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Dierk's page - Köln im 2. Weltkrieg - Special 2 Gab es das Panzerduell gar nicht ? (1)
Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.
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Recherchestand dieser Webseiten: 29.11.2008
Prolog
Panzerduell am Dom, 6. März 1945. In der auf DVD erhältlichen Dokumentation "Köln 1945 Nahaufnahmen" stellt der Kölner Journalist und Politikwissenschaftler Hermann Rheindorf die Theorie auf, daß große Teile der Filmaufnahmen, die das berühmte Panzerduell am Dom zeigen, erst wesentlich später nach der eigentlichen Kampfhandlung mit "Schauspielern" nachgestellt worden sind bzw. das Panzerduell in dieser Form gar nicht stattgefunden hat. Er nennt das die "bittere Wahrheit" über das Panzerduell. In der lokalen Presse wird daraufhin groß von gefälschten Bildern berichtet. Rheindorf führt in seiner Dokumentation mehrere angebliche Beweise für seine Theorie auf.
Als ein Hauptbeweis vergleicht Rheindorf zwei verschiedene Szenen der Filmaufnahmen von Bates und Rosenmann über das Panzerduell miteinander und läßt in seinem Film Standfotos auch von einem ehemaligen Leiter einer kriminalpolizeilichen Bildstelle begutachten - er nennt das in seiner Filmkommentierung eine "eingehende Film- und Fotoanalyse".

Quelle: DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf
Bilder oben: der Experte bei der Arbeit. Von Rheindorf ausgedruckte Fotos werden betrachtet, dann festgestellt, daß auf einem Bild aus dem Zwischengeschoss des Hauses (Rosenmann) Oberleitungen zu sehen sind und auf dem anderen aus der zweiten Etage (Bates) nicht, wo eigentlich welche zu sehen sein müßten ...
Hier noch einmal ebenso auswertbare Bilder aus den gleichen Perspektiven, die vom Experten betrachtet wurden. In der einen Szene mit dem Panther Panzer im Hintergrund hängen über der Straße Oberleitungen der durch die Straße führenden Straßenbahnlinie, in der anderen Szene nicht.

Bilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann
Rheindorf behauptet unter Verweis auf die Bilder mit den Oberleitungen ausdrücklich, die "gesamte Straße" sei mit diesen Oberleitungen überspannt. Die Oberleitungen sind nach seiner Theorie an den sichtbaren Häuserfassaden auf der linken und rechten Seite dieses Straßenbereichs befestigt. Er folgert daraus, die Szenen ohne Oberleitungen von Bates vom Beschuß des Panther seien wesentlich später aufgenommen, da die Oberleitungen ja nach den Aufnahmen von Rosenmann zwischenzeitlich abgehängt worden sein müssen, amerikanische Soldaten hätten dann als Schauspieler fungiert und einen Abschuß des Panther nachgespielt.
Nun bin ich von Hause aus immer skeptisch, wenn jemand mit großem Tamtam eine Sensation verkündet und die eigene Meinung als die Wahrheit verkündet. Vor allem, wenn das betreffende Ereignis schon 63 Jahre in der Vergangenheit liegt und somit wichtige Augenzeugen entweder gar nicht mehr leben oder - falls doch - sich an Ereignisse erinnern sollen, die so lange zurückliegen oder gar nur Freunde bzw. Familie der verstorbenen Zeitzeugen befragt werden. Meine Erfahrungen als Jurist zeigen eher, daß Zeugen schon nach kurzer Zeit Schwierigkeiten mit der korrekten Wiedergabe von Geschehensabläufen haben oder diese von Anfang an anders erleben. Zudem stelle ich mir die Frage, warum eine vermeintlich so große Sensation denn ganze 63 lange Jahre nicht aufgedeckt worden ist.
Steine im Weg
Daraufhin hatte ich mich also kurz nach Veröffentlichung der DVD mit den dort aufgestellten Thesen inhaltlich auseinandergesetzt und zu der - ich nenne sie nachfolgend immer "Kabel-Theorie", weil in den allgemeinen Diskussionen zu den Thesen Rheindorfs statt von Oberleitungen immer auch gerne von "Kabeln" gesprochen wird - eine erste Webseite mit Bildanalysen der vorhandenen Original-Filmaufnahmen der Amerikaner erstellt.
Die Originalaufnahmen des historischen Films wurden von den Kameramännern James - auch Jim genannt - Bates und Leon Rosenmann gemacht. Rheindorf hat für seine neue DVD-Dokumentation (zwei Jahre zuvor hatte er das Panzerduell in einer ersten Film-Dokumentation über das Kriegsende in Köln noch als so geschehen vermarktet) die Filme der Kameramänner Bates und Rosenmann digital aufbereiten lassen und diese entsprechenden Passagen zeigen nun die Szenerie des Kampfgeschehens in sehr guter Qualität. Rheindorf bezieht sich hinsichtlich seiner Kabel-Theorie insbesondere auf diese digital bearbeiteten Szenen. Die über der Straße hängenden Oberleitungen sind in der Doku daher in zwei verschiedenen Einstellungen viel besser zu sehen als in den gleichen Szenen bei anderen Quellen. Aus diesem Grunde hatte ich für meine Bildanalyse auch drei Standbilder der digital aufbereiteten Szenen aus der DVD übernommen, um diese als Basis einer wissenschaftlichen Überprüfung der Kabel-Theorie auszuwerten. Anhand dieser Bilder kam ich auf meiner Webseite zu dem Ergebnis, daß die Kabel-Theorie von Rheindorf nicht zu halten war. Leider wurde mir dann aber u.a. unter Verweis auf Grenzen des Zitierrechts von Herrn Rheindorf die Verwendung von Standfotos dieser digital bearbeiteten Szenen aus der Dokumentation im wesentlichen untersagt. |
 Das war meine ursprünglich so konzipierte Webseite, auf der ich unter Verwendung von drei Standbildern (durch Ausschnittbildung jeweils mehrfach genutzt) der digital aufbereiteten Filmszenen aus der Dokumentation von Hermann Rheindorf mit vielen Details nachgewiesen habe, daß seine Kabel-Theorie falsch ist. Untersuchungen der drei Standbilder der digital aufbereiteten Szenen aus der Rheindorf Dokumentation und der dortigen verschiedenen Perspektiven, aus denen die Oberleitungen gefilmt worden sind, hatten ergeben, daß die Oberleitungen in Wirklichkeit gar nicht entfernt werden mußten, sondern daß sie auch bei den - laut Rheindorf angeblich viel später gedrehten - Szenen von Bates noch da hingen, wo sie auch bei den Rosenmann Aufnahmen schon hingen.
Die hier schon einmal vorweggenommene Quintessenz meiner Auswertung der Bilder lautet damals und heute nämlich:
Die in den Filmbildern von Rosenmann sichtbaren Oberleitungen hängen entgegen dem ersten Anschein überhaupt gar nicht über der ganzen Marzellenstraße sondern nur über einem recht begrenzten Teilstück im Kreuzungsbereich zur Straße An den Dominikanern, recht nahe zum Standort der Kameraleute Bates und Rosenmann. Nur durch die besondere Blick-Perspektive von Rosenmann knapp unter der Höhe der Oberleitungen scheint es auf den ersten Blick so, als ob die Oberleitungen über der gesamten Straße hängen. Bates, der sich - wie wir später noch genauer sehen werden - in einer mehrere Meter höher gelegenen Etage als Rosenmann befand, filmte über die nahe am Haus hängenden Oberleitungen einfach hinweg und diese sind daher in den Filmbildern von Bates nicht sichtbar. Die Oberleitungen hingen also bei beiden Aufnahmen dort, waren nur wegen der verschiedenen Blickwinkel der Kameraleute in den einen Bildern sichtbar, in den anderen nicht.
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Der ehemalige Kriminalpolizist liegt bei seiner Aussage eindeutig und nachweisbar falsch.
Schon mit den damaligen Ausführungen und Bildern konnte ich dies beweisen und fehlt Rheindorf ein recht wichtiger Beweis für seine Fake-Behauptung. Nun durfte ich die ursprünglich geplante Seite mit den digitalen Standbildern nach dem Veto von Hermann Rheindorf also nicht veröffentlichen. Glücklicherweise konnte ich aber im Internet noch weitere frei verfügbare Fotos finden, auf deren Veröffentlichung auf meiner Website Rheindorf keinen Einfluß hat und die von mindestens genau so guter Qualität sind wie die digital aufbereiteten Bilder aus der Rheindorf-Doku. Schnell wird gleich noch einmal deutlich, warum Rheindorf die Verwendung seiner digital aufbereiteten guten Bilder und meine Webseite in dieser Form nicht erlauben wollte: sie lassen seine Kabel-Theorie in sich zusammenfallen.
Vier weitere angebliche Beweise von Rheindorf bespreche im Anschluß an die Kabel-Theorie. Es sind:
- Der Abschuß durch den Pershing
- Trojanischer Panther
- Der entspannte Soldat
- Sherman Komödienstraße
Neben der eigentlichen Beweiswürdigung ist es dabei vor allem interessant zu sehen, wie Rheindorf mit "Beweismitteln" umgegangen ist bzw. wie er suggestiv auf den Zuschauer seiner Dokumentation einwirkt, um seine Theorien glaubhafter zu machen. Dabei schreckt er in einem Fall sogar vor einer vorsätzlich falschen und sinnentstellenden Wiedergabe eines Briefes als vermeintliches Beweismittel nicht zurück, um seine Theorie zu untermauern - dazu mehr im Kapitel Trojanischer Panther.
Kabel-Theorie - Der Einstieg
Rheindorfs Theorie des nachgestellten Panzerduells wirft vor der ersten genaueren Bildanalyse zunächst schon alleine durch die Behauptung eines durchgeführten Nachdrehens Fragen auf. Stellen die Amerikaner wirklich unter großem Aufwand ein Panzerduell nach, es werden "Schauspieler" engagiert, die aus dem Panzer flüchten müssen, während dieser brennt und mit angeblich harmloser Munition wie Leuchtraketen o.ä. beschossen wird. Es wird also großes Hollywood-Kino gemacht mit sicher entsprechend großen Planungs- und Durchführungsaufwand und dann vergeigen die Amerikaner die Szene doch und verraten sich selbst dadurch, daß man mitten im Bild befindliche und deutlich sichtbare Oberleitungen entfernt und verschiedenen Aufnahmen mit gut sichtbaren Oberleitungen und nicht sichtbaren Oberleitungen tatsächlich auch noch zusammenschneidet und veröffentlicht ?
Wenn man schon später mit einem riesigen Aufwand nachdreht, warum sollte man durch sichtbare Oberleitungen verräterische Szenen von früheren Aufnahmen im finalen Film drin lassen und warum nutzte man nicht einfach Bilder des brennenden Panther ohne Oberleitungen ? Szenen eines ausbrennenden Panzers (nach Rheindorf mit den Kabeln im Bild ja angeblich die einzigen authentischen Szenen) hätte man doch leicht filmen können, wenn man den Panzer für den Nachdreh ohnehin in Brand stecken mußte. Wenn tatsächlich alles nur Fake gewesen sein soll, machen die Amerikaner dann tatsächlich so gravierende Fehler ?
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Betrachten wir uns nun einige Bilder. Zunächst einmal wird alleine durch einen simplen Vergleich der verschiedenen Szenen mit und ohne Oberleitungen deutlich, daß die Aufnahmen, die Rheindorf für die Untermauerung seiner These vergleicht, aus verschiedenen Perspektiven, nämlich aus verschiedenen Höhen aufgenommen sind.

Bilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann
Durch Einziehung von Fluchtlinien (blaue Linien) entlang der Gebäudestrukturen (durch deren Schnittpunkt wird dann die Höhe des Betrachters / Fotografen bestimmt - entspricht der Horizontlinie, der rot dargestellten Linie) wird schnell der Höhenunterschied der verschiedenen Szenen deutlich. Es handelt sich - wie der Vergleich der verschiedenen Horizontlinien zeigt - gut sichtbar um ca. zwei Altbau-Etagen Höhenunterschied - gemessen am Gebäude links. Bei Interesse hier ein externer Link zum Thema Perspektive.
Die genaue Höhe
Bei der höheren Perspektive handelt es sich um den Standort des Kameramannes Bates, der das Panzerduell filmte und des Fotografen Himes, der nach Beendigung des Kampfes von dort ein Foto des brennenden Panther machte. Beide befanden sich in dem Gebäude der Deutschen Arbeitsfront an der Ecke Marzellenstraße / An den Dominikanern und beide machten ihre Aufnahmen aus diesem Gebäude heraus. Das Haus gibt es auch heute noch und beherbergt nun das Kölner Sozialgericht. Von dort ergab sich damals ein guter Blick auf die Marzellenstraße und den deutschen Panther vor dem Dom.

Foto entstammt dem Archiv NARA.
Dies ist das Foto von Himes, welches aus der höheren Perspektive aufgenommen worden ist. In einer Höhe, in der - wie man gleich sehen wird - auch die Filmaufnahmen von Bates entstanden sind. Oberleitungen über der Straße sind auf den ersten Blick keine zu erkennen.

