser Verknüpfung von Kommentar und Foto soll vermutlich der Eindruck erweckt werden, man könne dort diesen Kampfwagen des Oberleutnants sehen.
Schaut man sich diese Panzer aber etwas genauer an, erkennt man, daß es sich bei keinem der beiden Panzer um einen deutschen Kampfwagen handeln kann:

Der Panzer im Vordergrund ist ein M4A3w75 Sherman und der Panzer dahinter ein M26 Pershing. Wie man an dem (auch in früheren Filmzenen so erkennbaren) Kasten am Turm erkennen kann, ist dies der Pershing von Early und Smoyer, der im berühmten Panzerduell vom 6. März den Panther abgeschossen hatte.

Und was noch auffällt ist, daß ansonsten in diesem Straßenbereich und im Bereich der Unterführung kein weiterer Panzer zu sehen ist, insbesondere kein abgeschossener deutscher Panzer.

Knappe Zeit

Sollte also tatsächlich kurz nach 17.00 Uhr der Bereich Dom schon soweit sicher gewesen sein, daß es keinen Widerstand mehr war, dann war nach dem zuvor stattfindenden Panzerduell ohnehin nicht mehr soviel Zeit, wie sie Rheindorf für Gefechte im von ihm angegebenen Umfang ansetzt. Das letzte Panzerduell Pershing / Panther dürfte in etwa um ca. 16.00 Uhr stattgefunden haben. Der Panther war in Brand geschossen, die Filmaufnahmen von Bates und Rosenmann zeigen noch einige Zeit den brennenden Panther. Keine Soldaten passieren ihn in diesem Moment. Inklusive der Klärung der Situation dürfte es noch einige Zeit in Anspruch genommen haben, bis die Amerikaner tatsächlich den Vormarsch zum Rhein weiter fortsetzen konnten. Kleff beschreibt den brennenden Panzer gegen 16:30 ohne Erwähnung amerikanischer Panzer o.ä. Vor etwa 16.45 Uhr werden die Amerikaner den abgeschossenen Panther nicht passiert haben.
Für mehr als einstündige Gefechte war die Zeit bis kurz nach 17.00 Uhr also sicher nicht mehr ausreichend.

Die Uhrzeit des Erreichens des Rheins gemäß dem o.g. amerikanischen Tagesreport lautet 17.00 Uhr. Nun wirft Rheindorf auf seiner DVD aber auch ein, daß die amerikanischen Soldaten wohl vermutlich erst viel später am Rhein gewesen seien als bisher vermutet. Er zeigt einen Ausschnitt aus einem amerikanischen Militärbericht, gemäß dem man gegen 18.45 Uhr am Rhein gewesen sei und im gleichen Militärbericht wird auch eine Frage protokolliert, ob ein Truppenteil "in der Nacht zum Rhein hinunter gehen wolle".

" ... and asked if ... was going down to river tonite. Was told yes. "
Zitat aus dem Militärbericht

Übersetzung:
"... und fragte, ob ... diese Nacht zum Fluß herunter gehen würde. Das wurde bejaht."

Gerade die letztgenannte Textstelle mit der Formulierung "herunter gehen" trifft es aber wohl auf den Kopf. In der Tat wird man davon ausgehen können, daß mit dem Erreichen des Rheins um 17:00 Uhr nicht unbedingt gemeint war, daß ein amerikanischer Soldat direkt am Rheinufer stand, quasi am Geländer der Uferbefestigungsmauer in der Altstadt.
Das wäre auch keine gute Idee gewesen. Die andere Rheinseite war noch in deutscher Hand, die verbleibenden deutschen Soldaten dort warteten auf das Vorrücken der Amerikaner von Westen her Richtung Rhein. Ein unmittelbar am Rheinufer stehender amerikanischer Soldat hätte sich also auch gleich eine Zielscheibe vor die Brust halten können. Es war daher für die Amerikaner schon aus diesem Grunde sicher kein erstrangiges Ziel, am Abend des 6. März 1945 in kompletter Stärke noch direkt bis unmittelbar ans Rheinufer vorzurücken. Das war auch nicht notwendig, da erkennbar war, daß sich dort am West-Ufer keine deutschen Soldaten mehr befanden, die man gefangen nehmen mußte.
Wer die Kölner Altstadt kennt, weiß zudem, daß der Dom und seine unmittelbare Umgebung auf dem sogenannten Domhügel steht, einer kleinen Erhebung, die ein nicht ganz unerhebliches Stück über dem Rhein bzw. dem Rheinufer-Niveau liegt. Auch in den anderen Teilen der Altstadt gibt es einen markanten Höhenunterschied zwischen dem unmittelbaren Rheinufer-Bereich und den etwa 200 m weiter landeinwärts gelegenen Stadtbereichen.
Und so ist offensichtlich auch das "herunter gehen" im amerikanischen Militärbericht zu verstehen. Man stand am späten Nachmittag des 6. März nur auf dem Domhügel, noch knapp 200 Meter vom eigentlichen Rheinufer entfernt. In der Deckung der dortigen Hausruinen bzw. des Hauptbahnhofes konnte man den Rhein bereits gut sehen, war aber lediglich noch nicht zu ihm herunter gegangen, direkt an die Uferbefestigung.
Aus der Sicht der amerikanischen Soldaten, die möglicherweise zudem in den verschiedenen Einheiten an verschiedenen Teilen der Stadt den Ehrgeiz besaßen, die Ersten "am Rhein" zu sein, war dies offenbar schon ausreichend, vom Erreichen des Rheins zu sprechen, obwohl noch 200 Meter bis zur Ufermauer fehlten.

Nach alledem wird man davon ausgehen können, daß tatsächlich die amerikanischen Soldaten kurz nach 17.00 Uhr auf der zum Rhein hin gelegenen Seite hinter dem Dom standen, aber nur noch nicht weiter bis zum Rheinufer herunter gegangen waren. Dies wurde dann wohl absichtlich erst in den Schutz der Dunkelheit verlegt.

Auch in den nachfolgenden Wochen war der dortige Rheinufer-Bereich wegen der deutschen Truppen auf der anderen Rheinseite noch Sperrgebiet.

Foto veröffentlicht auf der Webseite footnote.com, entstammt dem Archiv NARA.
Hier eines der vielen in der Innenstadt aufgestellten Warnschilder, die diesen Sperrbereich entlang des Rheins markierten.

Erst im April wurde dann auch die andere Rheinseite von den Amerikanern eingenommen und damit die Eroberung Kölns militärisch abgeschlossen.

Quintessenz

Mit seinen Ausführungen auf der DVD wollte Rheindorf nachweisen, daß der Vormarsch zum Rhein schwieriger war, als es die Amerikaner glauben machen wollten und es in der gängigen Literatur auch allgemein beschrieben wird. Seine Ausführungen zu einem längeren Widerstand am Dom sind nicht überzeugend. Möglicherweise haben letzte Einzelkämpfer im Bereich Trankgassenunterführung noch auf die Amerikaner geschossen. Daß hierbei noch kräftige Verluste auf amerikanischer Seite verursacht worden sind und dabei an dieser Stelle auch ein deutscher Panzer beteiligt war, ist jedoch eher unwahrscheinlich.

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