Links ein Standbild der Bates-Filmszene, rechts entsprechender Ausschnitt aus dem Himes-Bild. Man sieht anhand der Perspektiven deutlich, daß hier zwar eine leichte seitliche Verschiebung des Standortes von Bates und Himes vorliegt, daß aber aus der gleichen Höhe und damit Etage heraus gefilmt bzw. fotografiert worden ist.
Das Originalfoto von Himes in großer Auflösung befindet sich hier (785 KB)
Die genaue Höhe des Standortes kann man mit Hilfe des Fotos von Himes und einem Vergleich mit der heutigen örtlichen Situation sehr gut herausfinden. Danach befand sich der Standort der beiden Kameraleute in ca. 11 Meter Höhe in dieser Etage des Hauses (gelb markiert):

Foto veröffentlicht auf der Webseite footnote.com, entstammt dem Archiv NARA.
Die richtige Bezeichnung der Etage fällt aufgrund der Baustruktur des Hauses - wie man an Türen und Fenstern sehen kann: tiefergelegte Etage auf Straßenniveau, darüber die Etage höher, dann wieder "normale" nicht so hohe Etagen - etwas schwer. Ich würde es als 3. Etage bezeichnen. Ansonsten wird in anderen Quellen auch schon einmal vom zweiten Geschoß gesprochen, wobei offen bleibt, ob diese von mir als 3. Etage bezeichnete Geschoß gemeint und nur die Gebäudestruktur zur unterschiedlichen Bezeichnung führt oder ob tatsächlich ein niedrigeres Stockwerk gemeint ist. Fakt ist aber, daß unter Vergleich mehrere Perspektiven auf Fotos und in der Realität es die oben gezeigte Etage sein muß, aus der Bates gefilmt und Himes fotografiert haben und zwar etwa 11 Meter über Straßenniveau. Das war auch eine nachvollziehbare Entscheidung von Bates und Himes, sich in diesem Gebäudegeschoss aufzuhalten, denn in einer niedrigeren Etage wäre die Gefahr viel zu hoch gewesen, durch einen eventuellen Gegenschuß des Panther getroffen zu werden. Bates sprach zwar in seinem Interview von 1992 davon, mit dem Pershing Kommandanten Early den Panther im Vorfeld aus einem "Zwischengeschoß" beobachtet zu haben, womit nach meiner obigen Auffassung der Stockwerksverteilung vermutlich die erste Etage gemeint war. Diese Aussage von Bates schloß aber auch eine anschließende Veränderung des Standortes nicht aus. Gute Kameraleute und Fotografen suchten sich damals wie auch heute noch immer einen guten bzw. "den besten" Standort für ihre Aufnahmen aus und sicher war Bates als erfahrenem Kriegsberichterstatter auch klar, daß ein Verbleiben im Zwischengeschoß zum einen zu gefährlich war und zum anderen der Pershing dort voraussichtlich die Sicht auf den Panther versperrt hätte. Wenn Rheindorf also in der DVD anhand der Zwischengeschoß-Aussage versucht, Bates wegen der erfolgten Aufnahmen aus höherer Perspektive als insgesamt nicht glaubwürdig darzustellen, schießt er meiner Meinung nach etwas weit über das Ziel hinaus.
Nachdem nun die Etage und damit die Höhe des Aufnahmestandortes festgestellt werden konnte, läßt sich durch einen weiteren Vergleich des Fotos von Himes und der Aufnahmen von Bates zudem sagen, aus welchen Fenstern der betreffenden Etage heraus gefilmt und fotografiert worden ist. Ein perspektivischer Vergleich der links befindlichen Häuserfassaden auf den alten Fotos mit den heute ja noch erreichbaren örtlichen Gegebenheiten läßt den Schluß zu, daß die Aufnahmen aus folgenden beiden Fenstern ( Pfeil 1) oder (Pfeil 2) gemacht worden sein müssen:

Ich wage aufgrund des exakten Vergleichs damaliger und heutiger Perspektiven sogar behaupten zu können, daß das Himes Foto mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem linken (Pfeil 1) der beiden heraus aufgenommen worden ist und daß Bates aus dem rechten Fenster (Pfeil 2) heraus gefilmt hat.

Stellvertretend für die vielen verschiedenen Perspektiven-Vergleiche, die ich für die Berechnung durchgeführt habe, eine verkleinerte Darstellung einer Untersuchung zur genauen Lokalisierung der Fenster in der dritten Etage, aus denen gefilmt oder fotografiert wurde. Dazu habe ich aus der Sicht aller nebeneinander liegenden Fenster Fotografien angefertigt und diese dann anhand von bestimmten Fassadenmerkmalen und dadurch vorgegebenen Maßstäben mit den Originalbildern aus dem März 1945 verglichen und dadurch das Fenster bestimmt.
Hinsichtlich der tieferen Perspektive mit Blick auf die Oberleitungen gibt es im amerikanischen Originalfilm zwei vertikal und horizontal leicht versetzte Kamerastandorte. Der niedrigere der beiden befindet sich wahrscheinlich auf der Straße, der höhere der beiden in der Etage, die ich als erste Etage bezeichnen würde, andere auch Zwischengeschoß. Aufgrund einer Aufnahme im Originalfilm, in der kurz eine waagerechte Unterteilung (Fensterrahmen) des Fensters im unteren Fensterbereich zu sehen ist, wird dieser Standort vermutlich hinter einem dieser Fenster gewesen sein - es ist die einzige Etage mit solchen Fenstern -, dies in einer Höhe von ca. 4 Metern über dem Straßenniveau:

Auf dem Bild von eben ist dies die Fensterreihe (Pfeil 3). Zwischen den beiden Perspektiven, die Rheindorf vergleicht, liegen als mindestens ca. 7 Meter Höhenunterschied. 7 Meter sind eine großere Differenz, wenn man berücksichtigt, daß die Entfernung zwischen Panther und Haus mit den Kameramännern gemäß entsprechenden Entfernungs-Berechnungen nur ca. 120 Meter beträgt.
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Rheindorf fragt an einer Stelle der Dokumentation, warum denn der Pershing Panzer nicht einmal auf den Bildern aus dem Haus zu sehen ist bzw. zusammen mit dem Panther im Hintergrund ? Die von Bates gefilmten Beschußszenen des Panthers wurden wie eben festgestellt aus 11 Metern Höhe aufgenommen. Der Pershing stand in einer Entfernung von ca. 10 Metern vor dem Haus, das ergibt sich aus einer Berechnung, die man durchführen kann, wenn man den feuernden Pershing auf den Bildern von Rosenmann aus der Straße An den Dominikanern betrachtet und weiß, daß der Pershing eine Breite von 3,51 Metern hatte und dies dann zur Entfernung vom Haus in Relation setzt.

Um den Pershing zu filmen, hätte Bates bei den Nahaufnahmen, also mit einem montierten Teleobjektiv, aus der dritten Etage schon einen ziemlichen Schwenk nach unten auf den vor dem Haus stehenden Pershing machen müssen.Welche Gründe sprechen gegen einen solchen Schwenk ?
1.) Ein solcher wilder Zwischenschwenk wäre damals und wäre auch heute bei professionellen Kameraleuten (und Bates war einer) eher unüblich,
2.) mit den aus dem Panther flüchtenden deutschen Soldaten hatte er bereits ein sehr lohnendes Motiv, wozu also in diesen Momenten wegschwenken auf einen Panzer, von dem man auch nicht weiß, wie er sich weiter verhalten wird, ob er z.B. noch einmal schießt oder nicht ?
3.) Mit dem an der Kamera montierten Teleobjektiv wäre keine gelungene Aufnahme des Pershing möglich gewesen, da er so nahe am Haus stehend nicht mehr komplett in den Bildausschnitt eines Teleobjektivs gepaßt hätte und allenfalls Teile des Pershing sichtbar gewesen wären. Man hätte erst das Normalobjektiv montieren müssen, zuviel Zeitverlust während eines aktuellen Kampfgeschehens - ein professioneller Kameramann wie Bates wußte das und hätte auch aus diesem Grunde keinen Schwenk gemacht.
4.) Bates hätte zudem manuell die Schärfe am Objektiv regeln müssen, beim Schwenk auf den Pershing scharfstellen müssen. Die Schärfeneinstellung eines Teleobjektivs ist bei einem 120 Meter entfernten Objekt eine andere als bei einem 10 Meter entfernten Objekt. Bei einem Rückschwenk auf den Panther hätte Bates ebenfalls wieder justieren müssen - und das während des laufenden Kampfgeschehens.
5.) Noch viel entscheidender ist aber, daß Bates sehr nahe an das Fenster hätte treten müssen, um aus 11 Metern Höhe einen 10 Meter vom Haus entfernten Pershing zu filmen, also in einem Winkel von gut 45 Grad. Es ist nachvollziehbar, daß Bates im Angesicht des deutschen Panthers nicht allzu nahe am Fenster stehen wollte, um dann eine gute Zielscheibe abzugeben. Also filmte er gewiß mehr aus dem Inneren des Zimmers heraus.
5 gute Gründe für Bates, nicht während des Kampfgefechtes den Pershing ins Bild zu nehmen.
Als der Panther dann schließlich ausgeschaltet war, das Gefecht also beendet war, fuhr der Pershing wieder zurück in die Straße An den Dominikanern. Da konnte er in der Kreuzung also auch nicht mehr gefilmt oder fotografiert werden. Insofern sind die Aufnahmen von Rosenmann die einzigen Aufnahmen, die den Pershing in der Kreuzung stehend zeigen.
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Wo hängen die Oberleitungen ?
Nun folgt der Einstieg in die vertiefte Bildanalyse. Auch ohne das digital aufbereitete Bildmaterial von Rheindorf ergeben sich durch frei verfügbares Bildmaterial 8 gute bis eindeutige Bildbeweise gegen Rheindorfs Kabel-Theorie. Dabei werden zunächst im wesentlichen die tragenden Oberleitungen (Trägerseile) mit den Kabelaufhängern in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt, da die Fahrdrähte ja zwischen diesen hängen müssen und sich somit deren Standortfrage automatisch ergibt:
Beweis 1
Über die historische Fotos und Zeitungsausschnitte zur Verfügung stellende Seite footnote.com fand ich aus dem NARA-Archiv ein Foto des brennenden Panther aus einer niedrigen Perspektive, auf dem ebenfalls die ganzen Oberleitungen der Straßenbahnlinie gut sichtbar über die Straße verlaufen. Es ist von einem noch etwas niedrigeren und seitlich versetzten Standort aufgenommen worden als das oben beschriebene niedrigere Bild der unteren Perspektive im amerikanischen Originalfilm. |

Foto veröffentlicht auf der Webseite footnote.com, entstammt dem Archiv NARA.
Das detailreiche Foto zeigt in einer sehr guten Auflösung die Szenerie mit den Oberleitungen. Das Originalfoto in noch größerer Auflösung befindet sich hier (2.7 mb). Sehr gut kann man auf diesem Bild die betreffenden Oberleitungen und deren Verlauf sehen.
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Ein Vergleich des Kabelgewirrs auf dem Rosenmann-Filmausschnitt (links) und dem Bild aus dem NARA-Archiv (rechts) zeigt - abgesehen von einer kleinen perspektivischen Veränderung aufgrund leicht verschiedener Standorte der Kameraleute - keine Unterschiede hinsichtlich Anzahl und Position der Oberleitungen, so daß das NARA-Foto für die weitere Analyse der Oberleitungssituation problemlos herangezogen werden kann.
Eine genaue Betrachtung der verschiedenen im Bild sichtbaren Oberleitungen macht schnell deutlich, daß man es im Grunde mit vier quer über die Straße verlaufenden Trägerseilen und weiteren dazwischen verlaufenden Fahrdrähten zu tun hat. Ich habe die wesentlichen verschiedenen Trägerseile, Fahrdrähte und die Verbindungsteile, mit denen die Fahrdrähte an den Trägerseilen befestigt sind, im folgenden nur Aufhänger genannt, farblich gekennzeichnet:

Mit rot (1), gelb (2), grün (3) und blau (4) gepunkteten Linien gekennzeichnet sind die quer über der Straße hängenden Trägerseile, die weiß gepunkteten Linien zeigen Fahrdrähte an, die zwischen den verschiedenen Aufhängern verlaufen. Weitere Details folgen noch an späterer Stelle, hier an dieser Stelle reicht die Erkenntnis, daß es vier wesentliche Trägerseile über der Straße gibt. Bis auf die roten Aufhänger sind die sonstigen Aufhänger von der Größe her recht gleich, was als weitere Erkenntnis deutlich macht, daß diese Leitungen alle sehr nahe zueinander hängen müssen. Würden sie weiter auseinander hängen, wären die Größenunterschiede der Aufhänger sehr viel enormer.
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Foto veröffentlicht auf The U.S. Army 3rd Armored Division History Website
Dieses Foto zeigt vorrückende Sherman Panzer auf der Gereonstraße. Deutlich erkennbar sind die Oberleitungen und speziell die Aufhänger - rote Pfeile. Deutlich erkennbar ist auch, wie klein die Aufhänger eigentlich sind, besonders im Vergleich zu den Sherman Panzern vorne und hinten und den jeweils darunter bzw. daneben befindlichen Aufhängern. Gut sieht man, daß die Aufhänger am dritten Sherman von vorne (ganz rechter roter Pfeil) kaum zu sehen ist. Besser erkennbar sind erst die Aufhänger am ersten Sherman vorne. Man beachte auch die vergleichsweise größere Entfernung der beiden Sherman Panzer.
Die Größe der Aufhänger, die an den sichtbaren Trägerseilen hängen, spielt in den Betrachtungen von Rheindorf überhaupt keine Rolle. Die Oberleitungen hängen über der gesamten Straße, sagt er. Daß die Aufhänger, wenn sie an Trägerseilen im hinteren Teil der Straße nahe am Panther hängen würden, monumentale Ausmaße haben müßten, stört ihn anscheinend überhaupt nicht.
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Hier der Vergleich zwischen dem Foto mit den Oberleitungen aus dem NARA-Archiv und dem Bild der Panzer auf der Gereonstraße in vergrößerten Ausschnitten. Beide Bilder wurden in die Größe gebracht, in der die Aufhänger mit einer Fahrdrahtführung gleich groß sind, so daß die Relation zu Gegenständen um sie herum deutlich werden. Die gelben Pfeile zeigen die verschiedenen Aufhänger. Die beiden mit den gelb/roten Pfeilen markierten Aufhänger waren der Maßstab für die Annäherung der Größe der Fotos, beide sind jetzt gleich groß dargestellt. Der Sherman im rechten Bild befindet sich von der Position her kurz vor den darüber hängenden Oberleitungen. Im Bild links positioniert würde ein Sherman, wenn er ebenfalls kurz vor diesem entsprechenden Aufhänger stünde, so groß zu sehen sein, wie im rechten Bild. Man beachte den vergleichsweise kleinen Panther im Hintergrund. Der Panzer würde also recht nahe beim Kameramann stehen, der auf die Marzellenstraße blickt, und ergo müssen die Aufhänger ebenfalls recht nahe beim Kameramann hängen.

In den Filmszenen von Bates kann man in wenigen Bildern in der Nähe des Panther einen Aufhänger sehen, von dem zwei Fahrdrähte herunter hängen (gelber Pfeil plus Vergrößerung im Ausschnitt).

Foto veröffentlicht auf der Webseite footnote.com, entstammt dem Archiv NARA.
Diesen Aufhänger findet man in dieser Nahaufnahme des Panther wieder (gelber Pfeil plus Vergrößerung im Ausschnitt). Der Aufhänger hängt hinter dem Panther, das entsprechende Trägerseil verläuft zu einem hinter dem Panther stehenden Lampenmast (rote Pfeile - linker roter Pfeil zeigt auf den Mast).

In diesem Bild vom Dom herunter aufgenommen sieht man den hinter dem Panther stehenden Lampenmast, dieser steht schätzungsweise nur etwa 5 Meter hinter dem Panther.

Kopiert man den Panther plus sich dahinter befindlichen Aufhänger aus dem Bates-Filmausschnitten maßstabsgerecht in das Bild aus dem NARA-Archiv (rechter weiß eingerahmter Ausschnitt), erhält man einen Eindruck davon, wie groß ein Aufhänger, der sich im hinteren Teil der Straße in der Nähe des Panther befinden würde, von der Größe her erscheinen müßte. Im NARA-Bild selbst ist der Aufhänger wegen des Qualms nicht zu sehen. Man betrachte bitte die bekannten Aufhänger im oberen Bildbereich und dann den Aufhänger hinter dem Panther (gelbe Pfeile, im Kreis). Der Aufhänger beim bzw. kurz hinter dem Panther - Sie sehen ihn nicht ? Das ist verständlich, die Aufhänger der Straßenbahn-Oberleitungen haben nun mal keine monumentale Größe, und erst recht nicht, wenn sie sich in ca. 125 Meter Entfernung vom Kameramann in der Nähe des Panther befinden. Und wenn prinzipiell kleine Objekte wie diese Aufhänger in einem Bild recht groß wirken, liegt das nur daran, daß sie sich recht nahe zum Kameramann hin befinden und im Verhältnis zur Umgebung alleine wegen diese Nähe ziemlich groß wirken. Ich vergrößere das obige Bild noch einmal und zeige nur den entsprechenden Ausschnitt:

Jetzt wird der Aufhänger beim Panther langsam besser sichtbar. Aber die Aufhänger oben im Bild wirken monumental groß dagegen. Und nochmal: wir sehen beim Panther einen Aufhänger von der Bauart, wie er auch in den Filmaufnahmen von Rosenmann an den Trägerseilen hängend zu sehen ist ! Kein Mensch wird bei einem Vergleich der Größen ernsthaft in Erwägung ziehen wollen, daß diese Aufhänger nebst den Oberleitungen, an denen sie befestigt sind, in der Nähe des Panther hängen oder auch über der gesamten Marzellenstraße bis hin zum Panther.

Fotos von der Webseite Bilderbuch-Koeln.de
Weitere Bilder aus dem Jahre 1939. Auch hier kann man einen schönen Größenvergleich der Aufhänger zu der Straßenbahn bzw. den Personen darunter herstellen.
Alle ausgeführten Größenvergleiche machen deutlich, wie klein die Aufhänger in Wirklichkeit eigentlich sind. Sie erscheinen auf den Bildern von Rosenmann nur so groß, weil sie mit den gesamten sichtbaren Oberleitungen weit im Vordergrund über der Marzellenstraße hängen. Weit weg vom Panther und sehr nahe zum Kameramann hin. Der Aufhänger am Panther ist ca. 125 Meter entfernt. Wie nahe müssen also die Aufhänger in den Rosenmann-Bildern, die je nach Aufhänger mindestens ca. 5 bis 10 mal so groß sind, hängen ? Ich komme bei 5-facher Größe auf maximal 25 - 30 Meter Entfernung vom Kameramann. Dies bedeutet 90 Meter (fast eine Fußballfeld-Länge ! ) dahinter bis zum Panther keine Aufhänger und damit auch keine Oberleitungen, denn an allen in den Rosenmann Filaufnahmen sichtbaren Trägerseilen hängen Aufhänger und sichtbare Fahrdrähte können wiederum auch nur an Aufhängern befestigt sein.
Schon mit diesem ersten Beweis wird klar, daß die Oberleitungen entgegen der Feststellung von Hermann Rheindorf sehr nahe Richtung Kameramann hängen müssen und keinesfalls über der gesamten Straße hängen. Bei 90 Meter Straßenraum ohne Oberleitungen vor dem Panther und bei Filmaufnahmen aus 11 Metern Höhe ist es zudem nicht verwunderlich, wenn in den Filmbildern von Bates vor dem Panther keine Oberleitungen zu sehen sind.

Grafik-Quelle: Verein Historische Straßenbahn Köln e.V., Straßenbahn-Museum Thielenbruch
Auf dieser Grafik zu sehen sind übrigens diese von mir so genannten "Aufhänger", also die Teile, die die Fahrdrähte an den Trägerseilen halten. Hier Aufhänger für einen bzw. zwei Fahrdrähte.
EXKURS: Ein kleines Experiment zu Thema Größenverhältnisse. Hier zeige ich den Effekt, warum die kleinen Aufhänger in den Rosenmann Bildern so groß wirken, nämlich weil sie so nahe Richtung Kameramann hängen. Zu diesem Zweck habe ich mir einen Porsche ausgeliehen und vor meiner Haustüre postiert:

Kleiner Ausschnitt: Mein großer Porsche steht auf der Straße neben der Warnbake ?
Großes Bild: nein, der Porsche ist gerade mal 25 cm groß und ein Modell. Die Warnbake steht ca. 10 Meter weiter dahinter ...
Der Porsche wirkt nur so groß, weil er recht nahe zum Fotografen hin postiert war und er steht auch nicht 10 Meter weiter hinten neben der Warnbake. Dies ist der gleiche Effekt, der auch auf den Rosenmann Bildern auf den ersten Blick den Eindruck erwecken kann, die tatsächlich nahe im Vordergrund hängenden Oberleitungen würden über der ganzen Länge der Straße hängen, bis hin zum Panther. Was sie aber in Wirklichkeit nicht tun, wie wir nun nach Beweis 1 bereits wissen.
Weitere Beweise und Fortsetzung auf der nächsten Seite
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